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Migranten an der EU-Grenze : Wo sind Erdogans Millionen?

Migranten kehren am Montag von der türkisch-griechischen Grenze in der Region Ipsala zurück. Bild: EPA

Millionen Migranten drängten nach Europa, hunderttausend hätten sich bereits auf den Weg gemacht, behauptet der türkische Präsident. An den Grenzen der Türkei mit Bulgarien und Griechenland sieht es danach aber nicht aus. Dennoch bittet Athen Frontex um Hilfe.

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          Werden es bald Millionen Flüchtlinge sein, die an Europas Grenzen stehen? Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will das offenbar glauben machen. Am Montag hat er versucht, den Druck auf Europa weiter zu erhöhen. In einer Rede vor Funktionären und Mitgliedern seiner Partei AKP sagte er in Ankara, Europa könnte sich bald mit „Millionen Flüchtlingen“ konfrontiert sehen. Hunderttausend hätten sich bereits auf den Weg gemacht. Abermals klagte Erdogan, Europa lasse die Türkei bei der Bewältigung des Flüchtlingsproblems allein. Von nun an werde Europa diese Last aber mittragen müssen, so der Präsident in der vom Fernsehen übertragenen Rede. Er habe in den vergangenen Tagen zahlreiche Anrufe europäischer Politiker mit der Bitte bekommen, die Grenzen wieder zu schließen. Zudem hätten ihn „vier oder fünf Länder“ gebeten, ein Gipfeltreffen auszurichten.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Verärgert äußerte sich Erdogan darüber, dass der Nato-Rat am vergangenen Freitag keine konkreten Maßnahmen zur Unterstützung der Türkei beschlossen hat, um den Vormarsch der syrischen Armee in der Provinz Idlib zu stoppen. Am Samstag hatte der türkische Präsident in einer Rede gesagt, die Grenzen nach Europa seien nun offen. Einen Tag zuvor war aus einem Treffen Erdogans mit den Ministern für Verteidigung und Äußeres sowie dem Geheimdienstchef durchgesickert, die Grenzen sollten lediglich 72 Stunden lang für geöffnet erklärt werden.

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