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Mit 88 Migranten an Bord : „Alan Kurdi“ wartet vor Sizilien weiter auf Hafen

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Die „Alan Kurdi“ während der Rettungsaktion am Samstag. Schnellboote unter libyscher Flagge bedrohten Crew und Migranten. Bild: Reuters

Die „Alan Kurdi“ wartet seit Samstag auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Am Dienstag war eigentlich eine Lösung für die Migranten an Bord angekündigt worden. Drei Menschen mussten bereits als medizinische Notfälle abgeholt werden.

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          Das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ wartet vor der sizilianischen Küste mit 88 Bootsmigranten an Bord weiter auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Unterdessen durfte eine junge Frau aus gesundheitlichen Gründen am frühen Morgen das Schiff der deutschen Organisation Sea-Eye verlassen. Am Donnerstagabend war laut Sea-Eye ein bei einem Angriff in Libyen verletzter Mann von Bord evakuiert worden. Die Organisation bezeichnete die derzeitige Situation auf Twitter als „Seeblockade“. Die Bundesregierung bedauerte den Zustand, verwies aber auf die Souveränität des Landes. Die Beweggründe für die bislang noch nicht erfolgte Entscheidung seien aber nicht bekannt. 

          Das Schiff wartet seit sieben Tagen auf Zuweisung eines sicheren Hafens. Der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler kritisierte die italienische Regierung, da sie trotz einer angekündigten Lösung bisher keine Erlaubnis zur Hafeneinfahrt gebe, und sprach von „Zermürbung. „Ist das der sogenannte Kurswechsel der neuen, italienischen Regierung? Eine Lösung zu verkünden und dann sofort Wort zu brechen?“ schrieb Isler auf Twitter.

          Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums betonte, die Bundesregierung sehe die Vereinbarung von Malta weiterhin als großen Erfolg. Dort hatten sich Deutschland, Frankreich, Italien, Malta und Finnland im vergangenen September auf eine Notfallregelung bei der Aufnahme von aus Seenot geretteten Bootsmigranten geeinigt. Mit der Vereinbarung sei „ein neuer Geist“ entstanden, der „möglicherweise dazu führen wird, dass es künftig besser laufen wird“. Es sei aber zu erwarten gewesen, dass es nicht sofort reibungslos laufe. Deutschland stehe zu seinem Wort, sich an der Aufnahme der Menschen zu beteiligen.

          Die italienische Rettungsleitstelle habe auf Nachfrage mitgeteilt, dass sie keine Informationen über entsprechende Verteilungslösungen habe, erklärte Sea-Eye am Donnerstag. Das Auswärtige Amt und die EU-Kommission hätten der Organisation jedoch bestätigt, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf der Innenministerkonferenz in München am Dienstag verkündet habe, es gebe eine politische Lösung für die Menschen.

          Die „Alan Kurdi“ hatte am Samstag aus einem havarierten Schlauchboot 91 Menschen aufgenommen. Dabei war die Crew von Schnellbooten der libyschen Küstenwache bedrängt worden, deren Besatzung auch Warnschüsse abgab. Eine schwangere Frau aus Nigeria, die den Angaben zufolge unter Blutungen litt, war bereits am Sonntag von der italienischen Küstenwache nach Lampedusa gebracht worden.

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