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Abzug der Amerikaner aus Irak : Wie ist die Stimmung im Irak tatsächlich?

Demonstranten vor der amerikanischen Botschaft in Manila auf den Philippinen Bild: EPA

Am Sonntag forderte Iraks Parlament per Beschluss den Truppenabzug der Amerikaner und rief die Regierung zu entsprechenden Schritten auf. Warum schaltete Regierungschef Mahdi die Abgeordneten ein?

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          Mike Pompeo befand sich gerade auf einer morgendlichen Tour durch die Fernsehsender. Der amerikanische Außenminister ist seit dem Abgang von Sicherheitsberater John Bolton der letzte namhafte Falke der Regierung, insbesondere in der Iran-Politik. Er hatte am Sonntag die Aufgabe, die Entscheidung seines Präsidenten zu rechtfertigen, Qassem Soleimani, die faktische Nummer zwei in Iran, auszuschalten. Es ging um Fragen einer Gesamtstrategie, um Zweifel an den nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und um die Folgen für die Region. Plötzlich liefen Eilmeldungen aus Bagdad ein.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Als Pompeo auf die scharfen Töne des irakischen Regierungschefs Adel Abdul Mahdi und die Abzugsforderung des Parlaments angesprochen wurde, nannte er Mahdi zunächst Ministerpräsident, um die Bezeichnung dann noch einmal zu korrigieren: „zurückgetretener Ministerpräsident, amtierender Ministerpräsident“, ergänzte er. Mahdi hatte im November im Zuge andauernder Massenproteste gegen die korrupte politische Klasse und blutiger Gewaltexzesse bei dem Versuch, diese niederzuschlagen, seinen Rücktritt eingereicht. Seither wird über einen Nachfolger gestritten. Pompeo wies so dezidiert darauf hin, dass Mahdi der Regierung nur noch kommissarisch vorstehe, um deutlich zu machen: Über die Präsenz amerikanischer Soldaten im Irak ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das irakische Volk wolle, dass diese blieben, fuhr er fort. Mahdi sei mit „enormen Drohungen“ ebenjener iranischen Führung konfrontiert, die Washington zurückdränge.

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