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Mißhandlungen im Irak : Schreie, Isolierung, Streß

  • Aktualisiert am

Rumsfeld billigte umstrittene Verhörmethoden Bild: dpa/dpaweb

Das Weiße Haus hat die von der amerikanischen Regierung zeitweise erlaubten Methoden zum Verhör der Gefangenen in Guantánamo aufgelistet, darunter Einschüchterung durch Hunde und 20 Stunden lange Verhöre.

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          Als Reaktion auf den Folter-Skandal im Irak hat die amerikanische Regierung mit der Veröffentlichung von Dokumenten Anschuldigungen zu entkräften gesucht, sie habe die Mißhandlung von Gefangenen geduldet.

          Aus den am Dienstag in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Memorandum geht allerdings auch hervor, daß Verteidigungsminister Rumsfeld im Dezember 2002 für den amerikanischen Militärstützpunkt Guantánamo Bay auf Drängen von Führungskräften sein Einverständnis für bestimmte Verhörmethoden gab, das er allerdings Mitte Januar 2003 wieder zurückzog.

          Die erlaubten Methoden im einzelnen

          - Schreie (nicht direkt ins Ohr)

          - Täuschung (etwa durch Mithäftling)

          - Isolierung von anderen Gefangenen

          - Verhör an einem anderen als dem gewohnten Ort

          - Entzug von Licht

          - Streß (etwa Befragung durch weibliche Agentin)

          - Beschlagnahmung aller persönlichen Gegenstände, auch der religiösen

          - bis zu zwanzigstündige Verhöre

          - Abgepackte Armeenahrung statt warmer Mahlzeiten

          - Obligatorische Rasur von Gesicht und Kopf (auch aus hygienischen Gründen)

          - Verwendung falscher Dokumente oder Berichte

          Weitere Methoden, die Verteidigungsminister Rumsfeld billigte, die aber angeblich nicht angewandt wurden

          - Gefangene bis zu vier Stunden in körperlich belastende Positionen
          zwingen (zum Beispiel Stehen)

          - bis zu 30 Tage Isolationshaft (mußte gemeldet werden)

          - Gleichzeitiger Entzug von Licht und Geräuschen

          - Ausziehen von Gefangenen

          - Verhüllen vom Kopf eines Häftlings bei Verhör und Transport

          - Angst einjagen (zum Beispiel durch Hunde)

          - „leichter köperlicher Kontakt“ mit dem Gefangenen ohne Verletzung

          Nach einer Überprüfung der Verhörmethoden erlaubte Rumsfeld im April 2003 24 Techniken, von denen noch sieben im Handbuch der Armee stehen. Bei vier von ihnen muß der Verteidigungsminister vor der Anwendung informiert werden, um gegebenenfalls sein Veto einlegen zu können.

          Dies sind nach Angaben eines Pentagonvertreters:

          - Abwechseln von Belohnung und Bestrafung

          - Spiel mit Stolz und „Ego“ des Gefangenen

          - Verhör durch zwei Polizisten, wobei einer den „Guten“, der andere den „Bösen“ mimt

          - Isolierung

          Genfer Konvention eingeschränkt

          Zu den vom Weißen Haus veröffentlichten Regierungsdokumenten zum Umgang mit Gefangenen in Afghanistan und im Lager Guantánamo auf Kuba gehörte auch eine von Bush am 7. Februar 2002 unterzeichnete Anweisung. Darin wies er darauf hin, daß für festgenommene Taliban in Afghanistan nicht die Genfer Konventionen gälten, diese aber menschlich zu behandeln seien.

          Nach Angaben des Chefs der Rechtsabteilung des Weißen Hauses, Alberto Gonzales, handelt es sich um die einzige Direktive des Präsidenten zum Umgang mit Gefangenen.

          Die Vereinigten Staaten seien im Irak entschlossen gewesen, die Genfer Konvention zum Umgang mit Kriegsgefangenen einzuhalten, sagte Gonzales. Daher seien die Mißhandlungen im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad illegal gewesen.

          Bush betonte am Dienstag, Amerika habe „keine Folter gerechtfertigt“. Er selbst habe niemals Folter angeordnet und werde es auch nie tun, sagte der Präsident in Washington.

          Noch 600 Kämpfer in Guantánamo

          In dem amerikanischen Stützpunkt Guantánamo Bay werden derzeit noch rund 600 mutmaßliche Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer festgehalten. Die meisten von ihnen wurden Ende 2001 in Afghanistan gefangen genommen. Washington sieht sie als feindliche Kombattanten an und nicht als Kriegsgefangene gemäß der Genfer Konvention.

          Die Bilder von den Mißhandlungen in Abu Ghraib hatten auf der ganzen Welt zu Protesten geführt und die Glaubwürdigkeit der Amerikas vor allem in islamischen Ländern geschwächt. Die Bilder zeigten auch Techniken, die in Guantánamo laut den am Dienstag veröffentlichten Regierungsdokumenten zumindest zeitweise erlaubt waren, so den Einsatz von Hunden zur Einschüchterung von Gefangenen.

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