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Attentat auf Geschichtslehrer : Drei weitere Schüler im Mordfall Paty angeklagt

Ein Mann betrachtet Blumen, die vor der Schule „Bois d'Aulne“ zu Ehren des ermordeten Geschichtslehrers Samuel Paty gelegt wurden. Bild: AFP

Es erscheint immer wahrscheinlicher, dass zahlreiche Schüler beim Mord an Samuel Paty Beihilfe geleistet haben. Sie sollen dem Attentäter ihren Geschichtslehrer auf dem Schulhof gezeigt haben.

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          In den Ermittlungen zum Mord an dem französischen Geschichtslehrer Samuel Paty wird die Komplizenschaft etlicher Schüler immer wahrscheinlicher. Gegen drei weitere Schüler im Alter von 13 und 14 Jahren ist ein Strafverfahren wegen „Beihilfe zu einer terroristischen Mordtat“ eingeleitet worden. Das meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den ermittelnden Anti-Terror-Staatsanwalt am Donnerstag.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Kinder waren zu Wochenbeginn in Polizeigewahrsam verhört worden. Sie sollen gestanden haben, dem Attentäter bei der Identifizierung des Lehrers geholfen zu haben. So zeigten sie dem 18 Jahre alten Tschetschenen ihren Lehrer auf dem Schulhof.

          Beihilfe und Verleumdung

          Schon zuvor war gegen zwei Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren ein Strafverfahren wegen „Beihilfe zu einer terroristischen Mordtat“ eingeleitet worden. Sie hatten jeweils 300 und 350 Euro von dem Attentäter bekommen, damit sie ihm den Lehrer zeigen.

          Die Schülerin, die mit ihren Vorwürfen gegen Paty die Hetzkampagne ins Rollen brachte, muss sich wegen Verleumdung verantworten. Das Mädchen hatte an der fraglichen Schulstunde nicht teilgenommen, aber ihrem Vater erzählt, Muslime würden diskriminiert und gezwungen, gotteslästerliche und pornographische Zeichnungen anzusehen. Daraufhin nahm ihr Vater Brahim C. ein Video auf, in dem er andere Eltern anstachelte, sich über Paty zu beschweren.

          Einen Tag nach der Unterrichtsstunde, in der eine Mohammed-Karikatur gezeigt wurde, erstattete Brahim C. mit seiner Tochter Anzeige bei der Polizei gegen den Lehrer. „Das artet zu einem böswilligen Gerücht aus“, schrieb Paty per Mail an seine Lehrerkollegen. Wie das Nachrichtenmagazin „Le Point“ enthüllte, sollte Paty von der Schulaufsicht vorgeladen werden, weil er die Prinzipien der Laizität nicht respektiert habe. Doch dazu kam es nicht mehr: Am 16. Oktober wurde Paty in unmittelbarer Nähe der Schule in Conflans-Sainte-Honorine von einem radikalisierten Islamisten enthauptet.

          Gegen vierzehn Personen laufen mittlerweile Strafverfahren, unter ihnen auch der Vater Brahim C., der in Untersuchungshaft sitzt. Auch der als Hassprediger bekannte Abdelhakim S., der zusammen mit dem Vater die Schulleiterin bedrohte, muss sich wegen des Verdachts der Beihilfe zu einem terroristischen Mord verantworten.

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