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Militäreinsatz in Mali : Hollandes Alleingang

  • -Aktualisiert am

Kampfbereit: Soldaten der radikalen Fraktion der Tuareg-Rebellen „Ansar al Dine“ im Juni 2012 im Nordosten Malis Bild: REUTERS

Frankreich wollte in Mali nicht intervenieren - bis sich Präsident Hollande anders entschied. Womöglich könnten auch deutsche Transall-Maschinen eine afrikanische Eingreiftruppe unterstützen.

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          Innerhalb weniger Stunden hat sich François Hollande vom Zauderer in einen Kriegsherren verwandelt. Als Vorkämpfer gegen den internationalen Terrorismus will er die Gunst der Franzosen zurückerobern. Ganz „Chef der Armee“, wie es die General de Gaulle auf den Leib geschneiderte französische Verfassung vorsieht, entschied er am Freitag im Alleingang über den Auslandseinsatz der französischen Streitkräfte – ohne Rücksprache mit den Volksvertretern. Erst an diesem Montag wird das Parlament informiert.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das entspricht der vorgesehenen Drei-Tages-Frist, fällt aber weit hinter Hollandes Wahlkampfversprechen von einer „transparenten“ Präsidentschaft zurück. Auch deshalb ist der Sozialist jetzt bemüht, die Vereinten Nationen und die malische Staatsführung vorzuschieben, um seine plötzliche Kehrtwende zu rechtfertigen.

          Wochenlang hatte er den auf der französischen Linken beliebten Diskurs bereichert, Frankreich könne nicht länger den Gendarmen in seinem früheren Kolonialreich spielen. Eine direkte militärische Intervention in dem von Zerfall bedrohten westafrikanischen Staat lehnte er ab. „Wir werden nicht intervenieren“, beschwor er in seinen Reden. Frankreich werde lediglich helfen, die afrikanische Einsatztruppe auszubilden und diese logistisch unterstützen. Hollande redete viel über eine „gleichberechtigte Partnerschaft“ mit den afrikanischen Staaten.

          Frankreichs Staatspräsident François Hollande: Vom Zauderer zum Kriegsherrn?

          Im Verteidigungsministerium jedoch wuchs die Nervosität. Von den entsendeten Ausbildern und Geheimdienstagenten kam die Rückmeldung, die versprochenen 3000 Mann der afrikanischen „Partnerstaaten“ seien frühestens im September einsatzbereit, wenn überhaupt. Die verworrene innenpolitische Lage in Malis Hauptstadt Bamako trug weiter dazu bei, dass Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian immer mehr Warn-Memos an den Präsidenten richtete. Die Meldungen von einem Vormarsch der aus libyschen Waffenarsenalen bestens bewaffneten islamistischen Krieger aus dem Norden Richtung Bamako rissen Hollande aus der Unentschlossenheit. Die Operation „Serval“, benannt nach einer Wüstenkatze, wurde aus dem Elysée-Palast gebilligt.

          Schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag landeten die ersten französischen Transportmaschinen mit Soldaten sowie mehrere Kampfhubschrauber in der Nähe der Stadt Mopti. Die Zeit drängte. In Konna, einer Ortschaft nördlich von Mopti, der letzten von Regierungstruppen gehaltenen, größeren Stadt in Zentralmali, hatten die Islamisten zum Sturm auf den Süden angesetzt.

          Die Aufständischen hatten dafür alle ihre Kräfte gebündelt: „Ansar al Dine“, die radikale Fraktion der Tuareg-Rebellen, war ebenso dabei wie Kämpfer von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqmi) und der „Bewegung für Einheit und Djihad in Westafrika“ (Mujao), die beide als terroristische Vereinigungen gelten. Bislang unbestätigten Informationen zufolge sollen sogar Mitglieder der radikalen Sekte „Boko Haram“ aus Nigeria an dem Angriff beteiligt gewesen sein. Drei Tage lang hatte die ohnehin demoralisierte malische Armee versucht, dem Ansturm der auf 1200 Mann geschätzten Islamisten standzuhalten, dann war sie am Donnerstag aus Konna geflohen.

          Am Freitag eröffneten französische Kampfhubschrauber, die zuvor im Nachbarland Burkina Faso stationiert gewesen waren, das Feuer auf die Stellungen der Radikalen, die sich unter schweren Verlusten zurückzogen. Der französische Verteidigungsminister bestätigte am Samstag, dass dabei ein französischer Pilot tödlich verletzt wurde. Unbestätigt blieben amerikanische Berichte, wonach dabei auch der Hubschrauber abgeschossen wurde.

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