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38 Tote in Istanbul : PKK-Splittergruppe bekennt sich zu Anschlag

  • Aktualisiert am

Trauernde tragen die Särge zweier Polizisten, die bei den Anschlägen in Istanbul ums Leben kamen. Bild: Reuters

Die PKK-Splittergruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ hat sich des Anschlags in Istanbul bezichtigt. Ihr Ziel waren Polizisten, 38 Menschen wurden getötet. Präsident Erdogan kündigt eine entschlossene Reaktion an.

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          Die Opferzahl der Anschläge in Istanbul ist auf 38 gestiegen. Wie der türkische Innenminister Süleyman Soylu am Sonntagvormittag mitteilte, wurden bei dem Doppelanschlag auf die Polizei nach einem Fußballspiel im zentralen Stadtteil Besiktas 30 Polizisten, sieben Zivilisten sowie ein Mensch getötet, dessen Identität noch ungeklärt sei. Zudem habe es mehr als hundert Verletzte gegeben, von denen sich 14 auf der Intensivstation befänden.

          Die PKK-Splittergruppe TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) bekannte sich am Sonntag zu den beiden Anschlägen. Damit wollten sie unter anderem auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen, hieß es auf ihrer Website.

          Die türkische Regierung vermutete schon vor Veröffentlichung des Bekennerschreibens eine Täterschaft der PKK. Daran bestehe „kaum ein Zweifel“, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, darauf deute auch der Umstand, dass bei dem Anschlag ein Fahrzeug verwendet wurde. Es seien zwischen 300 und 400 Kilogramm Sprengstoff verwendet worden. „Wo das Auto in die Luft gesprengt wurde, ist ein Graben entstanden, und das Auto gibt es nicht mehr“, so Kurtulmus.

          Erdogan kündigt Vergeltung an

          Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vermied zunächst eine Schuldzuweisung. Er sprach am Sonntag von einem „Terrorakt“, der möglichst viele Opfer verursachen sollte, und kündigte eine entschlossene Reaktion an: „Meine Nation und mein Volk können sich sicher sein: Wir werden die Geißel des Terrorismus bis zum Ende bekämpfen“. Die Attentäter würden „einen hohen Preis zahlen“.

          Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kondolierte in einem Schreiben an ihren türkischen Kollegen: „Mein Gedanken sind mit Ihnen und allen, die unter diesem unmenschlichen Terror leiden.“

          Die erste Bombe wurde nach Angaben Soylus am Samstagabend in der Nähe des Stadions des Fußballclubs Besiktas im gleichnamigen Stadtviertel gezündet. Es habe sich um eine Autobombe gehandelt, die nach ersten Erkenntnissen gegen die Sondereinsatzpolizei gerichtet war. Auf Bildern vom Tatort waren die Leichen von Polizisten sowie Leichensäcke zu sehen.

          Rettungskräfte erreichen den Schauplatz des Bombenanschlags in Istanbul. Bilderstrecke

          Nur 45 Sekunden nach dem ersten Anschlag sprengte sich nach Angaben Soylus ein Selbstmordattentäter im Macka Park neben dem Stadion in die Luft. Auch dieses Attentat sei gegen Polizisten gerichtet gewesen, die die Gegend wegen eines Spiels der Erstligisten Besiktas und Bursaspor abgesichert hatten.

          Das Spiel war etwa eineinhalb Stunden vor der ersten Explosion zu Ende gegangen. Die Zuschauer hatten sich zu dem Zeitpunkt schon zerstreut, es waren jedoch noch viele Polizisten am Ort. Denn das Match zwischen den verfeindeten Mannschaften galt als Hochrisikospiel, bei dem die Polizei Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen verhindern sollte. Ein Reporter sagte dem Sender CNN Türk, an diesem Samstagabend seien besonders viele Polizisten zur Absicherung des Spiels im Einsatz gewesen, weil die Fans von Bursaspor wegen einer Strafe überhaupt das erste Mal seit Jahren wieder zu einem Besiktas-Spiel zugelassen worden waren. Die Behörden sprengten in der Nacht zum Sonntag außerdem ein verdächtiges Fahrzeug in der Nähe des Fußballstadions von Besiktas.

          Die Explosionen waren kilometerweit zu hören. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel und am Wochenende sehr belebt. Die Behörden verhängten eine Nachrichtensperre, die sich aber nicht auf öffentliche Verlautbarungen bezieht.

          Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder deren Splittergruppe TAK verüben in der Türkei immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. Die türkische Armee geht seit Juli vergangenen Jahres in einer Militäroffensive gegen die PKK vor allem im Südosten des Landes vor. Damals war ein Waffenstillstand nach mehr als zwei Jahren gescheitert.

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