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Militärschläge in Somalia und Libyen : Kerry: Sie können flüchten, aber nicht entkommen

  • Aktualisiert am

„Sie entkommen uns nicht“: John Kerry in Asien Bild: AP

Washington hat Kommandoaktionen gegen Al Shabaab und Al Qaida bestätigt. In Libyen wurde ein ranghohes Qaida-Mitglied gefasst, die Aktion in Somalia schlug fehl. 

          3 Min.

          Zwei Wochen nach der Geiselnahme von Nairobi haben die Vereinigten Staaten einen Doppelschlag gegen Islamisten in Afrika geführt. Dabei fassten Spezialkräfte der amerikanischen Kriegsmarine in Libyen ein ranghohes Al-Qaida-Mitglied, das 1998 an den Bombenanschlägen auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein soll. Abu Anas al-Libi wurde wegen der Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 international gesucht. Nahezu zeitgleich griff die Eliteeinheit die islamistische Al-Shabaab-Miliz in Somalia an, die zwei Wochen zuvor die blutige Geiselnahme in Nairobi verübt hatte.

          Der in Amerika angeklagte Al-Libi werde vom an einem geheimen Ort außerhalb Libyens gefangen gehalten, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington. Die amerikanische Regierung hatte eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen. Der Sender CNN hatte bereits vor einem Jahr berichtet, Al-Libi sei in Tripolis gesehen worden. Es werde befürchtet, dass er in dem Land einen Ableger von Al Qaida aufbauen solle.

          Abu Anas al Libi, langjährig gesuchter Al-Qaida-Terrorist, ist in Libyen festgenommen worden. Er soll für Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 verantwortlich sein.

          Al-Libi wurde in Tripolis auf dem Heimweg vom Morgengebet vor seinem Haus gefangengenommen. Der amerikanische Außenminister Kerry sagte am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels in Indonesien, die Festnahme Al-Libis zeige die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, die Verantwortlichen für Anschläge festzunehmen. „Sie können flüchten, aber sie entkommen uns nicht.“ Ein Extremist nach dem anderen werde vor Gericht gestellt.

          Die libysche Führung kritisierte die Festnahme Al-Libis. Die offizielle Nachrichtenagentur Lana meldete, die Übergangsregierung verlange wegen der „Entführung“ eines libyschen Staatsbürgers Aufklärung von den amerikanischen Behörden. Zugleich äußerte Tripolis die Hoffnung, dass die strategische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten von diesen Ereignissen nicht beeinflusst werde.

          Aktion in Somalia abgebrochen

          In Somalia griffen die amerikanischen Soldaten in der Nacht zum Samstag das Haus eines ranghohen Führers der Miliz im Süden des Landes an, wie die „New York Times“ unter Berufung auf einen Vertreter der amerikanischen Behörden bestätigte. Ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums bestätigte einen Einsatz, an dem amerikanische Militärs beteiligt gewesen seien. Der Einsatz sei aber fehlgeschlagen, verlautete am Samstag aus Regierungskreisen, die Zeilperson konnte nicht gefasst werden. Nachdem die Soldaten einige radikal-islamische Kämpfer getötet hätten, seien die Marinesoldaten abgezogen, um Opfer unter
          Zivilisten zu vermeiden. Am Vortag hatte Al Shabaab selbst bereits den Angriff westlicher Streitkräfte auf eigene Stellungen gemeldet.

          Vor dem Morgengrauen seien die Spezialkräfte vom Indischen Ozean aus angerückt und hätten im somalischen Küstenort Barawe das Feuer auf die Strandvilla des Shabaab-Anführers eröffnet. Die „New York Times“ berichtete, der Angriff habe länger gedauert als eine Stunde. Die amerikanischen Soldaten seien aus der Luft von Hubschraubern unterstützt worden. Die somalische Führung sei in die Pläne eingeweiht gewesen, zitierte das Blatt einen Vertreter der Regierung in Mogadischu. Nach Informationen aus somalischen Sicherheitskreisen zielte der Einsatz auf einen aus Tschetschenien stammenden Al-Schabaab-Führer.

          Der Angriff sei vor mehr als einer Woche geplant worden als Reaktion auf den Anschlag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die Shabaab-Miliz hatte sich zu dem Angriff auf das dortige Einkaufszentrum Westgate bekannt. Terroristen waren in das Einkaufszentrum eingedrungen und hatten um sich geschossen. Erst nach mehreren Tagen endete die Geiselnahme mit mindestens 67 Toten.

          Kämpfer der Al Shabaab in der Nähe von Mogadishu

          Wie ein amerikanischer Regierungsvertreter der „Washington Post“ sagte, wurden bei dem Einsatz in Barawe mutmaßlich fünf Shabaab-Kämpfer getötet. Auch ein ranghohes Mitglied der Miliz soll getötet worden sein. Ehe die Spezialtruppe dies prüfen konnte, hätte sie sich zurückziehen müssen, sagte ein Regierungsvertreter der „New York Times“. Amerikanische Militärs wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht verletzt.

          Zuvor hatte Al Shabaab britische und türkische Spezialkräfte für den Angriff verantwortlich gemacht und von einem toten und
          mehreren verletzten britischen Soldaten gesprochen. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, nichts von einem derartigen Vorfall zu wissen. Das türkische Außenministerium wies die Beteiligung an einem Angriff zurück.

          Al Shabaab richtet sich gegen Kenia, weil Soldaten des ostafrikanischen Landes sich im Nachbarstaat Somalia an einem Einsatz der Afrikanischen Union gegen die Miliz beteiligen. Somalia leidet seit mehr als zwei Jahrzehnten unter einem blutigen Bürgerkrieg, der in den vergangenen sieben Jahren vor allem zwischen der von afrikanischen Truppen unterstützten schwächlichen Übergangsregierung und den Islamisten ausgetragen wird.

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