https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/mossad-chef-yossi-cohen-zur-rolle-israels-bei-der-explosion-in-iran-17384348.html

Mossad-Chef Yossi Cohen : Explosive Lieferung aus Israel

Yossi Cohen am 3. Juli 2016 in Jerusalem Bild: AP

Der Mossad habe eine Rolle bei einer Explosion in Irans Urananreicherungsanlage gespielt, bestätigt der scheidende Mossad-Chef. Der Marmorboden unter den Zentrifugen sei mit Sprengstoff angereichert gewesen.

          2 Min.

          Der scheidende Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Yossi Cohen hat in einem Fernsehinterview noch einmal deutlicher als zuvor die Rolle Israels bei der Ermordung des iranischen Atomwissenschaftlers Mohsen Fakhrizadeh sowie bei der Explosion in der Urananreicherungsanlage in Natans bekräftigt. Im Juli vergangenen Jahres und im April dieses Jahres war es in Natans zu Sabotageakten gekommen. Auf die Frage, wohin Cohen seine Interviewpartnerin in Natans bringen würde, wenn möglich, antwortete der Mossad-Chef: „In den Keller, weil sich dort die Zentrifugen gedreht haben“. Heute, so Cohen, „sieht es (dort) nicht so aus wie es früher aussah“.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          In der mutmaßlich von der israelischen Militärzensur freigegebenen Sendung „Uvda“ (Fakt) beschrieb Cohens Interviewerin in ihren Worten die Vorgehensweise der Saboteure. „Der für die Explosionen verantwortliche Mann stellte sicher, den Iranern den Marmorboden zu liefern, auf denen die Zentrifugen platziert wurden“, sagte sie. „Als sie den Boden in der  Anlage von Natans legten, wussten sie nicht, dass dieser bereits eine große Menge an Sprengstoff enthielt.“ Selbst bestätigte Cohen Israels Verantwortung für den Angriff nicht.

          Warnung an iranische Wissenschaftler

          Abermals warnte Cohen zudem iranische Wissenschaftler, sich am Nuklearprogramm des Landes zu beteiligen. „Wenn die Wissenschaftler gewillt sind, ihre Karriere zu verändern und uns nicht mehr zu schaden, dann ja, manchmal bieten wir ihnen einen Ausweg“, so Cohen. Entsprechende Angebote habe der Mossad Iranern in der Vergangenheit auch bereits gemacht. Fakhrizadeh sei vom Mossad über Jahre beobachtet worden.

          Cohen ist stark dafür kritisiert worden, für seine Position an der Spitze des eigentlich im Geheimen operierenden Mossad ungewöhnlich viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben zu haben. Auch seine persönliche Nähe zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und zu gemeinsamen wohlhabenden Freunden war ihm vorgeworfen worden. Cohen sagte jetzt, die Annahme von zwanzigtausend Dollar des Milliardärs James Packer für die Hochzeit von Cohens Tochter sei ein Fehler gewesen. Packer hatte auch die Netanjahu-Familie regelmäßig mit Geschenken versorgt. Cohen bejahte die Frage, ob er sich dereinst einmal selbst vorstellen könne, Israels Ministerpräsident zu werden.

          Der Vertraute Netanjahus verteidigte diesen auch darin, dass Netanjahu vor drei Jahren an die Öffentlichkeit gegangen sei, als er den Inhalt des vom Mossad konfiszierten und nach Israel verbrachten sogenannten iranischen Atomarchivs präsentiert hatte. Dessen Inhalt zeigt grundsätzlich, dass Iran von 1999 bis 2003 ein Nuklearwaffenprogramm betrieb und das entsprechende Wissen konservierte.

          Israel betont, dass Iran konsequent weiter daran arbeitet. „Es war wichtig für uns, dass die Welt das sieht“, sagte Cohen, aber es sei auch darum gegangen, der iranischen Führung zu zeigen: „Liebe Freunde, erstens wurdet ihr infiltriert. Zweitens sehen wir euch. Drittens ist die Ära von Lügen vorbei“, so Cohen. Der Sendung zufolge waren an der Operation zwanzig Agenten, aber kein israelischer Staatsbürger beteiligt. Alle diese Agenten hätten überlebt, so Cohen, doch habe man einige aus Iran in Sicherheit gerettet. Zum Juni ist Cohen als Mossad-Chef von David Barnea abgelöst worden.

          Weitere Themen

          Anklage fordert Haft für Berlusconi

          „Bunga-Bunga-Partys“ : Anklage fordert Haft für Berlusconi

          Silvio Berlusconi soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für sechs Jahre in Haft. Im „Bunga Bunga“-Prozess wird dem italienischen Ex-Ministerpräsidenten Korruption und Zeugenbestechung vorgeworfen. Berlusconi bestreitet die Vorwürfe.

          Topmeldungen

          Pro-russische Kräfte auf einem Panzer mit der Aufschrift „Russland“ in der Region Donezk

          Krieg in der Ukraine : Wie Russland seine Strategie im Donbass ändert

          Statt durch eine große Zangenbewegung versucht das russische Militär in der Ostukraine nun die Verteidiger in kleinen Kesseln zu binden. Dazu setzt Moskau laut Angaben Kiews auf eine erdrückende Übermacht.
          „Aber nur durch die Gegend cruisen hat keinen Effekt“, sagt Sportwissenschaftler Froböse zum Radfahren.

          Sippels Sportstunde : Ist Radfahren oder Joggen besser?

          Radfahren liegt im Trend. Denn es soll ja so gelenkschonend sein. Aber ist viel Schonung wirklich gut? Oder sollten wir lieber weiter joggen? Was bringt das Herz-Kreislauf-System mehr in Schwung?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage
          Automarkt
          Top-Gebrauchtwagen mit Garantie