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Militäraktion gegen Hilfsflotte : Mehrheit der Gaza-Aktivisten abgeschoben

  • Aktualisiert am

Jordanische Aktivisten werden nach ihrer Heimkehr aus Israel von Verwandten begrüßt Bild: REUTERS

Israel hat die meisten der mehr als 600 festgenommenen Ausländer in ihre Heimatländer abgeschoben, darunter auch den schwedischen Schriftsteller Henning Mankell. Er nannte die Militäraktion „Seeräuberei und Kidnapping“.

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          Zwei Tage nach dem Militäreinsatz gegen die internationale Hilfsflotte für den Gazastreifen hat Israel die Mehrheit der mehr als 600 festgenommenen Ausländer abgeschoben. 449 Aktivisten seien auf dem Weg in ihre Heimatländer, sagte Außenamtssprecher Jigal Palmor. 186 weitere sollten in den kommenden Stunden folgen. Die meisten Freigelassenen seien Türken. Israelische Sicherheitskräfte hatten eine erste Gruppe mit Ausländern am frühen Mittwoch mit Bussen zum internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv gebracht. Weitere 123 Aktivisten sind nach Angaben des Sprechers zur Allenby-Brücke, dem Grenzübergang zu Jordanien, begleitet worden.

          Bei diesen Abgeschobenen handelt es sich vor allem um Muslime aus Ländern, mit denen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält, beispielsweise Syrien oder Kuwait. Rund 50 Aktivisten hatten bereits am Montag freiwillig Israel verlassen. Die israelische Regierung hatte unter massivem internationalen Druck am Montagabend angekündigt, dass die mehr als 600 inhaftierten Aktivisten des internationalen Gaza-Hilfskonvois umgehend freigelassen würden. Nach israelischen Presseberichten hatten sich unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten für eine rasche Lösung eingesetzt.

          Mankell: „Seeräuberei und Kidnapping“

          Der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell, der schon am Dienstag freigelassen worden war, hat die Erstürmung der Gaza-Hilfsflotte durch die israelische Marine als „Seeräuberei und Kidnapping“ kritisiert. Der Schriftsteller hatte sich an der Hilfsaktion für Gaza beteiligt. Der Zeitung „Expressen“ sagte er: „Die israelischen Soldaten gingen fernab der eigenen Gewässer zum bewaffneten Angriff. Das war in internationalen Gewässern. Also handelt es sich um Seeräuberei und Kidnapping.“ Der Autor äußerte sich während des Rückfluges gegenüber einem Reporter. Auf die Frage, ob er von den neun Toten bei der israelischen Aktion wisse, sagte Mankell: „Nein, davon hab ich bisher keine Ahnung gehabt. Oje, oje.“

          Gaza : Israel schiebt Aktivisten ab

          Über angebliche israelische Waffenfunde an Bord der geenterten Schiffe sagte der Autor: „Ich kann versichern, dass nicht eine einzige Waffe an Bord unserer Schiffe war. Sonst wären wohl ganz andere Formen von Auseinandersetzungen ausgebrochen.“ Im Rundfunk erklärte Mankell, er wolle seine „Soldaritätsarbeit für Palästina“ fortsetzen.

          Obama spricht Erdogan sein Beileid aus

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat unterdessen in einem Telefongespräch mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan Aufklärung über den israelischen Angriff auf die Gaza-Flotte gefordert. Obama habe Erdogan sein Beileid für die Opfer ausgesprochen und sich für eine glaubwürdige, unparteiische, transparente Untersuchung ausgesprochen, teilte das Weiße Haus mit. Auch Außenministerin Hillary Clinton sprach sich für eine glaubwürdige Untersuchung aus. Die Vereinigten Staaten seien dabei offen für eine Beteiligung internationaler Beobachter, sagte Clinton. Die Türkei ist einer der wichtigsten Verbündeten Amerikas in der Region. Bei dem größten Schiff der Flotte handelte es sich um die türkische „Mavi Marmara“.

          Erdogan verlangte in dem Gespräch mit Obama eine Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch berichtete. Den israelischen Militäreinsatz gegen die mit Hilfsgütern beladenen Schiffe bezeichnete er als schweren Bruch internationalen Rechts. Er warnte Israel, die bisher den Palästinensern gegenüber praktizierte Politik fortzusetzen. „Israel läuft Gefahr, den einzigen Freund in der Region zu verlieren“, sagte Erdogan mit Blick auf die sich verschlechternden Beziehungen der Türkei zu Israel (Siehe auch Eine dauerhafte atmosphärische Störung).

          Obama sagte, es müsse bessere Wege für die Lieferung von Hilfsgütern gefunden werden, ohne dass dabei die Sicherheit Israels gefährdet werde. Die Türkei ist als Mitglied der Nordatlantischen Allianz (Nato) für die Vereinigten Staaten ein wichtiger Partner. Zugleich ist Amerika auch der engste Verbündete Israels.

          Israels Marine hatte am Montag die sechs Schiffe der Gaza-„Solidaritätsflotte“ im Mittelmeer angegriffen, um sie an der Fahrt in den seit drei Jahren blockierten Gazastreifen zu hindern. Bei der Militäraktion wurden nach israelischen Armeeangaben neun Menschen getötet, Dutzende weitere verletzt. 45 ausländische Aktivisten wurden am Dienstag noch in israelischen Krankenhäusern behandelt. Es hieß, die meisten von ihnen seien Türken.

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