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Mordattacke in San Bernardino : Wer war Syed Farook?

  • Aktualisiert am

Der Führerschein des Angreifers von San Bernadino, Syed Farook Bild: Reuters

Der mutmaßliche Todesschütze von San Bernardino hat laut Bekannten jeden Tag in der Moschee gebetet. Auffällig war er nicht. Doch vor wenigen Wochen änderte Farook sein Verhalten. Die tödliche Schießerei sei „eindeutig geplant“ worden, glauben die Ermittler.

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          Nach der Schießerei mit 14 Toten in Kalifornien rätselt das Umfeld des mutmaßlichen Schützen über das Motiv der Tat. Wie die „New York Times“ berichtet, hält das FBI einen terroristischen Hintergrund des Falls für möglich. Die Ermittler stützen sich demnach auf das umfangreiche Waffenarsenal des von der Polizei getöteten Verdächtigen Syed Farook und seiner Ehefrau Tashfeen Malik, ihre jüngsten Reisen in den Mittleren Osten und die Tatsache, dass einer von beiden Kontakt mit islamistischen Kreisen in Kontakt gewesen sei. „Wir kennen das Motiv noch nicht, aber zum jetzigen Zeitpunkt können wir nichts ausschließen“, zitiert die Zeitung den verantwortlichen FBI-Ermittler David Bowdich. Die Tat sei eindeutig geplant worden, sagte Bowdich. Die beiden hätten eine „Mission" gehabt. Auch sei das Paar zu weiteren Angriffen fähig und ausgerüstet gewesen, sagte der Polizeichef von San Bernadino, Jarrod Burguan.

          Farook stand offenbar mit Terrorverdächtigen in Kontakt

          Wie die „New York Times“ unter Berufung auf FBI-Kreise schreibt, soll Farook zumindest vor ein paar Jahren Kontakt mit fünf Personen gehabt haben, die vom FBI wegen möglicher terroristischer Aktivitäten überwacht worden seien. Eine Person soll demnach mit der Al-Shabaab-Miliz in Somalia in Verbindung stehen, eine andere mit der islamistischen Nusra-Front. In allen fünf Fällen seien die Untersuchungen allerdings ohne Anklagen abgeschlossen worden.

          Zuvor hatte der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Ermittlerkreise ebenfalls berichtet, dass Farook telefonisch und über soziale Onlinenetzwerke mit Terrorverdächtigen in Kontakt gestanden habe. Offenbar sei er „radikalisiert“ gewesen, andere Motive wie Ärger im Job könnten aber auch zu der Tat beigetragen haben.

          Diese Waffen verwendeten die mutmaßlichen Schützen

          Die „New York Times“ schreibt weiter, FBI-Ermittler hätten bei der Untersuchung von Farooks elektronischen Geräten Belege dafür gefunden, dass er am Tag vor dem Angriff in San Bernadino damit begonnen habe, Daten zu löschen, die auf einen geplanten Angriff hindeuten könnten. „Es ist nicht so, dass er außer sich war und deswegen zurückkam und Daten gelöscht hat“, zitiert die Zeitung einen Ermittler.

          Ein Imam in San Bernardino wies Berichte über einen religiösen Hintergrund der Tat hingegen zurück. „Wir haben keine Anzeichen einer Radikalisierung gesehen“, sagte Mahmood Nadvi von der Al-Uloom-Al-Islamiyah-Gemeinde über Farook.

          Werkzeuge zum Bombenbau sichergestellt

          Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, war Farook in seinem Umfeld bekannt dafür, jeden Tag in der Moschee zu beten. Er habe den Koran auswendig gekonnt. Bekannte berichteten, dass der mutmaßliche Täter nie über Politik oder Probleme bei der Arbeit gesprochen habe. Ein Gemeindemitglied beschrieb den mutmaßlichen Schützen als „ruhig, schüchtern und reserviert“. Er könne sich nicht vorstellen, dass er die Tat aus religiösen Motiven begangen habe, sagte Gasser Shehata. Mehrere Menschen aus seinem Umfeld sagten jedoch aus, dass Farook zuletzt sein Verhalten geändert habe. Laut anderen Moscheebesuchern habe Farook seine Besuche in dem Gotteshaus vor rund drei Wochen abrupt eingestellt.

          Der 28 Jahre alte städtische Angestellte, der bei der Gesundheitsbehörde von San Bernadino arbeitete, hatte am Mittwoch nach Polizeiangaben gemeinsam mit seiner 27 Jahre alten Ehefrau die Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers gestürmt und 14 Menschen erschossen. Wie die „New York Times“ berichtet, sei Farook zuvor allein bei der Feier erschienen und sehr aufgebracht gewesen. Dann habe er die Feier wieder verlassen und sei kurz darauf gemeinsam mit seiner Frau zurückgekehrt und habe zu feuern begonnen.

          Farook und seine Frau wurden später bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Laut Ermittlern führten Farook und seine Frau mehr als 1600 Schuss Munition mit sich. Im Haus des Paares fanden die Ermittler rund 5000 weitere Schuss Munition und zwölf Rohrbomben. Außerdem wurden Werkzeuge zum Bombenbau sichergestellt.

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