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Missbrauchsskandal in England : Komplettes Versagen bei allen Beteiligten

Kultur des Wegsehens: Straßenszene aus Rotherham Bild: Reuters

Jahrelang wurden in der englischen Stadt Rotherham Kinder von Pädophilen missbraucht - die Polizei unternahm nichts. Nach dem Rücktritt des Stadtrats gesteht jetzt auch die Labour-Partei Versäumnisse ein.

          Einen Tag nach dem Rücktritt des gesamten Stadtrats von Rotherham hat die Labour Party erstmals Fehler im Umgang mit dem örtlichen Missbrauchsskandal eingestanden. Man habe versucht, die Opferhilfe zu verbessern, sei aber „nicht in der Lage gewesen, ausreichend und schnell genug zu handeln”, hieß es in einer Mitteilung des örtlichen Parteiverbands.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Am Tag zuvor war der Labour-geführten Stadtregierung von der Gutachterin Louise Casey bescheinigt worden, „ihrer Aufgabe nicht gewachsen zu sein”. Die Regierung in London hatte von einem „kompletten Versagen” einer „dysfunktionalen” Lokalverwaltung gesprochen und eine kommissarische Vertretung nach Rotherham geschickt, die bis zu Neuwahlen des Stadtrats im Amt bleiben soll.

          „Kultur des Einschüchterns und des Sexismus“

          Der Casey-Bericht bestätigte vorangegangene Untersuchungen, denen zufolge städtische Beamte, Polizisten und Lokalpolitiker trotz ausreichender Informationen nichts gegen den organisierten Missbrauch minderjähriger Mädchen in der Stadt unternommen haben. Die bislang genannte Zahl der Opfer - 1400 im Zeitraum zwischen 1997 und 2013 – beruht laut Casey auf einer „konservativen Schätzung”.

          Als Grund dafür, dass die in Banden organisierten Täter – überwiegend Pakistaner oder Briten mit pakistanischen Migrationshintergrund – weitgehend unbehelligt blieben, nannte Casey eine „Kultur des Einschüchterns, des Sexismus, der Unterdrückung und einer unangebrachten politische Korrektheit”. Ranghohe Stadtrepräsentanten hätten die Verbrechen schlicht „geleugnet”.

          Die „Times”, die den Skandal im Jahr 2012 an die Öffentlichkeit brachte, identifizierte am Donnerstag zwei Labour-Stadträte mit pakistanischen Wurzeln, die aus Sicht von Stadtbediensteten gezielt „Diskussionen unterdrückt” haben sollen. Am Tag zuvor hatte die Zeitung gemeldet, dass zwei – namentlich nicht genannte - Stadträte und ein Polizist im Verdacht stehen, selber den Sex-Ringen angehört und Mädchen missbraucht zu haben. Eine Spezialeinheit der Polizei habe entsprechende Ermittlungen aufgenommen, berichtete die „Times”.

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