https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/moegliches-attentat-des-mossads-iranischer-offizier-ermordet-18053083.html

Iranischer Offizier ermordet : Steckt der Mossad dahinter?

Zwei Soldaten der Iranischen Revolutionswächter am 29. April 2022 in Teheran Bild: AP

Israel und Iran greifen sich nicht direkt an, sondern liefern sich einen verdeckten Krieg – wie jetzt bei der Ermordung eines ranghohen Offiziers der Revolutionswächter.

          2 Min.

          Es klang wie nach jedem Attentat gegen einen ranghohen Vertreter der Islamischen Republik Iran. Man werde die Tötung des „großen Märtyrers“ Sajjad Khodaei rächen, sagte Präsident Ebrahim Raisi am Montag. Direkt beschuldigte er „Hände der globalen Arroganz“. Sie hätten am Sonntag gegen vier Uhr nachmittags den Oberst der Revolutionswächter mit fünf Schüssen vor dessen Haus in Teheran getötet. Die beiden Attentäter entkamen auf einem Motorrad. Das Attentat erfolgt in einer für das Regime kritischen Zeit, da Kürzungen von Subventionen seit Wochen landesweit zu Protesten führen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.
          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Khodaei gehörte den Quds-Brigaden an, die für die Einsätze im Ausland verantwortlich sind, insbesondere im Irak und in Syrien. In dieser Spezialeinheit soll er für das Ausspähen von Zielen für Attentate und für deren Durchführung zuständig gewesen sein. Auch wenn die israelische Regierung keine Stellungnahme abgab, hielten es in Israel viele Kommentatoren für wahrscheinlich, dass die Ermordung auf das Konto des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad geht. Darauf deute etwa das Vorgehen der Attentäter hin.

          Revolutionswächter: Spionagering enttarnt

          Die Zeitung „Israel Hayom“ schrieb, das Attentat „scheint die Fortführung des Schattenkrieges zwischen Israel und Iran zu sein“. Das Opfer habe, anders als in früheren Fällen gezielter Tötungen auf iranischem Boden, keine Verbindung zum Atomprogramm des Landes. Als ungewöhnlich wurde auch eingeschätzt, dass die Tat am helllichten Tag stattfand. Eine Schlussfolgerung lautete, der iranischen Führung solle klargemacht werden, dass Israel überall und jederzeit zuschlagen könne, auch innerhalb Irans. Erst vor wenigen Monaten war über einen Angriff auf einen iranischen Drohnenstützpunkt berichtet worden, der von Israel ausgegangen sein soll.

          Am helllichten Tag erschossen: der ranghohe Offizier der Revolutionswächter, Sajjad Khodaei (Handout-Foto der Revolutionswächter)
          Am helllichten Tag erschossen: der ranghohe Offizier der Revolutionswächter, Sajjad Khodaei (Handout-Foto der Revolutionswächter) : Bild: EPA

          Am Sonntag hatte das iranische Staatsfernsehen bekannt gegeben, dass es den Revolutionswächtern gelungen sei, einen israelischen Spionagering aufzudecken, der es darauf angelegt habe, Eigentum zu zerstören, Personen zu entführen und erfundene Geständnisse zu erpressen. Anlass für den Wortlaut dieser Erklärung ist ein Video, das vor wenigen Wochen für Aufsehen gesorgt hat. In dem hatte in Teheran der mutmaßliche Drogenhändler Mansour Rasooli, der den Revolutionswächtern nahestehen soll, Mossad-Agenten geschildert, dass er beauftragt worden sei, mithilfe seiner Kontakte in der europäischen Unterwelt drei Attentate durchzuführen. Es handle sich um einen israelischen Staatsbürger in der Türkei, einen amerikanischen Offizier in Deutschland und einen französischen Journalisten. Der Spionagering habe einen Vorschuss von 150.000 Dollar erhalten. Nach der Erfüllung des Auftrags hätte er eine Million Dollar erhalten sollen.

          Zuletzt war in der Türkei am 14. November 2019 der iranische Dissident Masoud Molawi durch elf Schüsse getötet worden. Er hatte lange am iranischen Cyberprogramm mitgearbeitet, floh aber in die Türkei und gab dort auf seiner Website Geheimnisse des iranischen Rüstungsprogramms preis. Auf Molawi wurden Auftragskiller der Unterwelt angesetzt. Die türkische Justiz verdächtigte zwei iranische Diplomaten als Hintermänner.

          Weitere Themen

          Biden beschwört Einigkeit des Westens

          G-7-Gipfel : Biden beschwört Einigkeit des Westens

          „Wir müssen zusammenstehen“, sagt der US-Präsident vor einem Treffen mit Bundeskanzler Scholz. Großbritannien warnt Frankreich vor einer voreiligen Verhandlungslösung für den Ukrainekrieg mit zu großen Zugeständnissen an Moskau.

          Topmeldungen

          Zweigleisig: Im Hafen von Giurgiulesti (Republik Moldau) haben die Schienen zwei Spurweiten, um Züge aus Ost und West aufnehmen zu können. In den Kesselwaggons befinden sich Benzin und Diesel.

          Krieg und Getreidekrise : Last Exit Moldau

          Der Krieg in der Ukraine bringt viel durcheinander, auch die Transportwege im Südosten Europas. Nicht nur die Grenzarbeiter in Moldau und Rumänien sind überfordert mit der aktuellen Situation.
          Kein finanzielles Fiasko: Laufende Projekte werden noch fertiggebaut, neue Projekte von vielen Wohnungsbauunternehmen jedoch nicht mehr angestoßen.

          Scholz’ Wahlversprechen : Das Ende des Neubaus

          Wegen der stark steigenden Kosten für Material und Kredite rechnen sich Bauvorhaben kaum noch. Die von Bundeskanzler Scholz versprochenen 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rücken so in weite Ferne.
          Scholz und Biden mit Scholz’ Frau Britta Ernst am Sonntag auf Schloss Elmau

          G-7-Gipfel : Biden beschwört Einigkeit des Westens

          „Wir müssen zusammenstehen“, sagt der US-Präsident vor einem Treffen mit Bundeskanzler Scholz. Großbritannien warnt Frankreich vor einer voreiligen Verhandlungslösung für den Ukrainekrieg mit zu großen Zugeständnissen an Moskau.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.