https://www.faz.net/-gpf-7027v

Moçambique : Die Rückkehr der Kolonialherren

  • -Aktualisiert am

Mit Schwung: Moçambiques Hauptstadt Maputo erlebt seit Jahren ein atemberaubendes Wirtschaftswachstum Bild: action press

Seitdem Portugal in der Wirtschaftskrise steckt, wandern nicht mehr Afrikaner aus Moçambique in das Land der einstigen Kolonialmacht aus, sondern Portugiesen in die frühere Kolonie. Willkommen sind die Neuankömmlinge nicht.

          5 Min.

          Von Lissabon aus betrachtet, wirkt Moçambique neuerdings wie das Gelobte Land. „Es gibt einfach keine Arbeit mehr in Portugal“, sagt Pedro Serpa dos Santos und trinkt einen Schluck des bitteren Kaffees, der schmeckt wie daheim. Dos Santos, 40 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, ist einer von geschätzt 120.000 Portugiesen, die inzwischen in Moçambique ihr Glück suchen. Das Straßencafé im Herzen von Maputo, auf dessen Terrasse Pedro dos Santos seine Geschichte erzählt, ist voll von Menschen wie ihm: männlich, überwiegend unter 40 Jahre alt und vor allem: weiß.

          Moçambique boomt, und der Zustrom aus Portugal wirkt wie eine Umkehr der Geschichte. Früher waren es Afrikaner, die angesichts von Krieg und Verfall in den ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola und Moçambique nach Portugal drängten. Heute sind es Portugiesen, die wegen hoher Arbeitslosigkeit und Euro-Krise nach Angola und Moçambique auswandern.

          Keine Sekunde gezögert

          Dabei war Moçambique einst ein schlimmes Pflaster: 1975 hastig von Portugal in die Unabhängigkeit entlassen, kamen von dort lange fast nur Schreckensnachrichten: Bürgerkrieg, Hunger, ganze Landstriche vermint. Nach dem Ende des Bürgerkriegs, der von 1976 bis 1992 dauerte, war das Land vollständig ruiniert. Aber seit sich die siegreiche Befreiungsbewegung Frelimo nach den Wahlen 1994 vom Marxismus-Leninismus lossagte, geht es aufwärts mit Moçambique. Heute wächst die moçambiquanische Wirtschaft mit durchschnittlich sechs Prozent jährlich. Für das laufende Jahr wird sogar ein Wachstum von elf Prozent vorausgesagt. Die lokale Währung, der Metical, hat im vergangenen Jahr um 19 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt. Die Inflation ist von 16,5 Prozent auf acht Prozent gefallen, und Moçambique öffnet sich Investitionen aus der Agrarindustrie, verfügt über Steinkohle, Holz, Bauxit, Gold, Diamanten. Die aufstrebende Tourismusindustrie hat kaum Schwierigkeiten, die makellosen Strände weltweit zu vermarkten.

          Arbeitsmigrant: Pedro dos Santos ist mit seiner Familie aus Portugal nach Moçambique ausgewandert, weil er in seiner von der Wirtschaftskrise erfassten Heimat keine Perspektive mehr sah
          Arbeitsmigrant: Pedro dos Santos ist mit seiner Familie aus Portugal nach Moçambique ausgewandert, weil er in seiner von der Wirtschaftskrise erfassten Heimat keine Perspektive mehr sah : Bild: Thomas Scheen

          Daneben Portugal: 78 Milliarden Euro schwer ist das Hilfsprogramm der anderen Euroländer und des Internationalen Währungsfonds, mit dem seit Mai 2011 versucht wird, die portugiesische Krise abzuwenden. Inzwischen ist dort die Arbeitslosigkeit von 12,5 Prozent im Juli 2011 auf 15 Prozent im Februar 2012 gestiegen. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt sogar 37 Prozent. „Es ist hoffnungslos“, sagt Pedro Serpa dos Santos.

          Pedro arbeitet für eine große portugiesische Baufirma. Früher, sagt er, habe er Projekte im Volumen von 20 Millionen Euro und mehr realisiert. Zum Schluss hat er sich um Zwei-Millionen-Euro-Projekte regelrecht balgen müssen. „Mein Leben in Portugal war nicht schlecht“, sagt er, „aber es gibt einfach keine Perspektive mehr.“ Als das Angebot kam, nach Moçambique zu gehen, um dort eine neue Baufirma aufzubauen, habe er „keine Sekunde“ gezögert. „Reich werde ich in Moçambique nicht. Aber ich muss auch nicht jeden Euro dreimal herumdrehen und vor allem: Das Land ist spannend“, beschreibt dos Santos das neue Lebensgefühl. Portugal hingegen sei ein „Platz zum Resignieren“, sagt er.

          Weitere Themen

          Frankreichs liberales Gewissen

          Jean-Marc Daniel : Frankreichs liberales Gewissen

          Jean-Marc Daniel ist der Mahner unter den französischen Ökonomen, der meist gegen den Staat wettert. Seine Inspiration findet er in den liberalen Ökonomen des 19. Jahrhunderts, bei seinen heutigen Kollegen trifft er auf wenig Gehör.

          Topmeldungen

          Joe Biden spricht vergangenen Samstag vor dem Kapitol.

          Keine Mehrheit im Senat : Bidens Klimaschutz-Agenda steht auf der Kippe

          Der US-Präsident wollte die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten beim globalen Kampf gegen den Klimawandel wiederherstellen. Doch ein Senator mit Verbindungen zur Kohleindustrie könnte schon reichen, um das Projekt scheitern zu lassen.

          Erich von Däniken : Die Außerirdischen sind hier

          Seit sechs Jahrzehnten fahndet Erich von Däniken nach Besuchern aus dem All. Doch bis heute ist ihm kein einziger begegnet. Das macht ihn „himmeltraurig“, lässt ihn aber nicht zweifeln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.