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Lage im Sudan : Das letzte Aufbäumen des alten Regimes

Alaa Salah, die Ikone des Widerstands, am Mittwoch in Khartum. Bild: AFP

Sudans Langzeitherrscher ist entmachtet worden. Laut Militär befindet sich der 75 Jahre alte Islamist Omar al Baschir nun „an einem sicheren Ort“. Wie geht es nun weiter in dem afrikanischen Land?

          Gegen 14 Uhr am Donnerstag herrschte endlich Klarheit. Sudans Langzeitherrscher, der 75 Jahre alte Islamist Omar al Baschir, ist entmachtet. Ein Militärrat wird für die nächsten zwei Jahre die Kontrolle über das im Nordosten Afrikas gelegene Land mit seinen 40 Millionen Einwohnern übernehmen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Der Präsident befinde sich im Gewahrsam der Armee, „an einem sicheren Ort“. Die Nachricht, die auf monatelange Proteste gegen das Regime folgte, wurde von Ahmad Awad Ibn Auf im staatlichen Fernsehsender verkündet – er ist Verteidigungsminister und seit kurzem auch Vizepräsident Sudans. „Die Menschen in Sudan haben so viel unter dem Regime gelitten“, sagte er und kündigte nach einer zwei Jahre währenden Übergangszeit Wahlen an.

          Mit seinen Worten beendete der Generalleutnant, der auch schon einmal Geheimdienstchef seines Landes war, die 30 Jahre dauernde Herrschaft Baschirs. Der hatte sich 1989 an die Macht geputscht und sein Land mit eiserner Faust regiert. Während seiner Amtszeit herrschte ein blutiger Bürgerkrieg zwischen der Armee und südsudanesischen Rebellen, der erst 2005 endete. Wegen Völkermordverbrechen in Darfur, wo zwischen 300.000 und 600.000 Menschen starben, wird Baschir vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht. Greuel werden seinem Regime auch in den Nuba-Bergen vorgeworfen, wo die Bevölkerung mit Fassbomben tyrannisiert wurde.

          Zuletzt hatte der Oberkommandierende der Streitkräfte allerdings kaum noch Rückhalt in der Armee gehabt. Seit dem Wochenende schließlich hatte sich die Lage in der Hauptstadt Khartum zugespitzt. Als die paramilitärischen Einheiten des Geheimdienstes eine Sitzblockade vor dem Militärhauptquartier gewaltsam auflösen wollten, stellten sich Soldaten zwischen die Demonstranten. Es kam zu Scharmützeln. Mehr als 20 Menschen wurden getötet, unter ihnen offenbar fünf Soldaten.

          Begonnen hatten die Proteste am 19.Dezember in Atbara, einer Provinzstadt ungefähr auf halber Strecke zwischen Khartum und Port Sudan. Dort hatte sich eine Menschenmenge zusammengefunden, um gegen die Verdreifachung des Brotpreises zu protestieren; die Regierung hatte zuvor das sudanesische Pfund massiv abgewertet. Später setzten die Demonstranten das lokale Hauptquartier von Baschirs Kongresspartei in Brand. Von Atbara breitete sich der Protest schnell auf andere Landesteile aus.

          Dieses Mal ließen sich die Menschen nicht einschüchtern

          Schon wenige Tage später gingen in allen 18 Bundesstaaten die Menschen auf die Straße, sogar in entlegenen Regionen wie Darfur, vor allem aber in der Hauptstadt Khartum, wo die Lage schnell eskalierte. Scharfschützen schossen auf friedliche Demonstranten, die Parolen wie „Das Volk will den Sturz des Regimes“ und „Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit“ skandierten. Wenige Tage nach Ausbruch der Unruhen zählte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International 37 Tote. Das Regime versuchte den Aufstand wieder einmal mit Gewalt niederzuschlagen. Doch dieses Mal ließen sich die Menschen nicht einschüchtern. Immer mehr beteiligten sich an den Demonstrationen: neben 23 Oppositionsparteien auch Berufsverbände und Gewerkschaften, Studenten und Arbeiter. Am Ende mobilisierten selbst die Sufis ihren Anhang, jene islamischen Mystiker, deren Einfluss in Sudan immer noch sehr groß ist.

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