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Bluttat in Quebec : Trudeau nennt Moschee-Anschlag Terrorakt

  • Aktualisiert am

Rettungswagen und Reporter an der Absperrung vor dem Islamischen Kulturzentrum in Quebec. Bild: Reuters

Fünf Menschen sterben in Quebec, als zwei Bewaffnete eine Moschee stürmen und auf die Gläubigen schießen. Kanadas Premierminister Trudeau sprach von einem „terroristischen Anschlag gegen Moslems“.

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          Mutmaßliche Terroristen haben während des Abendgebets eine Moschee in der kanadischen Ostküstenmetropole Quebec gestürmt und mehrere Menschen erschossen. Die örtliche Polizei bestätigte, dass es eine Schießerei mit Toten und Verletzten sowie mehrere Festnahmen gegeben habe, nannte aber zunächst keine genauen Zahlen. Der Vorsitzende der Moschee sagte, er sei gebeten worden, fünf Leichen zu identifizieren.

          „Wir verurteilen diesen terroristischen Anschlag auf Moslems in einem Zentrum des Gebetes und der Zuflucht", sagte Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Provinz-Regierungschef Philippe Couillard rief nach der Bluttat zum geschlossenen Einsatz gegen jegliche Gewalt und zur Solidarität mit Muslimen auf.

          Medienberichten zufolge wurden zwei Verdächtige festgenommen. Einen von ihnen hätten die Sicherheitskräfte nach einer Verfolgungsjagd gefasst. Laut der Zeitung „Le Soleil“ war einer der der Festgenommenen mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr bewaffnet. „Die Lage ist unter Kontrolle“, sagte Polizeisprecher David Poitras am späten Abend, nachdem die Sicherheitskräfte mit einem Großaufgebot angerückt waren. „Die Umgebung wurde gesichert, und wir haben alle Gebäude evakuiert.“

          Maskierte Männer sollen „Allahu Akbar“ gerufen haben

          Radio Canada zufolge hielten sich zum Tatzeitpunkt gegen 20 Uhr (Ortszeit) Dutzende Menschen in der Moschee im Viertel Sainte-Foy auf. Ein Augenzeuge sagte dem Sender, zwei maskierte Männer hätten das Gebäude gestürmt und das Feuer auf die Betenden eröffnet, während sie „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) riefen. Auch mehrere Kinder hätten den Angriff miterlebt.

          „Ich verstehe nicht, warum das hier passierte, es ist doch nur eine kleine Moschee in Québec, hier ist nicht Montréal und nicht Toronto“, sagte ein Mann, der den Angriff miterlebt hatte. Dagegen sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP, er und seine Kollegen seien auf eine derartige Tat vorbereitet gewesen, da „so etwas in der ganzen Welt geschieht“. Der Bürgermeister der Stadt, Régis Labeaume, sprach von einer völlig unerklärlichen und unsinnigen Tat.

          Kanada kritisiert Trumps Einreiseverbot

          „Es ist entsetzlich“, sagte der Moschee-Vorsitzende Mohammed Yangui. „Diese Menschen kommen jeden Tag friedlich zum Beten, aber jetzt werden einige von ihnen nie wieder vom Gebet nach Hause zurückkehren. Ich bin schockiert, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich fühle.“ Yangui wies darauf hin, dass seine Moschee in der Vergangenheit schon mehrfach Ziel von Angriffen gewesen sei. Im Juni wurde etwa ein abgetrennter Schweinekopf im Eingangsbereich der Moschee abgelegt. Andere Moscheen im Land wurden mit rassistischen Graffiti bemalt.

          Am Vortag hatte Trudeau als Reaktion auf das von amerikanischem Präsidenten Donald Trump verhängte Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder den Willen seines Landes bekräftigt, weiterhin Flüchtlinge aufzunehmen – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

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