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Migrantenlager in Belarus : Ort der Machtlosen und Ratlosen

Belarussische Sicherheitskräfte mit Migranten in Brusgi Bild: Friedrich Schmidt

Am Grenzübergang Brusgi in Belarus sitzen weiter viele Migranten fest. Nach Polen können sie nicht, zurück wollen sie nicht. Und das Regime, das sie ins Land locken ließ, weist auf die EU, um die Lage zu lösen. Ein Besuch.

          6 Min.

          Vom mobilen Wasserkocher der Armee, der mit Holz befeuert wird, steigt Rauch auf, der Brandgeruch zieht in Kleidung und Haare. Männer holen heißes Wasser für Tee oder Nudelsuppe. Ein Kind rutscht im Matsch hinter den Toilettenhäuschen aus, der Vater hilft ihm auf. Frauen waschen auf einer Palette Kinderkleidung mit Wasser aus einem Schlauch. Jacken, Pullover und Schneeanzüge hängen über einem Zaun zum Trocknen im Nieselregen. Männer lehnen an den blauen Absperrgittern, reden, rauchen. Grenzsoldaten in grünem Flecktarn passen auf, dass niemand unerlaubt das Gelände verlässt.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Dahinter erhebt sich eine riesige rot-graue Lagerhalle, das „Transport- und Logistikzentrum“ von Brusgi, wie dieser Grenzübergang nach Polen im Nordwesten von Belarus heißt. Der ist jetzt geschlossen, an einem weiter südlich gelegenen Übergang stauen sich die Lastwagen. Eine Viertelstunde von der Lagerhalle entfernt, stand in Brusgi der Grenzzaun zu Polen bis in die vorige Woche im Zentrum des Ringens von Machthaber Alexandr Lukaschenko mit der EU. Jetzt ist Brusgi ein Ort der Machtlosen und Ratlosen. Migranten wie Sicherheitskräfte fragen, wie lange „das“ weitergehen soll.

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