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Mustapha Adib : Bewahrt er den Libanon vor dem Untergang?

„Ich will euer Vertrauen gewinnen“: Mustapha Adib war vor seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten Libanons Botschafter in Deutschland Bild: dpa

Libanons neuer Ministerpräsident tut etwas, was andere Politiker bislang unterlassen haben. Kann Mustapha Adib sein Land retten?

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          Kaum hatte das Parlament Mustapha Adib zum designierten libanesischen Ministerpräsidenten bestimmt, tat er etwas, das andere libanesische Spitzenpolitiker bisher unterlassen hatten: Er besuchte die Gegenden Beiruts, die von der Explosion im Hafen vor knapp einem Monat verwüstet worden sind. Ihm fehlten die Worte, sagte er dort. Den Einwohnern erklärte er: „Ich will euer Vertrauen gewinnen.“ Der Mann, der den Libanon aus der Krise führen soll, ist als offener und kommunikativer Mensch bekannt, angenehm im Umgang und unprätentiös. Wie schwer es trotz dieser Eigenschaften werden dürfte, die Bevölkerung für sich einzunehmen, konnte Adib noch am gleichen Ort erfahren, als ihm einige lautstark zu verstehen gaben, er sei in ihren Augen auch nur „einer von denen“ – also Teil der korrupten politischen Klasse.

          Der 1972 geborene Adib war bis zu seiner Nominierung jedenfalls keines ihrer bekannten Gesichter. Seit 2013 war er libanesischer Botschafter in Deutschland. Aber Adib gehört zum Lager eines der führenden sunnitischen Politiker des Landes: des schwerreichen früheren Regierungschefs Najib Mikati. Als dieser Minister für Öffentliche Arbeiten und Verkehr war, war Adib von 2000 bis 2004 dessen Berater. 2011 wurde Adib zum Kabinettschef des Ministerpräsidenten Mikati. Die Gepflogenheiten und Fallstricke der libanesischen Politik dürfte der Vater von fünf Kindern also gut kennen. Ein Vertrauter Adibs aus dessen Geburtsstadt Tripolis sagte der libanesischen Presse, dieser sei kein Mann der Maximalpositionen, sondern einer, der sich um diplomatische Lösungen bemühe.

          Mustapha Adib wird all sein Geschick brauchen, wenn er seine Regierungsmannschaft aufstellt und Reformen voranbringen will. Sein Vorgänger Hassan Diab war daran gescheitert. Wenn jetzt gespottet wird, Adib sei nicht viel mehr als ein Anagramm von Diab, dann ist das vor allem Hinweis darauf, dass auch Adib nur begrenzte Macht hat und dass auch er nicht als der unabhängige Technokrat gilt, den sich die vielen Gegner des von Korruption zersetzten libanesischen Systems auf diesem Posten wünschen. Adibs Ankündigung, es sei jetzt Zeit für Taten, nicht für Worte, klang sehr nach den Versprechen Diabs. Gemeinsam ist beiden Männern, dass sie sich einen Namen als Akademiker gemacht haben. Mustapha Adib ist promovierter Politik- und Rechtswissenschaftler. Er hat in Frankreich studiert und auch gelehrt.

          Vor etwas mehr als fünf Jahren äußerte der Botschafter Mustapha Adib im persönlichen Gespräch die Hoffnung, der Libanon möge mehr positive Schlagzeilen machen – als attraktives Reiseland und Kultur-Hochburg. Heute sind die Berichte aus seinem Land düster – und er soll als Regierungschef helfen, es vor dem Untergang zu bewahren.

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