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Neue Migrationsrouten : Überfüllte Notunterkünfte auf den Kanaren

120 Migranten bei ihrer Ankunft im Süden der Kanareninsel Gran Canaria am 2. November Bild: Reuters

Die Zahl der Migranten auf den Kanaren steigt weiter an. EU-Innenkommissarin Johansson fordert bei ihrem Besuch, die Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern zu verstärken. Aber auch Abschiebeflüge sind bereits geplant.

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          Noch bevor der spanische Innenminister und die EU-Kommissarin auf Gran Canaria landeten, brachte die spanische Seenotrettung am Freitag das erste Boot mit mehr als 150 Migranten an Land. An der Hafenmole von Arguineguín im Südosten von Gran Canaria machten sich der Innenminister Fernando Grande-Marlaska und die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson selbst ein Bild von der verzweifelten Lage. Zeitweise verbringen in dem Erstaufnahmelager des Roten Kreuzes mehr als 1400 Neuankömmlinge ihre ersten 72 Stunden auf den Kanaren. Sie schlafen auf dem Boden; nur wenige Dixie-Toiletten und Duschen stehen für die erschöpften Menschen bereit, die tagelang auf hoher See waren.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Vergeblich forderte der kanarische Regionalpräsident Ángel Víctor Torres seit Wochen die spanische Regierung auf, das Lager zu schließen. Am vergangenen Wochenende demonstrierten Hunderte Bürger am Hafen. Die Migranten sollten in militärischen oder anderen staatlichen Einrichtungen untergebracht werden, verlangt der sozialistische Regionalpräsident, der sich von der Regierung in Madrid und der EU alleingelassen fühlt. Denn die existierenden Notunterkünfte sind überfüllt, 2000 Menschen sind vorläufig in leerstehenden Hotels untergebracht, jeden Tag werden es mehr; laut Hilfsorganisationen waren es in der ersten Novemberwoche gut tausend.

          Das spanische Innenministerium zählte vom Jahresbeginn bis zum 31. Oktober 11.409 Migranten auf mehr als 400 Booten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das eine Zunahme von mehr als 664 Prozent. Allein im Oktober registrierten die Behörden mehr als 5300 Menschen, die aus Westafrika kamen – in einem Monat waren das ähnlich viele wie auf dem Höhepunkt der großen „Cayuco“-Krise im Jahr 2006. Damals landeten insgesamt 32.000 Migranten auf den spanischen Atlantikinseln.

          Wie damals unterstützt jetzt wieder die europäische Grenzschutzagentur Frontex die überforderten spanischen Polizeikräfte, die über eine regelrechte „Überflutung“ klagen. Sieben Frontex-Mitarbeiter kamen in dieser Woche auf die Kanaren. Sie sollen bei der Identifizierung helfen und herausfinden, welche Rolle Schmugglermafias spielen.

          Johansson und Grande-Marlaska riefen bei ihrem Besuch auf den Kanaren dazu auf, die Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern zu verstärken. Wer jedoch nicht verfolgt werde, müsse in sein Herkunftsland zurückgebracht werden, sagte die Schwedin. Zudem müsse Europa dazu beitragen, die Lebensmöglichkeiten der Menschen in Ländern wie Marokko, dem Senegal oder Mauretanien zu verbessern.

          Bislang nur wenige aufs Festland gebracht

          Um den Druck auf die Kanaren zu verringern, will die spanische Regierung bald wieder mit Abschiebeflügen in die Herkunftsländer beginnen. Nur wenige Migranten wurden bisher aufs spanische Festland gebracht, wohin die meisten wollen. Damit will man verhindern, dass es noch mehr Menschen über die Kanaren-Route probieren. Bei den Rückführungen ist Mauretanien für Spanien ein wichtiger Partner, wo Innenminister Grande-Marlaska vor wenigen Wochen war. Hilfsorganisationen sprachen gegenüber der Nachrichtenagentur Efe von Hinweisen darauf, dass in der nächsten Woche ein Abschiebeflug dorthin starten könnte. Mit Mauretanien und Marokko hat Spanien Abkommen über die Rücknahme von Migranten, die über ihr Staatsgebiet nach Spanien gelangt sind.

          Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie und wegen der folgenden Grenzschließungen waren jedoch keine Migranten mehr nach Mauretanien zurückgeflogen worden. Zwischen Januar und März waren dies zuvor nach Informationen der Hilfsorganisation CARE mehr als 160 Personen. Die meisten von ihnen waren demnach Malier, die daraufhin aus Mauretanien abgeschoben wurden.

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