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Mohammed-Schmähvideo : Schauspielerin verklagt Produzenten

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Der in Kalifornien lebende Nakoula Basseley Nakoula war am 15. September von Polizei verhört worden; inzwischen soll er gemeinsam mit seiner Familie untergetaucht sein Bild: REUTERS

Schauspielerin Cindy Lee Garcia klagt gegen den mutmaßlichen Produzenten des Mohammed-Schmähvideos. Sie habe von einem religiösen Kontext des Films nichts gewusst, der Prophet sei im Drehbuch nicht erwähnt worden. Auch Kläger in Israel fordern Google auf, das Video zu blockieren.

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          Eine Schauspielerin aus dem Mohammed-Schmähvideo hat dessen mutmaßlichen Produzenten wegen Rufmord und Betrug verklagt. Cindy Lee Garcia forderte zudem Google auf, den Film nicht mehr anzuzeigen. „Dieser Film ist gemein und verwerflich“, hieß es in Garcias Klageschrift, die am Mittwoch in Los Angeles eingereicht wurde. Am Donnerstag wollten ihre Anwälte eine Einstweilige Verfügung gegen den Film erwirken.

          Der mutmaßliche Filmproduzent Nakoula Basseley Nakoula habe ihr gegenüber behauptet, er arbeite an einem Abenteuerfilm mit dem Titel „Desert Warriors“ (Wüstenkrieger), der im alten Ägypten spielen solle. Sie hat angeblich weder von einem religiösen Kontext noch von Sexszenen gewusst. In den Seiten des Drehbuches, die sie erhalten habe, sei der Prophet Mohammed nicht erwähnt worden. Teile des Dialogs seien später durch anti-islamische Inhalte ersetzt worden. Garcia erhält den Angaben zufolge Todesdrohungen, seitdem der etwa 14 Minuten lange Trailer des Schmähfilms im Internet Aufsehen erregte.

          Obama: „Dubioser Typ“

          Google weigerte sich, den Film aus dem Internet zu nehmen. Youtube, die Videoplattform des Konzerns, teilte mit, sie wolle Garcias Beschwerde nun prüfen. Zuvor hatte Youtube das Video in Libyen, Ägypten, Saudi-Arabien, Indonesien und Indien gesperrt. Der Anwalt des Filmemachers Nakoula wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama bezeichnete indessen den Macher des Schmähfilms am Dienstagabend bei einem Fernsehauftritt als „dubiosen Typen“.

          Auch israelische Muslime haben am Mittwoch Klage bei einem Gericht in Jerusalem wegen des Schmähvideos eingereicht. Die Kläger, zu denen auch der palästinensische Parlamentarier Taleb a-Sana gehöre, wollten Google gerichtlich zwingen, das Video in Israel zu blockieren, berichtete die Zeitung „Jerusalem Post“. Das Video verstoße gegen die israelischen Gesetze, weil es die religiösen Gefühle von Muslimen verletzten und zu Rassismus gegen sie aufstachele, argumentierten die Kläger.

          Klage in Ägypten

          Am Dienstag hatte der ägyptische Generalstaatsanwalt Haftbefehle gegen sieben in den Vereinigten Staaten lebende Kopten erlassen, die an der Produktion und Verbreitung des Films „Die Unschuld der Muslime“ beteiligt gewesen sein sollen. Auch der amerikanische Prediger Terry Jones zählt zu den Angeklagten, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, der nationalen Einheit Ägyptens geschadet, den Islam und den muslimischen Propheten Mohammed beleidigt sowie zum religiösen Hass aufgerufen zu haben, teilte das Büro des Staatsanwalts mit.

          Den Angeklagten, darunter auch Nakoula, droht im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. In ägyptischen Justizkreisen wird jedoch bezweifelt, dass die Vereinigten Staaten einer Auslieferung zustimmen werden. Der in Kalifornien lebende Nakoula ist inzwischen gemeinsam mit seiner Familie untergetaucht.

          Saudi-Arabien erwägt Sperre von Youtube

          Unterdessen ordnete der saudi-arabische König Abdullah die Telekommunikationsbehörde an, alle Webseiten zu sperren, auf denen der Film „Unschuld der Muslime“ zu sehen ist. Der saudi-arabischen Tageszeitung „Arab News“ zufolge forderte die Telekommunikationsbehörde Google auf, alle Links zu dem Film zu sperren. Sollte Google dem nicht nachkommen, würde die von Google betriebene Webseite von Youtube in dem Königreich komplett gesperrt.

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