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Moskauer Wertediskussion : Für die Familie und Neurussland

Er selbst habe in seinen 50 Lebensjahren „viel Zeit verloren“ und leider nur fünf Kinder gezeugt. Ein Foto am Stand zeigt Jakunins Mann in Krasnojarsk mit einem Veteranen des zweiten Tschetschenien-Krieges in Omsk, dem die rechte Hand weggesprengt wurde. Er habe aber danach noch sechs Stunden weitergekämpft, sagt der Biker. „Ein echter Christ ist derjenige, der bereit ist, sein Leben für andere zu opfern.“

Eine Stiftung auf den Kaimaninseln

Malofejew, dessen Stiftung „Basilius der Große“ ebenfalls unter den Organisatoren des Moskauer Forums genannt wird, machte sein Geld mit dem Investmentfonds Marshall Capital Partners, der auf den Kaimaninseln registriert ist. Seine Stiftung unterstützt Krankenhäuser, die orthodoxe Kirche, ein Programm gegen Abtreibungen - und die Separatisten im Osten der Ukraine. Malofejews Stiftung stellte im Sommer Zelte in Moskau auf, in denen Hilfsgelder und -güter gesammelt wurden; mittlerweile sollen die Lager voll sein.

Sie hat laut der Zeitung „RBK Daily“ am 17. Juni ein offizielles Abkommen zur „Zusammenarbeit“ mit der „Donezker Volksrepublik“ abgeschlossen. Für letztere unterzeichnete ihr damaliger „Ministerpräsident“ Alexander Borodaj. Er ist ein ehemaliger Mitarbeiter Malofejews, wie dieser der Zeitschrift „Forbes Russia“ bestätigte. In dem Abkommen geht es angeblich um die Sammlung humanitärer Hilfe in Russland. Mit Malofejews Stiftung arbeitet laut „RBK Daily“ das „humanitäre Bataillon ,Neurussland‘“ zusammen, das Igor Girkin alias Strelkow unterstehe, dem mittlerweile aus Donezk verschwundenen, aus Moskau stammenden Rebellenführer.

Die Stiftung gab an, Hilfsgüter nur auf russischem Staatsgebiet zu verteilen. Doch aus den Reihen der Separatisten hieß es, sie liefere direkt nach Donezk. Der radikale russische Ideologe Alexander Dugin äußerte, die Stiftung habe Hilfe in „nie dagewesenem“ Ausmaß geleistet: „In einem bestimmten Moment war diese Hilfe entscheidend, sowohl auf der Krim als auch in Neurussland.“ Die Europäische Union, Norwegen und die Schweiz haben gegen Malofejew Einreiseverbote und Kontosperren verhängt. In der Ukraine wird gegen ihn wegen Mittäterschaft bei und der Finanzierung von Terrorismus ermittelt.

Putin als „Erlöser“

Mit Alexander Dugin, dem Kopf der russischen „Eurasischen Bewegung“, eint Malofejew das Ziel einer imperialen, orthodoxen Idee. Ende Mai finanzierte seine Stiftung ein Treffen Dugins mit europäischen Rechtspopulisten etwa aus Österreich und Frankreich im Palais Liechtenstein in Wien, wo Putin als „Erlöser“ bezeichnet wurde. Dugin vertritt die Auffassung, dass es eine „prorussische fünfte Kolonne“ aus „Intellektuellen“ gebe, „die ihre Identität stärken wollen“. Europa solle auf friedlichem Wege zu einem russischen Protektorat werden und sich so vor gleichgeschlechtlichen Ehen und allgemein vor Liberalismus schützen.

Dessen Ablehnung eint die großrussischen Denker und die konservativen Gruppen insbesondere in Europa und den Vereinigten Staaten, die nach Moskau gekommen sind. Der Umgang Russlands mit der Ukraine hingegen scheint auch in ihren Reihen kontrovers aufgenommen worden zu sein. Denn auf der Website des „World Congress of Families“ - einer im amerikanischen Bundesstaat Illinois ansässigen Dachorganisation verschiedener Gruppen, die Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe ablehnen -, der das Moskauer Forum eigentlich ausrichten sollte, findet sich der Hinweis, dass die Planung für den Kongress „ausgesetzt“ worden sei. „Die Situation in der Ukraine und auf der Krim“ habe Fragen hinsichtlich der Reise, der Logistik und planungsnotwendiger Angelegenheiten aufgeworfen“. Allerdings ist Laurence Jacobs, der Direktor der Organisation, trotzdem nach Moskau gekommen: als Privatmann.

Unterkunft im „besten Hotel am Platz“

„Die Zukunft hängt von der natürlichen Familie ab!“, ruft Jacobs rund zwei Dutzend Zuhörern in einem weiteren Versammlungssaal der Christ-Erlöser-Kathedrale zu. Unter ihnen ist, in Tracht, eine Vertreterin der Marktgemeinde Schlanders in Südtirol, die hier, bei dem „runden Tisch“ zur „Profamiliären Wirtschaft“, gern die Initiativen ihrer Heimat vorgestellt hätte: die Kleiderkammer für arme Familien, das garantierte Existenzminimum, die Betreuung, die Kindertagesstätten, „und das Ehrenamt wird bei uns großgeschrieben“.

Ihr hätten die Organisatoren zwar die Unterkunft „im besten Hotel am Platz“ bezahlt, berichtet sie in einer Pause, und herumgefahren würden sie in „Diplomatenbussen mit Polizeieskorte“. Aber vom Erfolgsmodell Schlanders reden darf sie nicht. Stattdessen tritt eine Russin auf, die behauptet, in ihrem Unternehmen würde eine Frau, die sage, sie bekomme ein Kind, sofort bezahlten Urlaub erhalten.

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