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Kampf gegen IS : Alle wollen dabei sein, wenn Mossul fällt

Die irakische Armee kontrolliert einen möglichen IS-Kämpfer in den Vororten von Kirkuk. Bild: AFP

Eint das gemeinsame Ziel die Allianz, die den „Islamischen Staat“ aus dem Irak vertreiben will? Es geht offenbar nicht darum, wann Mossul eingenommen wird, sondern wie. Vor allem eine Gruppe fürchtet die Anti-IS-Koalition.

          Die irakische Kleinstadt Kalak liegt an der Hauptverkehrsstraße genau zwischen zwei Hauptstädten im Norden des Landes: zwischen der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil und Mossul, dem Sitz des „Kalifats“ der Terrorgruppe „Islamischer Staat“. Hier, in der Kleinstadt Kalak, betreibt Onkel Salih einen Straßenimbiss. Die Männer, die vor seinem Laden sitzen, sollen dafür sorgen, dass eine der beiden Hauptstädte bald keine mehr ist.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          In Onkel Salihs Straßenimbiss ist morgens jetzt noch mehr los als sonst. Neben den Stammkunden, die sich auf dem Weg zur Arbeit mit einem Frühstück versorgen, kommen auch Männer in den verschiedensten Uniformen, um rasch einen Hähnchen-Döner zu essen. In der noch milden Morgensonne sitzen sie vor dem Imbiss. Jeder kennt jeden oder zumindest einen von dessen Verwandten. Nur die Soldaten der irakischen Armee wirken hier, unter Kurden, etwas fremd.

          Vor einer Woche hat die Offensive zur Rückeroberung Mossuls begonnen – die größte Militäroperation im Irak seit dreizehn Jahren. Je nach Perspektive hat sie ein paar Tage früher oder zwei Jahre später als erwartet begonnen. Anfang Juni 2014 hatten die Dschihadisten des IS Mossul eingenommen. Hunderttausende Menschen flohen damals aus der Stadt, auch viele Soldaten der irakischen Armee. Sie ließen Uniformen und Gerät zurück. Der IS münzte den militärischen Erfolg geschickt in einen propagandistischen um: Nicht einmal drei Wochen nach der Eroberung Mossuls rief der IS-Anführer Abu Bakr al Baghdadi in einer Moschee in Mossul einen „Islamischen Staat“ aus. Sich selbst ernannte er zum „Anführer der Gläubigen“. Seitdem firmiert er als „Kalif Ibrahim“.

          Streit um Mossul: Welche Flagge weht bald in der irakischen Stadt?

          Der neue irakische Ministerpräsident, Haider al Abadi, ist nicht müde geworden, die baldige Befreiung Mossuls anzukündigen. Termine wurden genannt und verstrichen. Erst in diesem Frühjahr nahm die Sache Fahrt auf. Es gelang den irakischen Kräften, das IS-Gebiet um Mossul langsam zu verkleinern. Unterstützt wurden sie dabei durch Luftschläge der Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat, an der sich auch Deutschland beteiligt. Ein wichtiger Zwischenschritt war die Eroberung der früheren Luftwaffenbasis Qayyarah im Juli – auch sie war jahrelang in der Hand des IS gewesen. Dort, etwa 60 Kilometer südlich von Mossul, haben die Vereinigten Staaten einen wichtigen Stützpunkt eingerichtet, über den Soldaten und Material in die Region gelangen.

          Seit einer Woche nun wird der IS in Mossul angegriffen: vom Brückenkopf Qayyarah im Süden, aus der Richtung Dohuks im Norden und aus dem Osten, von der kurdischen Metropole Erbil aus. Der irakische Ministerpräsident verkündete zum Beginn der Offensive, bald werde „die irakische Flagge wieder über dem Zentrum Mossuls sowie über allen Dörfern“ wehen. Daran könnten allerdings Zweifel aufkommen, denn die Allianz, die sich zusammengefunden hat, ist schillernd: Soldaten der irakischen Nationalarmee stellen das Gros der etwa 30.000 Mann starken Koalition. Neben ihnen kämpfen Truppen der Peschmerga – der Streitkräfte der nordirakischen autonomen Region Kurdistan – und schiitische Milizen, die sogenannte Haschd schaabi („Volksmobilisierung“); außerdem Milizen der Christen, der Jesiden und der Turkmenen; sowie Truppen der internationalen Anti-IS-Koalition, unter ihnen mehrere hundert amerikanische Spezialkräfte.

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