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Murdochs Niedergang : Englands Chance

  • -Aktualisiert am

Murdoch hat seine Macht verloren - die britische Politik kann zumindest kurz Aufatmen Bild: dpa

Schmutziger Journalismus hat Tradition in England: Nun ist immerhin Rupert Murdochs zersetzende Macht gebrochen. Für das politische Leben ist das eine gute Neuigkeiten. Viel zu lange zitterte sie vor dem Medienzar.

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          Rupert Murdochs britisches Medienimperium befindet sich im Niedergang. Was das für Folgen haben wird, ist nicht absehbar. Ein paar der Konsequenzen lassen sich allerdings bereits erahnen. Einige sind erfreulich, andere nicht. Offen zutage liegen besonders die positiven Folgen. Murdoch hatte immense Macht in der britischen Öffentlichkeit, der Effekt dieser Macht war vor allem eines: zersetzend. Durch den Skandal hat er enorm an Einfluss verloren, wenn er denn überhaupt noch einen hat. Für das politische Leben des Landes sind das überaus gute Neuigkeiten. Viel zu lange zitterte die Politik vor dem Medienzar. Viele hoffen nun auch, dass das Niveau der gesellschaftlichen Debatten besser wird, jetzt, da die Glaubwürdigkeit der Boulevardpresse mit ihren schreienden Titelseiten erschüttert scheint. Der Skandal hat gezeigt, wie hemmungslos der britische Boulevard in die Privatsphäre der Menschen eindringt. Woher das kommt, was das bedeutet, wie verbreitet das ist und was dagegen zu tun ist - zu diesen Fragen wird noch viel zu sagen sein.

          Der Skandal um Murdochs Zeitungen hat aber nicht nur ihm selbst, sondern auch der Pressefreiheit Schaden zugefügt. Das ist die bedrückende Seite der Geschichte. Murdochs Journalisten haben aus der Freiheit der Presse einen Freibrief für die Presse gemacht, und dieser Missbrauch könnte schlimme Folgen haben. Wie weit dürfen Journalisten bei ihrer Recherche gehen? Die indiskutable Arbeitsweise der Journalisten von Murdochs "News of the World" wird Nachwirkungen haben. Die Frage ist nur: Welche? In Großbritannien bewegt sich das politische Denken seit Jahrzehnten im Mittelmaß. Das macht wenig Hoffnung auf eine intelligente Reaktion seitens der Politik.

          Unheilvoller Einfluss

          Rupert Murdochs Einfluss auf Presse und Politik, in England wie auch anderswo, war in beinahe jeder Hinsicht unheilvoll. Schmutziger Journalismus hat Tradition in England, Murdoch ist es aber gelungen, neue unterirdische Tiefen zu erreichen, durch eine ekelhafte Gerüchteköchelei, mit skandalösen Enthüllungen über das Privatleben von Berühmtheiten. Die Politiker erstarrten vor ihm wie das Kaninchen vor der Schlange, sie eilten zu ihm und baten ihn um Unterstützung, teils aus der Überzeugung, dass er massiven Einfluss auf den Ausgang von Wahlen nehmen konnte, teils aus der Furcht vor seinen Schlagzeilen, aus Furcht davor, von seinen Reportern auch mit Enthüllungen und Skandalen gejagt zu werden. Es war ja auch gleich, ob die Behauptungen seiner Blätter der Wahrheit entsprachen oder nicht. Die Politiker wussten, dass Murdoch ihren Karrieren irreparablen Schaden zufügen konnte. So gelang es ihm tatsächlich, durch kollektive wie gezielte Erpressung Teile der britischen Politik lahmzulegen - ein Zustand, für den es einen ebenso arroganten wie aggressiven Boulevardjournalismus brauchte.

          Viel zu lange zitterte die Politik vor dem Medienzar Murdoch

          Die "News of the World" und die "Sun" fuhren ihr Geld mit Schmutz und schlüpfrigem Klatsch ein. Auf die Leser dieser Zeitungen wirft das nicht das beste Licht. Viel schlimmer ist aber, wie die beiden Blätter die öffentliche Diskussionskultur korrumpiert haben. Murdochs Boulevardjournalismus reduzierte Fragen von echter politischer oder moralischer Relevanz auf platte Slogans - die in den Zeitungen ohnehin stets hinter Klatsch und Sport zurückstehen mussten.

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