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Mißhandlungen im Irak : Amerikanische Soldatin angeklagt

  • Aktualisiert am

Die 21jährige Lynndie England ist durch die Fotos, die sie mit mißhandelten, gedemütigten Irakern zeigen, zur bekanntesten Soldatin Amerikas geworden. Nun hat man sie unter anderem wegen Körperverletzung angeklagt.

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          Eine amerikanische Soldatin ist nach Militärangaben wegen Mißhandlung irakischer Häftlinge im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad angeklagt worden.

          Die 21jährige Lynndie England war auf Fotos zu sehen, durch deren Veröffentlichung in der vergangenen Woche die Mißhandlungen bekannt wurden. Die Bilder hatten die Soldatin unter anderem gezeigt, wie sie einen nackten Gefangenen wie einen Hund an einer Leine hielt.

          Eine andere, ebenfalls auf den veröffentlichten Fotos zu sehende amerikanische Soldatin wurde von der „Washington Post“ mit den Worten zitiert, sie hätten den Auftrag gehabt, den irakischen Gefangenen das Leben „Zur Hölle“ zu machen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat die politische Verantwortung für die Mißhandlungen übernommen und sich bei den Opfern entschuldigt.

          Rüge oder Arrest

          Die Soldatin England sei unter anderem angeklagt wegen Verschwörung zur Mißhandlung Gefangener, mehrfacher Körperverletzung und Verstoßes gegen Ordnung und Disziplin, teilten am Freitag Vertreter des Militärstützpunktes in Fort Bragg in North Carolina mit. Dorthin war die Soldatin nach ihrem Einsatz im Irak beordert worden. England gehört der 372. Kompanie der Militärpolizei an. Sie befindet sich den Angaben zufolge nicht in Gewahrsam und leistet ihren Dienst in dem Stützpunkt. Sollte sie von einem Militärgericht schuldig gesprochen werden, drohen ihr eine Rüge, Soldeinbußen, Arrest und eine Geldstrafe.

          Die Militärpolizistin Sabrina Harman schrieb der „Washington Post“ in einem Interview per E-Mail, die Häftlingen seien ihrer Gruppe von Angehörigen des Militärgeheimdienstes oder von zivilen Verhörspezialisten mit der Vorgabe übergeben worden, sie für die Verhöre weich zu machen. Sie seien schon mit Kapuzen und gefesselt zur Militärpolizei gebracht worden. „Die Aufgabe der MP (Militärpolizei) war es, sie wach zu halten, ihnen die Hölle zu bereiten, um sie zum Sprechen zu bringen", schrieb Harman dem Blatt zufolge.

          Stundenlang stehen oder knien

          Die Gefangene in Abu Ghraib seien ausgezogen und durchsucht wurden und „mußten dann stundenlang stehen oder knien". Manchmal seien sie gezwungen worden, auf Kisten zu stehen, Kisten zu halten oder Übungen zu machen, damit sie ermüden. Die Person, die sie gebracht habe, habe auch festgelegt, ob man zu den Gefangenen „nett sein“ sollte oder nicht. Harman ist laut „Washington Post“ auf einem Foto mit nackten Häftlingen zu sehen, die sich zu einer Pyramide auftürmen mußten.

          Das Rote Kreuz widersprach amerikanischen Darstellungen, daß es sich bei den bekannt gewordenen Mißhandlungen um Einzelfälle gehandelt habe. Sie seien so weit verbreitet, daß sie möglicherweise von der Besatzungsarmee geduldet worden seien, heißt es in einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Der Einsatz von Mißhandlungen gehe weit über Ausnahmefälle hinaus. Das lege den Schluß nahe, daß es sich um eine „tolerierte Praxis“ der amerikanisch geführten Koalition im Irak handele.

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