https://www.faz.net/-gpf-136z0

Mord an Menschenrechtlerin : „Schnell und gründlich aufklären“

  • Aktualisiert am

Natalja Estemirowa war am Mittwoch in Grosny entführt worden Bild: AFP

Der Mord an der russischen Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa hat international für Bestürzung gesorgt. Sie galt, ähnlich wie die 2006 getötete Journalistin Anna Politkowskaja, als Kämpferin für die Menschenrechte im Nordkaukasus.

          2 Min.

          Nach dem Mord an der russischen Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa haben Kollegen der Verstorbenen schwere Vorwürfe gegen die kremltreue Regierung in Tschetschenien erhoben. „Ich bin überzeugt, dass hinter diesem Mord die Führung der Teilrepublik Tschetschenien steht“, sagte Oleg Orlow, der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Memorial, für die Estemirowa gearbeitet hatte. Die Bluttat vom Mittwoch sorgte weltweit für Entsetzen.

          Die Ermordung der 50 Jahre alten Estemirowas und die Lage der Menschenrechte in Russland dürfte auch ein Thema beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Kremlchef Dmitrij Medwedjew an diesem Donnerstag im Schloß Schleißheim in der Nähe von München.

          „Feige Tat“

          Das Europaparlament in Straßburg hielt am Donnerstag eine Schweigeminute zu Ehren der Ermordeten ab. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte „diese feige Tat auf das Schärfste“ verurteilt. Die jüngsten Mordfälle werfen „ein Schlaglicht auf die innere Entwicklung Russlands“, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gert Weisskirchen, dem Radiosender NDR Info. In Russland fürchten Freunde der Ermordeten, dass das Verbrechen wie schon frühere Morde an Bürgerrechtlern unaufgeklärt bleibt.

          Memorial-Chef Orlow sagte, der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow habe Estemirowas Aufklärungsarbeit in der Vergangenheit scharf kritisiert und sie massiv bedroht. „Ich weiß nicht, ob Ramsan Kadyrow persönlich den Mordauftrag gegeben hat oder ob es einer seiner Untergebenen war“, so Orlow. Kadyrow bestritt dies und erklärte, das Verbrechen sei auch ein Anschlag auf den Frieden in Tschetschenien. Der Nordkaukasus leidet seit langem unter dem Dauerkonflikt zwischen islamistischen Rebellen und der Staatsmacht.

          Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft forderte die russischen Behörden auf, den Mord „schnell und gründlich aufzuklären“ und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. „Der Mord an Natalja Estemirowa im Nordkaukasus richtet die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit, Menschenrechtler in Russland zu schützen“, hieß es in der in der Nacht auf Donnerstag veröffentlichten EU-Erklärung weiter. Kremlchef Medwedew hatte das Verbrechen verurteilt und als Motiv für die Tat ihre Tätigkeit als Menschenrechtlerin vermutet.

          Estemirowa hatte ähnlich wie die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja Informationen über Morde, Folter und Entführungen in Tschetschenien zusammengetragen und veröffentlicht. In ihren Berichten wurde immer wieder die Staatsmacht verantwortlich gemacht.

          Estemirowa war am Mittwoch von Unbekannten in Tschetschenien entführt und Stunden später erschossen in der Nachbarrepublik Inguschetien gefunden worden.
          Estemirowas Material hatten neben Politkowskaja auch der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastassija Baburowa genutzt. Beide waren im Januar gemeinsam auf offener Straße in Moskau erschossen worden. Das Verbrechen wurde ebenso wie der Fall Politkowskaja bis heute nicht aufgeklärt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.