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Mitt Romney : Der Entscheider

  • -Aktualisiert am

Der Herausforderer: Mitt Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung in Massachusetts Bild: dapd

Der Mormone Mitt Romney wird Präsident Obama bei den Wahlen offiziell herausfordern. Lange suchten die rechtskonservativen Stammwähler der Republikaner nach einer Alternative - inzwischen aber hat Romney auch evangelikale Christen und Anhänger der „Tea Party“ auf seiner Seite.

          Schon von Beginn an hatte er als der „unausweichliche Kandidat“ gegolten. Nach dem Rückzug seines schärfsten Konkurrenten Rick Santorum ist Mitt Romney tatsächlich zum republikanischen Herausforderer Präsident Obamas gekürt worden. Die formale Nominierung bleibt zwar dem Parteitag Ende August in Tampa (Florida) vorbehalten. Doch die Konkurrenten Newt Gingrich und Ron Paul haben allenfalls noch eine rechnerische Chance.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dass sich Romney erst etwa zur Halbzeit der Vorwahlsaison, nicht schon im Januar durchsetzen konnte, ist ihm von manchen als politische Schwäche ausgelegt worden: Die Angriffe seiner Konkurrenten hätten ihm nachhaltig Schaden für das Duell mit Obama zugefügt. Romney hält dagegen, eine hart ausgefochtene Vorwahl mache noch jeden Kandidaten stärker: Zuletzt habe Barack Obama von seinen „epischen Schlachten“ gegen Hillary Clinton bei den Vorwahlen der Demokraten von 2008 profitiert.

          Die rechtskonservativen Stammwähler der Republikaner hielten lange Ausschau nach einer Alternative zum gemäßigten Romney - und wurden zunächst bei Gingrich, dann bei Santorum fündig. Umfragen zeigen aber, dass sich inzwischen auch evangelikale Christen und Anhänger der „Tea Party“-Graswurzelbewegung um Romney geschart haben. Bei Vorwahlen müssen die Kandidaten beider Parteien mit ihrem extremen Flügel schlagen. Die Präsidentenwahlen selbst aber werden in der Mitte entschieden, wo die unabhängigen Wechselwähler den Ausschlag geben. Dort ist Romney zu Hause; und er wird für Obama zumal in den umkämpften „Schlachtfeldstaaten“ mit wechselnden Mehrheiten ein gefährlicher Gegner sein.

          Auf die konservative Seite gerückt

          Willard Mitt Romney wurde am 12. März 1947 in Detroit (Michigan) geboren, wo sein Vater zunächst in der Automobilindustrie, später als Gouverneur reüssierte. Romney studierte in Harvard die Rechte und Ökonomie. Er war als Unternehmer einer Investitionsgesellschaft, als Manager der Winterspiele von Salt Lake City 2002 und auch als Gouverneur von Massachusetts von Anfang 2003 bis Januar 2007 erfolgreich. In dem linksliberalen neuenglischen Bundesstaat unterzeichnete Romney 2006 eine Gesundheitsreform, die manche Ähnlichkeit mit Obamas nationaler Gesundheitsreform vom März 2010 aufweist. Er lehnt jedoch „Obamacare“ ab, weil er in der Gesundheitspolitik die 50 Bundesstaaten, nicht Washington entscheiden lassen will.

          Romney entstammt einer bekannten Mormonen-Familie, doch das bei Evangelikalen verbreitete Misstrauen gegen die Glaubensgemeinschaft hat diesmal kaum eine Rolle gespielt. Im Streit um Abtreibung und Homosexuellenehe sowie in der Umweltpolitik ist er auf die konservative Seite gerückt. In der Wirtschaftspolitik fordert er niedrigere Steuern und weniger Regulierung statt staatliche Konjunkturprogramme. In der Außen- und Sicherheitspolitik sind der Einfluss der Neokonservativen und deren Forderung nach einer starken und aktiven amerikanischen Weltmachtpolitik zu erkennen. Romney ist seit 1969 mit seiner Frau Ann verheiratet, mit ihr hat er fünf Söhne und ein Dutzend Enkelkinder.

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