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Moscheenstreit in New York : Die wachsende Furcht der Amerikaner

  • -Aktualisiert am

Blick von oben: Moschee-Gegner vergleichen Ground Zero mit Srebrenica und Auschwitz Bild: dpa

Im Streit über die geplante Moschee in unmittelbarer Nähe des „Ground Zero“ in New York hegen die Amerikaner ambivalente Gefühle: Eine Mehrheit der Bevölkerung sieht die Muslime im Recht - und wünscht sich trotzdem, sie würden auf ihr Gotteshaus verzichten.

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          Der 11. September wird immer ein bedrückender Tag für die Amerikaner bleiben. Seit den Terroranschlägen von New York und Washington ist das Datum „9/11“ Jahr um Jahr ein Tag der gemeinsamen Trauer um die fast 3000 Opfer. Dieses Jahr ist die Stimmung in den Vereinigten Staaten vor dem Jahrestag aber gespannt: Das muslimische Fest Eid al Fitr, das Fastenbrechen nach dem heiligen Monat Ramadan, liegt dieses Jahr in unmittelbarer Nähe des 11. September. Hinzu kommt der Streit über den geplanten Bau eines islamischen Gemeindezentrums einschließlich Schwimmbad, Konferenzraum und Moschee in unmittelbarer Nähe jenes Ortes, an dem einst die Zwillingstürme des World Trade Centers standen und wo heute noch immer eine städtebauliche Wunde im Süden Manhattans klafft.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der Konflikt über die Moschee bei Ground Zero ist neben der Rezession zum wichtigsten Thema der Wahlkampagne vor den Kongresswahlen vom 2. November geworden. Es sind nicht nur rechte Republikaner, die sich gegen den Bau der Moschee gerade an diesem Ort aussprechen. Am Dienstag ließ auch Senator Harry Reid aus Nevada, Mehrheitsführer der Demokraten in der kleineren Kongresskammer, durch seinen Sprecher mitteilen, er lehne den Bau des muslimischen Gotteshauses und Gemeindezentrums nahe Ground Zero ab. Zugleich bekräftigte Reid, selbstverständlich respektiere auch er das Verfassungsrecht der Religionsfreiheit; nur solle eben die geplante Moschee in Lower Manhattan „an einem anderen Ort errichtet werden“.

          Die Position von Präsident Barack Obama ist weniger klar. Bei einer Ansprache zum traditionellen Iftar-Dinner im Weißen Haus hatte Obama am Freitag zunächst gesagt, „als Bürger und als Präsident“ glaube er, „dass Muslime dasselbe Recht wie alle anderen in diesem Land haben, ihre Religion auszuüben“. Dies schließe „das Recht auf den Bau eines Gotteshauses und eines Gemeindezentrums auf einem Privatgrundstück in Lower Manhattan ein“. Die weithin als Unterstützung des Weißen Hauses für den umstrittenen muslimischen Sakralbau verstandene Äußerung wurde von vielen Muslimen und zumal von den Initiatoren des Projekts enthusiastisch begrüßt, rief bei Gegnern des Moscheebaus nahe Ground Zero aber heftige Proteste hervor. Daraufhin nahm Obama am Samstag seine Aussage faktisch zurück: Er habe keine Stellung zur „Weisheit der Entscheidung“ bezogen, gerade an diesem Ort die Moschee zu bauen, und werde dies auch künftig nicht tun.

          Ambivalente Äußerungen eines Präsidenten: Barack Obama

          Es schien, als wolle der Präsident mit seinen ambivalenten Äußerungen die ambivalenten Gefühle der meisten Amerikaner in diesem Streit wiedergeben. In Umfragen äußern nämlich etwa 70 Prozent der Amerikaner, dass Muslime zwar grundsätzlich das Recht haben, die Moschee nahe Ground Zero zu errichten; rund 70 Prozent sagen aber auch, dass aus Rücksicht auf die Gefühle der Hinterbliebenen besser ein anderer Ort gewählt werden solle.

          Wachsende Sorge vor dem heimischen Terrorismus

          Gegner des Bauvorhabens, als deren informelle Sprecher sich der frühere republikanische „Sprecher“ im Repräsentantenhaus, Newt Gingrich, und die Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008, Sarah Palin, hervorgetan haben, nennen als Argumente, dass der Vatikan unter Papst Johannes Paul II. 1987 das Karmeliterkloster in der Gedenkstätte Auschwitz habe schließen lassen - aus Rücksicht auf die jüdischen Opfer und nach Protesten von jüdischen Organisationen. Weiter führen sie an, es wäre ebenso verfehlt, eine Kirche in der Nähe der Gedenkstätte von Srebrenica im Osten Bosniens bauen zu wollen, wo im Juli 1995 mehr als 8000 Muslime von serbischen Nationalisten ermordet worden sind. Am Recht der Muslime, die Moschee zu bauen, zweifelt kaum jemand; vielmehr wird weithin appelliert, aus Rücksicht auf die Opfer das Verfassungsrecht auf Religionsfreiheit anderswo wahrzunehmen.

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