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Russisches Flaggschiff : „Moskwa“ nach Explosion schwer beschädigt

  • Aktualisiert am

Der Raketenkreuzer „Moskwa“ im Juni 2021 vor der türkischen Küste Bild: Reuters

Das Flaggschiff der russischen Marine, die „Moskwa“, ist durch eine ukrainische „Neptun“-Rakete stark beschädigt worden. Die Besatzung wurde laut Russland von Bord gebracht.

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          Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte ist nach einer Munitionsexplosion an Bord schwer beschädigt worden. „Infolge eines Feuers auf dem Lenkwaffenkreuzer „Moskwa“ ist Munition detoniert“, teilte die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Die gesamte Besatzung sei in Sicherheit gebracht worden, die Brandursache werde noch untersucht. Das 11.500 Tonnen schwere Schiff hat normalerweise eine Besatzung von rund 500 Personen an Bord.

          Das ukrainische Militär teilt mit, es habe das russische Kriegsschiff „Moskwa“ mit einer „Neptun“-Rakete getroffen. Der Raketenkreuzer, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, sei erheblich beschädigt worden, erklärt das Militärkommando für den Süden der Ukraine auf Facebook. Zwischenzeitlich hatte der ukrainische Präsidentschaftsberater Olexij Arestowytsch behauptet, die „Moskwa“ sei gesunken. „Wo ist die „Moskwa“? 'Sie ist ertrunken'“, schrieb Arestowytsch auf Twitter. Der Gouverneur der Region um die Hafenstadt Odessa, Maxim Marchenko, hatte zuvor in einem Online-Post erklärt, das Schiff sei von zwei ukrainischen Neptun-Marschflugkörpern getroffen worden.

          Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ist das Feuer auf dem Raketenkreuzer „Moskwa“ eingedämmt. Das Kriegsschiff werde nun zum Hafen zurückgeschleppt, die Besatzung sei auf anderen Schiffen untergebracht worden. Die wichtigsten Waffen der „Moskwa“ seien nicht beschädigt worden, das Schiff laufe auch nicht Gefahr zu sinken.

          Widersprüchlichen Angaben zufolge soll der Raketenkreuzer entweder vor der von Russland eroberten Schlangeninsel oder in der Bucht von Sewastopol auf der annektierten Halbinsel Krim getroffen worden sein. Zuletzt hatten Satellitenbilder des US-Anbieters Maxar die „Moskwa“ im Hafen von Sewastopol gezeigt.

          Der lettische Verteidigungsminister und stellvertretende Ministerpräsident Artis Pabriks verglich den möglichen Verlust der „Moskwa“ mit dem Verlust des deutschen Schlachtschiffs „Bismarck“ im Zweiten Weltkrieg. Es sei kein Wunder, dass sich Russland schäme, seine Öffentlichkeit „über den erfolgreichen Schlag gegen das Flaggschiff und das imperiale Denken Russlands zu informieren“, schrieb Pabriks.

          Nach Angaben Kiews war die „Moskwa“ an einem der wichtigsten Gefechte zu Beginn des Krieges beteiligt, als ukrainische Grenzsoldaten auf der Schlangeninsel, einer kleinen Landzunge im Schwarzen Meer, von dem Schiff angegriffen wurden. 19 ukrainische Marinesoldaten gerieten bei der Attacke in russische Gefangenschaft. Ende März wurden sie nach Angaben des ukrainischen Parlaments im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit Russland freigelassen.

          Russischen Nachrichtenagenturen zufolge ist die 1983 in den Dienst der Schwarzmeerflotte gestellte „Moskwa“ unter anderem mit 16 Anti-Schiffs-Marschflugkörpern vom Typ „Vulkan“ ausgestattet, die eine Reichweite von mindestens 700 Kilometern haben. Hinzu kommen demnach weitere Waffensysteme, darunter Anti-U-Boot-Waffen. Sie wurde zu Sowjetzeiten in der ukrainischen Stadt Mykolajiw gebaut. Im Jahr 2015 war das Kriegsschiff mit seiner 510-köpfigen Besatzung laut Tass im östlichen Mittelmeer im Einsatz gewesen, um von dort aus den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien abzusichern.

          Fluchtkorridore sollen geöffnet werden

          Die ukrainische Regierung hat derweil die Wiederöffnung von Fluchtkorridoren aus umkämpften Gebieten im Osten und Süden des Landes angekündigt. "Für heute sind neun humanitäre Korridore geplant", erklärte die stellvertretende Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag auf Telegram. Am Vortag waren die Evakuierungen nach ukrainischen Angaben aus Sicherheitsgründen ausgesetzt worden.

          Die russischen Truppen verstießen „gegen internationales Recht", die Lage sei zu gefährlich, hatte Wereschtschuk am Mittwoch erklärt und auf von russischen Streitkräften blockierte Busse und Verstöße gegen Feuerpausen verwiesen. „Die humanitären Korridore in der Region Luhansk werden unter der Bedingung geöffnet, dass der Beschuss durch die Besatzungstruppen eingestellt wird", erklärte sie nun.

          In Erwartung eines russischen Großangriffs im Osten rufen die ukrainische Behörden die Bevölkerung der Donbass-Region seit Tagen auf, sich gen Westen in Sicherheit zu bringen. Bei einem Raketenangriff auf einen Bahnhof in der Stadt Kramatorsk waren in der vergangenen Woche dutzende Flüchtende getötet worden. Moskau und Kiew beschuldigten sich gegenseitig.

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