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Murdoch-Abhöraffäre : Der Freundeskreis von Chipping Norton

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zur Anhörung: Rupert Murdoch am Dienstag im Zentrum Londons Bild: dapd

Der Skandal um das Murdoch-Blatt „News of the World“ droht nicht nur den Unternehmer in den Abgrund zu reißen. Auch Premierminister Cameron gerät immer stärker unter Druck. Man kennt sich gut.

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          Vierundzwanzig Stunden bevor Murdochs „News of the World“ in den Verdacht geriet, auch die Mailbox des entführten Teenagers Milly Dowler abgehört und den Eltern falsche Hoffnungen gemacht zu haben, dass ihre Tochter noch am Leben sei, luden Elisabeth Murdoch und ihr Mann, der einflussreiche PR-Agent Matthew Freud, zu einem rauschenden Fest in ihr Landhaus ein.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Das Anwesen, ein ehemaliges Benediktiner-Priorat, liegt in Burford, einem malerischen Ort im Herzen der Cotswolds, rund hundert Kilometer nordwestlich von London. Im benachbarten Chipping Norton, einer alten Marktstadt, die wie viele der Dörfer in der Umgebung ihr Erscheinungsbild dem florierenden Wollhandel im Mittelalter verdankt, besitzt die Murdoch-Favoritin Rebekah Brooks ein Wochenendhaus. Chipping Norton gehört zum Wahlkreis von David Cameron und auch er hat in nächster Nähe ein Haus.

          Aufgrund der vielen Prominenten aus Politik und Medien, die in der Umgebung angesiedelt sind und regelmäßig miteinander verkehren, ist schon seit längerem von der sogenannten Chipping-Norton-Clique die Rede, zumal in jenen Teilen der Presse, die eine unheilvolle Intimität zwischen der konservativ-liberaldemokratischen Regierung und der Murdoch-Organisation unterstellen. Das Einflussnetz hat sogar zu der Behauptung geführt, die Schickeria von Chipping Norton stelle so etwas dar wie den gesellschaftlichen Flügel von News International, dem britischen Zeitungsunternehmen des Murdoch-Konzerns News Corporation.

          In der Ära von Andy Coulson soll „News of the World” direkt bei Polizeibeamten Informationen gekauft haben

          Partygespräche

          An jenem Juliabend, bevor die seit Jahren schwelende Abhöraffäre um die „News of the World“ durch die Enthüllungen über Milly Dowler den Wendepunkt erreichten, feierten die Gäste des Ehepaares Freud bis in den Morgen hinein. Bildungsminister Michael Gove und Kulturstaatsminister Ed Vaizey waren ebenso zugegen wie die ehemaligen Labourminister David Miliband, Peter Mandelson und James Purnell, Camerons Strategiedirektor Steve Hilton und dessen Frau Rachel Whetstone, Kommunikationschefin von Google, sowie Mark Thompson, Generaldirektor der BBC, Elisabeth Murdochs jüngerer Bruder James, der unter anderem für das europäische Geschäft des väterlichen Imperiums zuständig ist, und andere einflussreiche Figuren aus der Medienwelt.

          Vor drei Jahren hatte ein anderes Fest in diesem Hause zu Spekulationen Anlass gegeben. Bei der Feier zum vierzigsten Geburtstag von Elisabeth Murdoch wurden Tony Blair und der damalige Außenminister David Miliband in engem Gespräch beobachtet, woraus geschlossen wurde, dass der ehemalige Premierminister sich an einer Verschwörung gegen seinen Nachfolger Gordon Brown beteilige.

          Und seitdem ruchbar wurde, dass David Cameron über die Weihnachtstage mit James Murdoch bei Rebekah Brooks zu Gast war, wird der Premierminister immer wieder nach Einzelheiten über das Treffen gefragt, das stattfand, unmittelbar nachdem der Premierminister seinem Handelsminister Vince Cable die Entscheidungsmacht über die von den Murdochs angestrebte Übernahme der Restanteile am Bezahlsender BSkyB entziehen musste. Der Liberaldemokrat Cable hatte gegenüber zwei Reporterinnen des „Daily Telegraph“, die sich als Bewohnerinnen seines Wahlkreises ausgaben, geprahlt, dass er Krieg gegen Murdoch führe.

          Treffen beim Tennis

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