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Republikaner in Amerika : Will Mike Pence Präsident werden?

  • -Aktualisiert am

Mike Pence im Juli in Washington Bild: EPA

Donald Trumps ehemaliger Vizepräsident tourt durch das Land und macht Wahlkampf für republikanische Kongresskandidaten – und wohl auch für sich selbst. Er könnte bei den Vorwahlen 2024 antreten.

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          Auch er hat jetzt einen Podcast: Mike Pence nennt seine Audio-Show „Amerikanische Freiheit“ - und dieser Tage bemüht er sich nicht mehr, seine Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur herunterzuspielen. Pence hat ein neues Büro in Washington, für das er zuletzt etliche Mitarbeiter anstellte. Seine Kampagnenorganisation heißt „Advancing American Freedom“, also etwa: Die Freiheit in Amerika voranbringen. Damit will der ehemalige Vizepräsident von Donald Trump zunächst einmal den Kongresswahlkampf im kommenden Jahr unterstützen. Vertraute von Pence sagten dem Fernsehsender CNN, dass dieser sein Team im Sommer auf zwanzig Personen verdoppelt habe. Quellen aus seinem Umfeld beteuerten auch, dass Pence seine mögliche Kandidatur bei den Vorwahlen 2024 nicht davon abhängig mache, ob Trump noch einmal antrete oder nicht. Andere Republikaner sind da wesentlich zurückhaltender. Nikki Haley etwa, Trumps ehemalige UN-Botschafterin, hatte im Frühjahr gesagt, dass sie sich nicht zur Wahl stellen werde, falls Trump antrete.

          Dass Pence eine Kandidatur vorbereitet, legt auch sein Reisepensum nahe – er ist oft in Bundesstaaten zu Gast, die bei Präsidentschaftswahlen eine wichtige Rolle spielen, kürzlich etwa in Iowa. Dort hilft er die republikanischen Kandidaten für den Kongress, die im kommenden Jahr zur Abstimmung stehen. Pence leiht ihnen Mitglieder seines Teams aus und berät in Wahlkampffragen – so kann er vor allem seine Machtbasis innerhalb der Partei ausbauen, die er für eine Nominierung brauchen würde. Mitte des Monats sprach er zum Beispiel bei einer Veranstaltung mit Pete Rickett, dem republikanischen Gouverneur von Nebraska. Seinen Mitrednern dort werden ebenfalls Ambitionen auf die Präsidentschaft zugeschrieben. Auch Ron DeSantis, der Gouverneur von Florida, und Ted Cruz, ein Senator aus Texas, warben um die Gunst des Publikums.

          Manche Beobachter glauben, dass Pence, der vom Katholiken zum Evangelikalen wurde, mit seinen rechtskonservativen politischen Positionen zu einem Kandidaten werden könnte, der die Republikaner eint. Der ehemalige Gouverneur von Indiana würde inhaltlich vielen Forderungen der Trump-Anhänger entsprechen, wie etwa bei den Themen Einwanderung und Abtreibung. Die geforderte „harte“ Linie in diesen Fragen kombiniert er mit einem Auftreten, das in den Augen seiner Unterstützer höflich und verbindlich ist. Pence hätte also den Vorteil, dass er bei den stilistisch gemäßigteren Konservativen in der Partei besser ankommt als Trump.

          Ihnen gefiel zum Beispiel, dass er zum zwanzigsten Jahrestag der Anschläge vom 11. September ein Denkmal für die Opfer in Indiana besuchte, während Trump sich nicht den anderen ehemaligen Präsidenten bei der Gedenkfeier in New York anschloss und später am Abend eine Boxveranstaltung in Florida kommentierte. Und Pence erinnert die Konservativen auch gern an seine Rolle am 6. Januar, als Trumps Unterstützer das Kapitol stürmten und er diesem abermals versicherte, nichts gegen das Wahlergebnis von 2020 machen zu können. Im Juni nannte Trumps ehemaliger Vize die Versuche, die Abstimmung rückgängig zu machen, „unamerikanisch“.

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