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Spanische Exklave : Mindestens 18 Tote bei Ansturm auf Melilla

  • Aktualisiert am

Migranten versuchen am Freitag, von Marokko aus in die spanische Exklave Melilla zu gelangen. Bild: AP

Hunderte Migranten haben versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und Melilla zu überwinden. Die Zahl der Toten hat sich spanischen Medien zufolge über Nacht auf 18 erhöht. Menschen kamen im Gedränge oder durch Stürze vom Zaun ums Leben.

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          Während eines Ansturms von bis zu 2000 Menschen auf den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla sind einem Medienbericht zufolge mindestens 18 Migranten ums Leben gekommen. Das meldeten die spanischen Zeitungen „El País“ und „La Vanguardia“ am späten Freitagabend unter Berufung auf Angaben der Behörden der nahe gelegenen marokkanischen Stadt Nador. Zuvor war von fünf Toten berichtet worden.

          Zudem seien weitere 63 Migranten und etwa 140 marokkanische Polizisten verletzt worden. Hunderte Migranten überwanden Medienberichten zufolge den Grenzzaun im Norden Marokkos. Sie hätten eines der Tore in der Grenzanlage aufgebrochen, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Polizei.

          Das Innenministerium warf den Migranten vor, Gewalt eingesetzt zu haben. Sie stammen demnach aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

          Auf Videobildern im Internet war zu sehen, wie überwiegend junge Männer freudestrahlend, singend und tanzend durch die Straßen rannten. Einige hatten sich bei der Erstürmung der Grenzanlage verletzt, die aus zwei parallelen, sechs Meter hohen Stacheldrahtzäunen besteht.

          Am Vortag waren spanischen Medienberichten zufolge 116 marokkanische Beamte verletzt worden, als sie etwa 500 Migranten von der Grenzanlage fernhalten wollten. Ein Polizist habe auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden müssen.

          Marokko war 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig geworden. Dennoch hält Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Melilla und das 250 Kilometer weiter westlich gelegene Ceuta an der Meerenge von Gibraltar. Beide werden von Rabat beansprucht.

          In der Nähe der beiden Gebiete warten oft Zehntausende Afrikaner vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Chance, in die EU zu gelangen. Meistens versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen und so über die Grenze zu kommen.

          Illegale Einwanderung soll Thema bei NATO-Gipfel werden

          Die spanische Regierung vollzog im März nach langem Streit über Marokkos Westsahara-Politik einen diplomatischen Kurswechsel. Madrid erkannte den marokkanischen Autonomieplan für das umstrittene Gebiet an, der unter anderem vorsieht, der Westsahara eine Autonomie unter marokkanischer Souveränität anzubieten.

          Seitdem wurden etwa Fährverbindungen zwischen Spanien und Marokko wieder aufgenommen und Programme zur polizeilichen Zusammenarbeit unter anderem an den spanischen Exklaven gestartet.

          Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte kürzlich, Madrid werde die „Tragödie illegaler Einwanderung nicht als Druckmittel tolerieren“. Die illegale Einwanderung solle beim NATO-Gipfel Ende Juni als eine Sicherheitsbedrohung an der Südflanke des Bündnisses aufgeführt werden.

          In den vergangenen Jahren haben Tausende Migranten versucht, die zwölf Kilometer lange Grenze zwischen Melilla und Marokko oder die acht Kilometer lange Grenze zwischen Ceuta und Marokko durch das Überklettern von Zäunen, schwimmend oder in Autos versteckt zu überwinden. Die Migranten nehmen bisweilen Haken und Stöcke zur Hilfe, um den Grenzzaun zu überwinden.

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