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Missbrauchskonferenz : Echte Tränen im Vatikan

Bischöfe während dem Gipfeltreffen zum Thema Missbrauch im Vatikan Bild: dpa

Am ersten Tag der Missbrauchskonferenz im Vatikan flossen nicht nur Tränen. Auch über das Grundproblem der katholischen Kirche wurde gesprochen: der Mangel einer Rechtskultur. Ein Kommentar.

          Von den beiden Vorträgen am ersten Tag des „Missbrauchs“-Gipfels im Vatikan war der erste der bewegende. In der Person des philippinischen Kardinals Tagle kam ein Repräsentant jener „Kirchen des Südens“ zu Wort, von denen noch bis vor kurzem eher abwiegelnde Stimmen zu hören waren.

          Doch dessen Tränen angesichts des skandalösen Versagens beim Schutz der Schwachen waren ebenso authentisch wie die Schicksale einiger Opfer, mit denen die Teilnehmer per Video konfrontiert wurden. Der Vortrag des maltesischen Erzbischofs Scicluna war dagegen umso trockener – und doch nicht minder bedeutsam.

          Der versierte Kirchenrechtler beschrieb in extenso, dass gerade Bischöfe in der Vergangenheit nicht einmal die kirchlichen Rechtsnormen beachtet hätten, geschweige denn staatliches Recht. Damit ist schon am ersten Tag der entscheidende Faktor identifiziert, der viele Täter im Raum der Kirche sich in Sicherheit wiegen ließ: der eklatante Mangel an Rechtskultur in der katholischen Kirche. Sollte sich daran nichts ändern, werden noch viele Tränen fließen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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