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Nach Ministertreffen in Neapel : G-20-Staaten uneins beim Klimaschutz

Der italienische Umweltminister Roberto Cingolani winkt kurz vor Beginn des G 20-Treffens in Neapel am 23. Juli Bild: dpa

Die EU, die USA, Kanada und Japan streben eine Einigung auf das 1,5-Grad-Ziel bis 2030 an. Länder wie China, Indien, Brasilien und Russland wollen sich darauf nicht verpflichten.

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          Die Umwelt- und Energieminister der G-20-Staaten konnten sich bei ihrem zweitägigen Treffen in Neapel nicht auf ehrgeizigere Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels einigen. Der italienische Umweltminister Roberto Cingolani, Gastgeber des Treffens, konzedierte am Freitagabend zum Abschluss des Treffens der zwanzig maßgeblichen Industrie- und Schwellenländer, dass es bei den entscheidenden zwei Punkten der 60 Paragraphen umfassenden Schlusserklärung keinen Konsens gegeben habe. Italien hat in diesem Jahr den Vorsitz in der G-20-Gruppe und veranstaltet seit Monaten in verschiedenen Städten des Landes die Treffen der Fachminister zur Vorbereitung auf den G-20-Gipfel vom 30. und 31. Oktober in Rom.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Länder wie China, Indien, Brasilien und Russland wollten sich nach Angaben Cingolanis nicht darauf verpflichten, das von der EU, den Vereinigten Staaten, Kanada und Japan angestrebte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung um höchstens 1,5 Grad schon bis 2030 zu erreichen. Stattdessen kam es nur zu einer allgemeinen Willensbekundung der G-20-Staaten zum Pariser Klimaabkommen, welches als Ziel die Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad festsetzt. Auch das Bekenntnis zu einem früheren Ausstieg aus der Kohleverstromung, zu dem die Vereinigten Staaten und die Europäer gedrängt hatten, konnte wegen des Widerstands großer Kohleproduzenten wie Australien und maßgeblicher Kohleimporteure wie China nicht in das Schlussdokument aufgenommen werden.

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          Außerdem scheiterte eine Einigung beim Thema Naturschutz. Nur einige, bei weitem nicht alle Staaten hätten sich dafür ausgesprochen, bis zum Ende dieses Jahrzehnts 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, sagte Cingolani. Die Chefin des UN-Klimasekretariats in Bonn, Patricia Espinosa, mahnte die G-20-Staaten, weil diese für 80 Prozent der Weltwirtschaftsleistung und für 85 Prozent des Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich seien, müssten sich die Länder der Staatengruppe gemeinsam für das Ziel der Reduzierung der Erderwärmung einsetzen. Espinosa forderte, die G-20-Staaten müssten bei der Weltklimakonferenz im November in Glasgow mehr Entschlossenheit zeigen.

          Deutschland wurde in Neapel vom Staatssekretär im Umweltministerium Jochen Flasbarth (SPD) vertreten. Flasbarth sagte, in den Schwellenländern müsse noch viel Überzeugungsarbeit in Sachen Umwelt-, Klima- und Naturschutz geleistet werden. Die Auffassungen in Ländern wie China, Indien oder Russland zur Nutzung fossiler Energieträger unterschieden sich deutlich von jenen in der EU und in den Vereinigten Staaten. Bisher hätten die Schwellenländer ihre Rolle vor allem darin gesehen, die Industrieländer dazu aufzufordern, mehr für den Klimaschutz zu tun. Nun seien die G-20-Staaten aber erstmals „als Verantwortungsgemeinschaft“ aufgetreten und hätten „die Mission formuliert, gemeinsam den Klimawandel zu bekämpfen“, zog Flasbarth ungeachtet des „schwachen“ Schlussdokuments ein positives Fazit des Treffens von Neapel. Außerdem hätten sich alle dazu bekannt, bis zur Weltklimakonferenz in Glasgow ihre nationalen Klimaziele zu überarbeiten.

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