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Verdächtige im Mordfall Nemzow : Die Spur führt nach Tschetschenien

Im Mai vorigen Jahres hatte er in einem Brief an den Leiter des Geheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, gefordert, die Berichte über tschetschenische Kämpfer zu prüfen, welche die Grenze zur Ukraine überquerten und dort in den Reihen der Separatisten kämpften. Mit einer Antwort rechne er nicht, so Nemzow, doch sei auch das Schweigen ein Eingeständnis.

Im Januar 2011 hatte Kadyrow gefordert, Oppositionelle wie Nemzow ins Gefängnis zu schicken, um Unruhen vorzubeugen, woraufhin Nemzow den Tschetschenen als „psychisch schwer krank“ bezeichnete. Bei anderer Gelegenheit hatte er geschrieben, „die Morde an Feinden Kadyrows“ wie der Journalistin Anna Politkowskaja 2006, dem Politiker Jamadajew und der Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa 2009 erschienen als „ein Warmlaufen vor künftigen Schlachten“.

Kadyrow: „Aufgaben, die nur Freiwillige lösen können“

Auch nach den Festnahmen vom Wochenende bleiben viele Fragen offen. Nicht nur die dringlichste nach dem Organisator und Auftraggeber des Mordes. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte eine Quelle aus den Sicherheitskräften mit den Worten, die Version, dass das Verbrechen im Ausland organisiert worden sei, werde „aktiv“ verfolgt. Bortnikow hatte in einem Fernsehauftritt zur Bekanntgabe der ersten beiden Festnahmen hervorgehoben, im Auftrag Putins sei eine gemeinsame Ermittlungsgruppe des FSB, des Innenministeriums und des Ermittlungskomitees gegründet worden. Dennoch wurde vermerkt, dass es unüblich sei, dass der Geheimdienstleiter und nicht etwa das Ermittlungskomitee den Erfolg vermeldete.

Zuletzt war aus den Reihen der Opposition die Vermutung geäußert worden, der FSB sei womöglich an dem Verbrechen beteiligt. Denn Nemzow sei stets, insbesondere aber in den 48 Stunden vor einer geplanten Oppositionsveranstaltung, von Mitarbeitern des Dienstes beschattet worden. Am 1. März, weniger als 48 Stunden nach den tödlichen Schüssen, hätte ein „Antikrisenmarsch“ der Opposition stattfinden sollen. Die Zeitung „Kommersant“ berichtete nun von Mitarbeitern von Sicherheitsbehörden, die „durch ein Zusammentreffen von Umständen“ am Tatort gewesen seien und den Mörder beschrieben hätten.

Ein Anwalt der Familie Nemzows hob hervor, dass sich Bortnikow stets seiner Erfolge im Kampf gegen den islamistischen Untergrund in Russland rühme. Das war auch eine der Ermittlungsrichtungen gewesen, die das Ermittlungskomitee nach dem Mord genannt hatte - in Verbindung mit Nemzows Solidarisierung mit „Charlie Hebdo“. Nun führt die Spur hingegen mitten in den Sicherheitsapparat von Tschetschenien - zu dem Mann, der bei seinem Auftritt im Stadion vor kurzem gesagt hatte, es gebe Aufgaben, „die nur Freiwillige lösen können, und wir werden diese Aufgaben lösen“. Es heißt, dem FSB sei die Machtfülle Kadyrows ein Dorn im Auge.

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