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Migrationsforscher Knaus : „Die Türkei braucht mehr Geld“

Migranten am Montag in Edirne an der türkisch-griechischen Grenze Bild: AP

Die EU hätte längst mit der Türkei über eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung für die Flüchtlingshilfe verhandeln müssen, kritisiert der Migrationsforscher Gerald Knaus. Im F.A.Z.-Gespräch mahnt er ein neues Flüchtlingsabkommen mit Ankara an.

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          Herr Knaus, Sie gelten als „Erfinder“ des EU-Türkei-Abkommens vom März 2016. Ist es noch zu retten?

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Wir sollten nicht vergessen, dass dieses Abkommen zeitweilig durchaus Wirkung entfaltet hat. Es ist vier Jahre lang gelungen, die Türkei, die mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als jedes andere Land der Welt, dazu zu bringen, Menschen aus Griechenland zurückzunehmen. So konnte der Zustrom in die EU stark gesenkt werden. Und es ist ebenso gelungen, die Bedingungen für die große Zahl an Flüchtlingen in der Türkei durch rasche und effiziente finanzielle Unterstützung der EU so deutlich zu verbessern, dass sich lange Zeit kaum noch Syrer auf den Weg nach Griechenland gemacht haben. Das europäische Geld hat nachweisbar etwas bewirkt. Das sind große Erfolge, vor allem vor dem Hintergrund der ständigen Spannungen zwischen der Türkei und Europa. Die Türkei hat sich vier Jahre lang an das Abkommen gehalten – trotz der Armenien-Resolution im Bundestag, trotz des Streits nach dem Putschversuch gegen Erdogan, trotz der Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer, und obwohl die EU-Beitrittsverhandlungen de facto zum Stillstand kamen.

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