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Murdochs Niedergang : Englands Chance

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Neben aller Erleichterung und Hoffnung - Murdochs Schwächung bereitet doch auch Sorgen. Es geht nicht darum, dass er sich dazu entschließen könnte, sich ganz aus der britischen Presselandschaft zurückzuziehen, was für die "Times" und die "Sunday Times", die schwere Verluste einfahren, fatal wäre. Es wäre bitter für das Land, wenn die "Times" schließen müsste, sie spielt für das öffentliche Bewusstsein der Nation schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Murdoch wurde bisweilen gelobt dafür, dass er diese beiden Zeitungen am Leben gehalten hat, obwohl sie unprofitabel sind. Dabei wird allerdings übersehen, dass ihn dazu keineswegs Großmut bewegt. Die Verluste der Zeitungen gestatten ihm vielmehr, sehr viel Steuergeld zu sparen.

Stärkere Kontrollorgane nötig

Wirklich Sorgen machen muss einem aber vor allem die Frage, welche Folgen das eklatante Fehlverhalten von Murdochs Zeitungen für die Mediengesetzgebung, für die Pressefreiheit in Großbritannien zeitigen wird. Jeder weiß zwar, dass es in einer Demokratie nicht ohne eine freie Presse geht. Murdochs Journalisten haben es allerdings derart bunt getrieben, ihre Informationsbeschaffung war so weit jenseits von Gut und Böse, dass die schwächliche Selbstkontrolle, mit der die Presse in Großbritannien derzeit noch arbeiten darf, so kaum fortbestehen wird.

Für Beschwerden ist die "Press Complaints Commission" (PCC) zuständig, eine Organisation, die von der Zeitungsindustrie selbst betrieben und finanziert wird. Sie steht wegen ihrer Unzulänglichkeit schon jetzt auf der Abschussliste. Prinzipiell ist der Gedanke, dass die Presse sich selbst kontrolliert, natürlich reizvoll, so bleibt sie dem Einfluss der Politik entzogen. Die PCC aber ist als Organ für diese Kontrolle nicht stark genug. Das belegt nicht zuletzt ihre totale Unsichtbarkeit während dieses Abhörskandals, der schließlich im Grunde schon seit zehn Jahren immer höher kocht. Wer oder was also sollte als regulatorische Instanz an ihre Stelle treten? Die Antwort auf diese Frage ist durch den Murdoch-Skandal so dringend wie nie geworden.

Zumal die ganze Affäre auf Probleme hinweist, die sich bei weitem nicht auf die "News of the World" beschränken. Murdochs Zeitungen waren nicht die einzigen, die sich zur Informationsbeschaffung illegaler Methoden bedient haben. In einer von der Datenschutzbehörde ("Information Commissioner's Office") 2005 erstellten Studie kam vielmehr heraus, dass die "News of the World" bei der Anzahl der Verstöße gegen die Privatsphäre von Menschen lediglich an fünfter Stelle der britischen Zeitungen stand. Die "Sun" wurde in dieser tristen Rangliste gar nur 15., während den ersten Platz die "Daily Mail" belegte, eine Zeitung, die nicht zu Murdochs Imperium gehört. Als die Studie veröffentlicht wurde, interessierte sich kaum jemand für sie. Im Zuge der Murdoch-Affäre sind die Engländer jedoch sensibel geworden. Sie verlangen Aufklärung. Wo diese Aufklärung haltmachen wird, ist allerdings noch nicht klar.

Konsequente Bestrafungen

Die beste Lösung für eine wildgewordene Presse ist nicht, den Journalisten bei ihren Recherchen Ketten anzulegen, sondern sie konsequent zu bestrafen, wenn sie sich dabei nicht an die Regeln halten. Man könnte zum Beispiel festlegen, dass Richtigstellungen und Entschuldigungen in den Zeitungen an der gleichen Stelle und genauso groß gedruckt werden müssen wie die falschen Behauptungen, die ihr Anlass sind. Richtigstellungen können Tage, ja Wochen später auf irgendeiner Seite weit hinten im Blatt untergebracht werden. Das machen sogar Zeitungen so, die vorgeblich über jeden moralischen Verdacht erhaben sind wie der "Guardian".

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