https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/migration-auf-die-balearen-immer-mehr-algerier-auf-mallorca-17570546.html

Migration auf die Balearen : Immer mehr Algerier auf Mallorca

Von der Küstenwache gerettete Migranten am 23. September vor der kanarischen Insel El Hierro Bild: EPA

Immer mehr Migranten aus Algerien machen sich auf den Weg nach Spanien. Die relativ kurze Route auf die Balearen wird immer wichtiger. In diesem Jahr kamen auf den Inseln bereits 120 Boote an.

          2 Min.

          Zunächst war von bis zu 17 Toten vor Mallorca die Rede. Doch die ersten Schreckensmeldungen bewahrheiteten sich nicht. Spanische Rettungskräfte brachten 14 Migranten in Sicherheit, deren Boot vor den Cabrera-Inseln in Seenot geraten war; nach drei weiteren Passagieren wurde am Dienstag noch gesucht. Immer mehr Migranten aus Algerien machen sich auf den Weg nach Spanien. Dabei wird auch die relativ kurze Route auf die Balearen immer wichtiger: In diesem Jahr landeten auf den Inseln nach offiziellen Angaben schon 1819 Menschen mit 120 Booten – das sind schon jetzt deutlich mehr als im gesamten Vorjahr. Vor zwei Wochen gingen auf Mallorca und Formentera innerhalb von weniger als 24 Stunden etwa 250 Migranten an Land.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Wenn das Wetter gut ist, dauert die Fahrt von der algerischen Küste auf die Balearen nur gut 20 Stunden. Aus Algerien stammen inzwischen die meisten Neuankömmlinge in Spanien: Im vergangenen Jahr stellten mehr als 11.500 Algerier, die vor allem bei Almeria, Murcia, Alicante und auf den Balearen ankamen, die größte Gruppe unter den Migranten. So viele waren es noch nie. Diese Entwicklung setzt sich fort. 35 Prozent macht der Anteil der Algerier in diesem Jahr schon aus, während der Anteil der Marokkaner, die jahrelang an erster Stelle standen, nur noch bei 27 Prozent liegt. Dem spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska bereitet der anhaltende Zustrom aus Algerien nach der Migrationskrise auf den Kanaren nach eigenen Angaben derzeit die größten Sorgen. Das nordafrikanische Land leidet stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und der andauernden politischen Instabilität.

          Vorgehen gegen Schleusernetzwerke

          Die meisten Neuankömmlinge setzen weiterhin aus dem Westen Afrikas auf die Kanarischen Inseln über. In diesem Jahr waren es mehr als 340 Boote mit mehr als 13.000 Menschen an Bord – fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Laut den jüngsten Angaben des spanischen Innenministeriums waren es bis Ende September 51 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Fast 29.000 Migranten waren es im laufenden Jahr, vor einem Jahr waren es bis September nur gut 19.000.

          Auf der Route aus Algerien setzt die Schmugglermafia mittlerweile regelrechte „Taxi-Boote“ ein. Systematisch kauften sie dafür in Spanien Boote und starke Motoren, die sie dann mehrfach einsetzten, berichtet die Zeitung „Voz de Alméria“. Auf die Kanaren sind meistens altersschwache Boote unterwegs, die von einem der Migranten gesteuert werden, der im Gegenzug nichts zahlen muss und danach auch in Spanien bleibt. Die Boote aus Algerien sind dagegen mehrere Male unterwegs, um den Gewinn zu erhöhen. In Spanien halten die Schleuser angeblich auch Wohnungen für die Migranten bereit.

          Die spanische Polizei geht verstärkt gegen diese Schleusernetzwerke vor, die auch im Drogenhandel aktiv sind und immer aggressiver auftreten. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex warnt davor, dass sie versuchen, die spanische Küstenwache gezielt zu überfordern, indem sie gleichzeitig mehrere Boote auf den Weg schicken. Mehr als 3000 Euro kostet die Überfahrt aus Algerien nach Spanien, wo die Rückführungen nach Algerien während der Pandemie praktisch zum Erliegen gekommen sind. Viele Algerier reisen anschließend in mitteleuropäische Länder wie Frankreich und Deutschland weiter.

          Weitere Themen

          Fußball, Mode und Urlaub

          Spanien-Bild der Medien : Fußball, Mode und Urlaub

          Wenn Spanien in den internationalen Medien auftaucht, geht es selten um Politik. Dafür erscheint das Land einer Studie zufolge als Ferienparadies und „Fußballmacht“. Das sei gar nicht so schlecht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.