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Missbrauch im Erzbistum Köln : Neue Vorwürfe gegen Woelki und Heße

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Mai 2018 während des Katholikentages in Münster. Bild: dpa

Das Erzbistum Köln soll einen Missbrauchstäter erst vier Jahre nach seinem ersten Geständnis bei der Staatsanwaltschaft angezeigt haben. Woelki und Heße schweigen zu den Vowürfen bislang.

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          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße sehen sich in einem weiteren Fall von sexuellem Missbrauch schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt. Nach Informationen der Zeitung „Bild“ hatte der Priester Josef M. gegenüber der Personalabteilung des Erzbistums im April 2014 und ein weiteres Mal im September 2017 zugegeben, zwischen 1971 und 1996 wiederholt Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts sexuell missbraucht zu haben. Im April 2014 hatte sich ein Priester an das Erzbistum gewandt und berichtet, dass er als Jugendlicher vom 14. bis zum 19. Lebensjahr von Pfarrer M. missbraucht worden sei.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft erfolgte laut „Bild“ jedoch erst im Oktober 2018 von einem Rechtsanwalt aus Woelkis Beraterstab. Auf die Nachfrage der Zeitung, warum nicht unmittelbar nach den Geständnissen des im Januar 2021 verstorbenen M.s gegenüber der Personalabteilung in den Jahren 2014 und 2017 Polizei und Staatsanwaltschaft informiert worden seien, habe Woelki zunächst nicht geantwortet. Die Notwendigkeit einer „erneuten Anhörung“ von M. im Jahr 2017 habe das Erzbistum mit „unzureichender Dokumentation“ des ersten Geständnisses begründet. Bis April 2014 war der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße Generalvikar im Erzbistum Köln.

          Der Staatsanwaltschaft ist kein Verfahren bekannt

          Nach der Emeritierung des Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner leitete Heße bis zur Amtseinführung von Kardinal Woelki im September 2014 als Diözesanadministrator die Geschicke des Erzbistums. Bis 2012 war Heße als Personalchef des Erzbistums federführend mit Missbrauchsfällen befasst und hatte sich in dieser Eigenschaft in mindestens einem schweren Fall evident rechtswidrig verhalten.

          Weiter berichtet „Bild“, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ausweislich der Personalakte des M. im Dezember 2018 eine „Verfolgungsverjährung“ im November 1993 festgestellt habe, obwohl die letzte eingestandene Tat 1996 gewesen sein soll. Auf Nachfrage konnte der Pressesprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft jedoch weder unter dem Namen M. noch unter dem Aktenzeichen, unter dem das Verfahren laut der Personalakte des Erzbistums Köln geführt worden sein soll, Woelkis Strafanzeige finden.

          Die kirchlichen Sanktionen gegen M. fielen sehr milde aus. Nach Rücksprache Woelkis mit der Glaubenskongregation im Vatikan sei der Priester lediglich angewiesen worden, auf öffentliche Gottesdienste und Kontakt mit Kindern zu verzichten, schreibt „Bild“. Zudem habe er sich mit einem Betrag von 5500 Euro an den Therapiekosten und Zahlungen zur Anerkennung des Leids an die Opfer beteiligen müssen, wie ihm der Kardinal mitgeteilt habe. „Pfarrer M. ist über den Brief des Erzbischofs sehr erleichtert“, zitiert „Bild“ aus der Personalakte des M.

          Das Erzbistum Köln teilte auf Anfrage von „Bild“ kurz vor dem Tod des Priesters mit: „Pfarrer M. ist bereits seit dem 15. September 2002 im Ruhestand und seitdem mit keinen seelsorgerischen Aufgaben betraut.“

          Die kirchlichen Verantwortlichen waren nach Informationen von „Bild“ schon 2002 auf M. aufmerksam geworden. Woelkis Vorgänger Joachim Kardinal Meisner habe den Priester bereits „verwarnt“. In den Akten sei 2003 die Stellungnahme eines Psychiaters vermerkt

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