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Moldau : Der nächste Konflikt?

  • -Aktualisiert am

Totalitär und militaristisch: Parade im transnistrischen Tiraspol Bild: REUTERS

Die Republik Moldau erinnert angesichts der Krise in der Ukraine an Transnistrien: Nach dem Bürgerkrieg unterstützte Moskau die Sezession der Provinz. Der international nicht anerkannte, totalitäre Ministaat Transnistrien wäre ohne russische Hilfe nicht lebensfähig.

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          „Wir wollen keine ukrainische Geisel sein“, sagte der moldauische Ministerpräsident Iurie Leanca, bevor er im November vorigen Jahres nach Vilnius reiste, um das Assoziationsabkommen mit der EU zu paraphieren. Der damalige ukrainische Präsident Janukowitsch hatte dieses Abkommen kurz vor dem Gipfel der östlichen Partnerschaft unter russischem Druck überraschend abgelehnt und damit eine Dynamik in Gang gesetzt, die den Protest der demokratischen Opposition hervorrief, seinen Sturz bewirkte und zur militärischen Intervention Russlands auf der Krim führte.

          Die gegenwärtigen Ereignisse in der Ukraine erinnern an das Szenario des Bürgerkriegs, der 1992 nach der Auflösung der Sowjetunion und der Entlassung der Republik Moldau in die Unabhängigkeit ausbrach und in die von Russland unterstützte Sezession der Provinz Transnistrien mündete. Zugleich vereiteln sie die Versuche der moldauischen Regierung, die transnistrische Führung für einen konstruktiven Dialog zu gewinnen und sie von den Vorteilen des Handelsabkommens mit der EU zu überzeugen.

          Von den rund vier Millionen Bürgern der Republik Moldau leben 3,6 Millionen auf dem westlichen Ufer des Dnjestr. Dieses Gebiet, früher Bessarabien genannt, ist vorwiegend von Moldauern bewohnt, die Rumänisch sprechen. Es gehörte zum Osmanischen Reich, ging 1812 an den Zaren und wurde nach dem Zerfall des Russischen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg mit Rumänien vereinigt. 1939 kam es infolge des Hitler-Stalin-Paktes an die Sowjetunion, ging 1941 wieder an Rumänien zurück und wurde 1944 abermals von der Sowjetunion annektiert. Transnistrien hingegen, der schmale Streifen auf dem östlichen Ufer des Dnjestr, gehörte nie zu Rumänien, sondern wurde von Stalin von der Ukraine getrennt und der moldauischen Sowjetrepublik zugeteilt.

          Bild: F.A.Z.

          Die transnistrische Bevölkerung setzt sich zu etwa je einem Drittel aus Ukrainern, Russen und Moldauern zusammen. Eine die unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Sprachen übergreifende moldauische Identität hat sich zu sowjetischen Zeiten nicht durchgesetzt. Als die Sowjetunion zerfiel und sich die Republik Moldau für unabhängig erklärte, befürchteten die Ukrainer und Russen, ihre bisherige privilegierte Stellung zu verlieren. Der daraus resultierende nationale Konflikt mit der Rumänisch sprechenden Bevölkerungsmehrheit wurde von Moskau benützt, um unter dem Vorwand, die Interessen russischer Bürger zu schützen, die Kontrolle über einen Teil der Republik wiederzuerlangen. Der Bürgerkrieg im Sommer 1992, bei dem auf beiden Seiten mehr als tausend Menschen ums Leben kamen, endete mit einem von Moskau vermittelten Waffenstillstand.

          Nicht eindeutig proeuropäisch

          Seither herrscht diesseits und jenseits des Dnjestr weder Krieg noch Frieden. Mehr als zwanzig Jahre lang war der Konflikt eingefroren, ähnlich den vergleichbaren postsowjetischen Konflikten in Georgien um die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien. Anders als Georgien grenzt die Republik Moldau jedoch nicht an Russland, was den direkten Zugriff Moskaus auf die Krisenregion erschwert. Mit einer einigermaßen stabilen und zumindest neutralen Ukraine als großem Puffer im Osten und gestärkt durch die westlichen Bestrebungen, an der Ostgrenze der EU endlich sichere Verhältnisse zu schaffen, rechnete man in der moldauischen Hauptstadt Chişinau nach der Unterzeichnung des Assoziationsabkommens damit, Schritt für Schritt auch das transnistrische Problem lösen zu können.

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