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Neue U-Boote für Frankreich : Mit Atomantrieb und Damenkabinen

Emmanuel Macron hat das neue U-Boot „Suffren“ direkt persönlich inspiziert. Bild: dpa

Die französische Marine bekommt sechs neue nukleargetriebene U-Boote. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron freut sich und hält die Aufrüstung für notwendig. Die deutsche Flotte sieht dagegen alt aus.

          Kurz vor der Militärparade auf den Champs-Elysées anlässlich des französischen Nationalfeiertags am Sonntag hat Emmanuel Macron die marinetechnischen Fähigkeiten seines Landes zelebriert. In der Hafenstadt Cherbourg nahm der Präsident am Freitag an der feierlichen Zeremonie zur Fertigstellung des ersten atomgetriebenen U-Boots der neuen Barracuda-Klasse teil. Mit dem neun Milliarden Euro teuren Projekt will sich Frankreich im kleinen Kreis der atomaren Seemächte neben Amerika, Russland und China behaupten. „Wir leben in einer instabilen Welt. Einsatzfähigkeit ist unabdingbar“, sagte Macron. An die Beschäftigten des Unternehmens „Naval Group“ gerichtet fügte er hinzu: „Sie bauen nicht nur U-Boote, sondern sichern auch unsere Unabhängigkeit!“

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das erste U-Boot der Serie trägt den Namen eines berühmten Kriegsherrn der Meere, des französischen Admirals Pierre André de Suffren, den die Engländer „Admiral Satan“ getauft hatten. Auf die nun fertiggestellte „Suffren“ sollen bis 2029 noch fünf weitere U-Boote der Barracuda-Klasse folgen. Das bestätigte Macron in seiner Rede in Cherbourg. Zuvor hatte es Unsicherheit darüber gegeben, ob im französischen Verteidigungshaushalt genügend Mittel für das Projekt zur Verfügung stehen würden.

          Für die französische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik der nächsten Jahrzehnte sind die 5300 Tonnen schweren U-Boote von großer Bedeutung. Wie Verteidigungsministerin Florence Parly am Freitag sagte, können die Barracudas von hoher See aus Marschflugkörper auf Ziele in 1000 Kilometer Entfernung abfeuern. Erstmals können auch Marine-Soldatinnen mit an Bord, da genügend Kabinenraum für getrennte Schlafeinheiten vorhanden ist. Die französische Marine erlaubt gemischte Mannschaften seit 2014. Die Verteidigungsministerin ließ erkennen, dass Frankreich mit der neuen U-Boot-Kapazität seine Rolle als militärische Führungsmacht in der europäischen Verteidigungszusammenarbeit vertiefen will. Die „Suffren“ hat eine wesentlich größere Reichweite und einen leiseren Antrieb als die Vorgängermodelle. Die Zurschaustellung des von der „Naval Group“ in Zusammenarbeit mit der Atombehörde Commissariat à l’énergie atomique (CEA) entwickelten U-Bootes ist dabei nicht uneigennützig.

          Deutschland hat das Nachsehen

          In der Unternehmensgruppe ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat man noch in Erinnerung, wie Frankreich sich mit einer Variante der Barracuda-U-Boote mit konventionellem Antrieb ein Jahrhundertgeschäft in Australien sicherte und die deutsche Konkurrenz ausstach. Im Februar unterzeichnete der australische Premierminister Scott Morrison das mit umgerechnet etwa 30 Milliarden Euro größte Waffengeschäft in der Geschichte seines Landes. Die mehrheitlich dem französischen Staat gehörende „Naval Group“ wird bis Anfang 2030 zwölf Attack-U-Boote der Barracuda-Klasse für Australien bauen. Daran erinnerte Macron in seiner Rede in Anwesenheit der australischen Verteidigungsministerin Linda Reynolds in Cherbourg. Die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Australien sei nicht nur industriell, vielmehr gebe es eine Sicherheitspartnerschaft beider Länder.

          Das sei auch der Grund, warum Deutschland bei der Auftragsvergabe ins Hintertreffen geriet, heißt es hierzu in Paris. Die Bundesregierung habe Australien keine gleichwertige Partnerschaft anbieten können. Thyssen-Krupps Ruf habe zudem durch die zeitweise nicht einsatzfähige U-Boot-Flotte der deutschen Marine gelitten. Macron feierte am Freitag die Modernisierungsanstrengungen der französischen Streitkräfte, die noch unter seinen Vorgängern eingeleitet wurden. „Die Modernisierung ist nicht nur eine Absicht, sie ist jetzt Tatsache“, sagte Macron.

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