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Nach Angaben Israels : Mindestens zehn ranghohe Kommandeure der Hamas getötet

Israelische Soldaten am 12. Mai nahe der Stadt Sderot während eines Angriffs auf Gaza Bild: AFP

Die israelischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben mindestens zehn ranghohe Kommandeure des militärischen Hamas-Flügels getötet. Für den Abend sind bereits neue Angriffe auf Israel angekündigt.

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          Die israelischen Streitkräfte haben am Mittwoch nach eigenen Angaben mindestens zehn ranghohe Kommandeure des militärischen Hamas-Flügels getötet, die insbesondere auch die Raketenproduktion der Miliz verantwortet haben sollen. „Eine Reihe“ von Angehörigen des „Hamas-Generalstabes“ in der Stadt Khan Younis im Süden des Gazastreifens seien getötet worden, teilte das Militär mit. Diese Personen gehörten zum direkten Umfeld des seit Jahren im Verborgenen lebenden Chefs des Hamas-Militärrats, Muhammad Deif. Deif hatte Israel vergangene Woche in einer seltenen Wortmeldung damit gedroht, Israel werde „einen hohen Preis zahlen“, sollte es zu Zwangsräumungen von Palästinensern im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Jarrah kommen. Seit Montag haben die Hamas und andere Milizen mehr als eintausend Raketen auf Israel gefeuert.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Hamas-Kommandeure wurden an unterschiedlichen Orten, jedoch zur selben Zeit aus der Luft getötet, sagte ein Militärsprecher. Über deren Aufenthaltsort sei Israel in Echtzeit informiert gewesen. Die Operation wurde im Verbund mit dem Inlandsgeheimdienst durchgeführt. Wie der Shin Bet mitteilte, wurde dabei auch Bassam Issa getötet, der seit 2017 der Kommandeur der Qassam-Brigaden für Gaza-Stadt gewesen war. Issa gilt als der seit dem Gazakrieg von 2014 bisher ranghöchste von Israel getötete Kommandeur.

          Tod Issas durch die Qassam-Brigaden bestätigt

          Die Qassam-Brigaden, die den militärischen Arm der Hamas bilden, bestätigten den Tod Issas in einer seltenen Mitteilung. Issa sei mit "einigen" seiner „Brüder und Führer und heiligen Krieger“ getötet worden. „Tausende von Anführern und Soldaten werden in seine Fußstapfen treten“, hieß es in der Mitteilung. Der israelische Geheimdienst nannte Issas Tod einen „schwerwiegenden Schlag gegen die Fähigkeiten der Hamas“.

          Mit Juma Tahla töteten die Streitkräfte zudem den sogenannten Cyberchef der Hamas, der gleichzeitig für Raketenverbesserungen zuständig gewesen sein soll. Tahla sei außerdem die „Rechte Hand“ von Deif gewesen. Weiter wurde Jamal Zebada getötet, der Anführer des Raketenproduktionsnetzwerks der Hamas. Zebada habe in Ingenieurswissenschaft promoviert, Schwerpunkt Aerodynamik, gaben die Dienste bekannt. Ebenfalls getötet wurde Hazzem Hatib, der Chefingenieur und stellvertretende Anführer des Hamas-Produktionsnetzwerkes. Mit Sami Radwan wurde der Chef der technischen Abteilung des militärischen Hamas-Geheimdienstes getötet, mit Walid Smali zudem den Chef der industriellen Ausrüstungsabteilung. Weitere zehn Hamas-Leute der Produktionseinheiten seien ebenfalls getötet worden.

          Die israelischen Sicherheitskräfte sprachen von einer „bahnbrechenden“ und komplexen Operation. Palästinenser verbreiteten ein Foto eines zerstörten Fahrzeuges, in dem sich ein ranghohes Mitglied der Islamisten befunden haben soll. Bereits am Dienstag hatten israelische Sicherheitskräfte mehrere Führungspersonen des Geheimdienstes der Hamas getötet.

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Mittwochnachmittag, die gezielten Tötungen seien „nur der Anfang“. Die Qassam-Brigaden kündigten für den Abend, mutmaßlich als Vergeltung für die Getöteten, neue Raketenangriffe auf Zentralisrael an, wo sich auch Tel Aviv befindet. „In einem seltenen Schritt nahm der Energiekonzern Chevron die Gasplattform des Tamar-Feldes im Mittelmeer vom Netz.“

          Im Gazastreifen sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden bisher mindestens 48 Menschen getötet worden, darunter 14 Kinder. Ein israelischer Militärsprecher sagte, „mindestens dreißig“ Kämpfer seien getötet worden. In Israel wurden bisher sechs Menschen getötet, darunter ein Soldat, dessen Fahrzeug am Mittwoch von einer Panzerabwehrrakete getroffen worden war.

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