https://www.faz.net/-gpf-8v2sc

Nach Mord an Kim Jong-nam : Malaysia bestellt nordkoreanischen Botschafter ein

  • Aktualisiert am

Fiel schon zu Kim Jong-ils Regierungszeiten in Ungnade: der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, Kim Jong-nam. Bild: AP

Der Streit spitzt sich zu: Der Botschafter Pjöngjangs wirft der malaysischen Regierung vor, mit ausländischen Mächten zu kooperieren. Er äußert außerdem Zweifel an der Identität des Toten.

          2 Min.

          Der Tod des älteren Halbbruders des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un hat eine diplomatische Krise zwischen Malaysia und Nordkorea ausgelöst. Eine Woche nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf Kim Jong-nam im Flughafen von Kuala Lumpur bestellte das malaysische Außenministerium am Montag den nordkoreanischen Botschafter ein und berief den eigenen Botschafter aus Pjöngjang zu Konsultationen zurück in seine Heimat.

          Unterdessen wurde ein erstes Überwachungsvideo von dem eigentlichen Angriff auf Kim Jong-nam vor einer Woche am Flughafen von Kuala Lumpur veröffentlicht. Der japanische Fernsehsender Fuji TV zeigte die Aufnahme, auf der ein Mann zu sehen ist, der den Flughafen betritt und auf eine Anzeigetafel schaut. Kurz darauf nähern sich ihm zwei Frauen. Eine fasst mit ihren Händen von hinten um seinen Kopf herum, bevor die beiden sich entfernen. Die Echtheit des Videos wurde von offizieller Seite bisher nicht bestätigt.

          Das Außenministerium in Kuala Lumpur teilte mit, dem nordkoreanischen Botschafter Kang Chol sei erklärt worden, dass seine Anschuldigungen gegen Malaysia „grundlos“ seien. Kang hatte Malaysia am Freitag vorgeworfen, mit seinen Ermittlungen zum Tod von Kim Jong-nam in einer Verschwörung mit „feindlichen Mächten“ den Ruf Nordkoreas schädigen zu wollen. Daraufhin sei ihm erklärt worden, dass die malaysische Regierung verpflichtet sei, die Umstände des „Todes unter mysteriösen Umständen auf malaysischem Boden“ zu ermitteln.

          „Im Moment können wir den Ermittlungen der malaysischen Polizei nicht vertrauen“, sagte der nordkoreanische Botschafter nach seinem 90 Minuten langen Besuch im Außenamt. Die Todesursache sei noch nicht festgestellt worden und auch die Identität des Toten stehe noch nicht endgültig fest. Pjöngjang lehnt die Obduktion in Malaysia ab und fordert die sofortige Herausgabe der Leiche. Malaysia will die aber erst freigeben, wenn Nordkorea DNA-Proben von Kims Familie bereitstellt.

          Bislang vier Festnahmen

          Nach dem Vorfall richtet sich der Verdacht weiter gegen Nordkorea, dessen Machthaber für brutales Vorgehen bekannt ist. Kim Jong-nam soll am vergangenen Montag auf dem Flughafen mit einer giftigen Substanz besprüht worden sein. Der 45 Jahre alte Sohn des früheren Diktators Kim Jong-il brach daraufhin zusammen und starb kurz darauf auf dem Weg ins Krankenhaus.

          Die Polizei nahm bisher vier Personen in dem Fall fest, die Papiere aus Nordkorea, Malaysia, Indonesien und Vietnam bei sich trugen. Zu ihnen gehören auch die beiden Frauen, die im Verdacht stehen, Kim im Flughafengebäude überfallen zu haben. Bei den Frauen wird spekuliert, dass sie Agentinnen des nordkoreanischen Geheimdienstes sind.

          Südkoreas Regierung bestärkte unterdessen den Vorwurf, dass das kommunistische Regime in Pjöngjang hinter dem Tod Kim Jong-nams stecke. Zur Frage nach den Motiven äußerte Verteidigungsminister Han Min-koo laut der nationalen Nachrichtenagentur vor einem Parlamentsausschuss die Vermutung, der Halbbruder könne eine Bedrohung für die Herrschaft seines Halbbruders Kim Jong-un dargestellt haben.

          Warnsignal an Flüchtlinge und Dissidenten?

          „Der Mord an Kim Jong-nam durch Nordkorea könnte dazu gedient haben, Alternativen zum Regime von Kim Jong-un zu beseitigen“, spekulierte demnach Han. Auch könnte Pjöngjang nach außen ein Warnsignal an „Flüchtlinge und Dissidenten“ aus dem eigenen Land ausgegeben haben.

          Kim Jong-nam – erstgeborener Sohn des früheren Diktators Kim Jong-il – wurde einst als dessen Nachfolger gehandelt. Er fiel jedoch noch zu Lebzeiten von Kim Jong-il in Ungnade. Nach dessen Tod im Dezember 2011 rückte der jüngere Sohn Kim Jong-un an die Spitze des kommunistischen Staates auf. Kim Jong-nam lebte seither die meiste Zeit im Ausland. Mehrfach äußerte er sich kritisch über die Situation in seinem Heimatland, der letzten kommunistischen Dynastie. Als Regimegegner galt er jedoch nicht.

          Weitere Themen

          Gespaltene Erinnerung

          Tschechische Geschichte : Gespaltene Erinnerung

          In der Tschechischen Republik streiten Historiker und Regierung über Geschichtsbilder. Die Leiterin der Gedenkstätte Lidice musste gehen, weil sie auch an eine verratene Jüdin erinnern wollte.

          Der Berliner Mietendeckel Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Der Berliner Mietendeckel

          Am Sonntag tritt der Berliner Mietendeckel in Kraft. Erfahren Sie in diesem Video die Eckpunkte des neuen Gesetzes: Worum geht es beim Mietendeckel, Wie hoch dürfen die Mieten künftig sein, für wen gilt der Mietendeckel und wie sind die Reaktionen auf das neue Gesetz`

          Topmeldungen

          Kunstwerke versteigern : Auktionator für einen Tag

          Teure Kunstwerke zu versteigern kann doch nicht so schwer sein. Das dachte sich zumindest F.A.S.-Redakteur Dennis Kremer. Also hat er es probiert – und ein paar blöde Fehler gemacht.
          Wird Bodo Ramelow doch noch zum Ministerpräsidenten gewählt – und wenn ja, in welchem Wahlgang und mit welchen Stimmen?

          Thüringen : Wie auf dem Basar

          In Erfurt verhandeln Linke, CDU, SPD und Grüne weiter über einen Ausweg aus der Krise. Knackpunkt ist der Zeitpunkt von Neuwahlen: Je länger sie hinausgeschoben werden, umso eher wäre die Union bereit, Ramelow als Regierungschef mitzuwählen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.