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Gesichtserkennung : Moskau ergreift drastische Maßnahmen wegen Coronavirus

Medizinisches Personal im Schutzanzug kontrolliert die Temperatur eines chinesischen Passagiers am Bahnhof Jaroslawskij in Moskau. Bild: dpa

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, setzt Moskau auf drastische Quarantänemaßnahmen. In sozialen Medien macht sich Unmut über den Umgang Russlands mit dem Virus Luft.

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          Russlands Hauptstadt versucht, die Ausbreitung des Coronavirus mit drastischen Quarantänemaßnahmen einzudämmen. Ein Erlass des Bürgermeisters Sergej Sobjanin ordnet für Moskau „erhöhten Bereitschaftszustand“ an. Es verpflichtet Personen, die Gebiete besucht haben, in denen das Virus „festgestellt worden ist“, die Behörden telefonisch über ihre Rückkehr, besuchte Orte und Aufenthaltszeiten zu unterrichten.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Wer aus einem Staat mit „ungünstiger“ Coronavirus-Lage in Moskau ankommt, wird zudem verpflichtet, 14 Tage seine „Selbstisolierung zu Hause zu garantieren“. Als solche Staaten gelten derzeit Deutschland, Italien, Frankreich, die Schweiz, Spanien, Großbritannien, Norwegen, die Vereinigten Staaten, Südkorea, Iran und China.

          Überwachungskameras mit Gesichtserkennung

          In dieser Zeit darf man nicht zur Arbeit gehen, Bildungseinrichtungen besuchen und muss den Aufenthalt im öffentlichen Raum „minimieren“. Zur Kontrolle setzen die Behörden Überwachungskameras ein, die mit Gesichtserkennungsfunktion ausgestattet sind. Die Beschränkungen betreffen zunächst nur die Hauptstadt und sind kein Einreiseverbot, wie es bisher Iraner und Chinesen trifft. Unklar blieb, was für Reisende gelten soll, die Moskau kurz besuchen wollen, sowie die Frage, welche Strafen bei Verstößen drohen.

          In Russland gibt es bisher nach offiziellen Angaben vom Freitag zehn Fälle, in denen das Virus festgestellt wurde: Zwei (inzwischen genesene) Chinesen, sieben Russen, die demnach alle vor kurzem aus Italien zurückkehrten sowie ein Italiener, der in Sankt Petersburg Medizin studiert. Dort stehen nun Hunderte Bewohner des Wohnheims, in dem der Mann untergebracht war, „unter Beobachtung“ und besuchen Kurse „aus der Entfernung“, was laut Behörden keine Quarantäne sein soll.

          In sozialen Medien macht sich Unmut über den Umgang der Behörden mit dem Virus Luft. Nach dem Instagram-Post einer jungen Frau über „unhygienische“ Zustände in einem Moskauer Krankenhaus, wo sie mit einem später als erkrankt identifizierten Italien-Rückkehrer untergebracht war, werden Verdachtsfälle jetzt in einem neuen Krankenhaus nahe Moskau untergebracht. Präsident Wladimir Putin beklagte am Mittwoch Falschmitteilungen über eine angebliche Verschleierung des Ausmaßes der Erkrankungen: Der Geheimdienst FSB habe ihm erklärt, diese „Provokationen“ würden „aus dem Ausland organisiert“, um Panik zu schüren. Doch werden mittlerweile Großveranstaltungen abgesagt.

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