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Michelle Obamas Buch : „Das werde ich ihm niemals verzeihen“

  • -Aktualisiert am

Michelle Obama auf Lesetour an ihrer ehemaligen High School für ihr Buch „Becoming“ Bild: dpa

Heute erscheint das Buch „Becoming“, in dem Michelle Obama von ihrer Ehe und ihrer Zeit als First Lady erzählt. Es geht um Schmerz und Ehekrisen – aber auch um Präsident Donald Trump.

          4 Min.

          „Ich kann dich verletzen und damit durchkommen,“ steht in Michelle Obamas Buch, dunkel hervorgehoben. Das sei die zentrale Aussage von Donald Trumps Körpersprache gewesen, als er seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton während einer Fernsehdebatte im Wahlkampf 2016 auf den Pelz rückte. Obama macht in ihrem heute erscheinenden Buch „Becoming“ („Werden“) keinen Hehl daraus, wie sehr sie den „Frauenfeind“ Trump verachtet.

          Trumps Angriffe auf ihren Mann hätten sie und ihre Familie verletzt und auch in Gefahr gebracht, sagte Obama in einem Interview. Vor allem die so genannte „Birther“-Verschwörungstheorie setzte ihr stark zu. Den durch nichts fundierten Gerüchten, Barack Obama sei nicht in den Vereinigten Staaten geboren, hatte Trump zu noch mehr Verbreitung verholfen. Die ehemalige First Lady fragt sich im Buch, was wohl passiert wäre, wenn sich jemand durch diese Verschwörungstheorie ermutigt gefühlt hätte, ihrer Familie zu schaden. „Das Ganze war verrückt und niederträchtig. Natürlich war der Rassismus und Fremdenhass dahinter kaum verhüllt. Aber es war auch gefährlich, absichtlich darauf ausgerichtet, die Verrückten zu ermutigen. Donald Trump hat mit seinen lauten, haltlosen Andeutungen die Sicherheit meiner Familie in Gefahr gebracht und das werde ich ihm niemals verzeihen,“ zitierte die „Washington Post“ aus einem Vorab-Exemplar.

          „Vor Wut gezittert“

          Obama erinnert sich auch daran, dass sie „vor Wut gezittert“ habe, als kurz vor der Wahl 2016 der Mitschnitt veröffentlicht wurde, auf dem der Kandidat Trump damit prahlte, Frauen ungestraft sexuell belästigen zu können. Obama beschreibt auch, dass sie in der Wahlnacht erst einmal unter Schock gestanden habe – als klar gewesen sei, dass der Immobilienmilliardär aus New York Präsident werden würde, habe sie erst einmal versucht, „alles auszublenden“.

          Das Buch ist aber nicht hauptsächlich als Abrechnung mit Donald Trump gedacht. Michelle Obama schildert auch ihre Zeit als First Lady. Im Weißen Haus anzufangen sei nicht einfach gewesen – First Lady war eine Rolle, die sie anfangs als „merkwürdigen Beiwagen“ eines Präsidenten wahrgenommen habe. Laura Bush und Hillary Clinton hätten ihr damals Ratschläge gegeben – und ihre eigenen Lernerfahrungen geteilt. Von der späteren Außenministerin habe Obama gelernt, dass sie die Bereitschaft des Landes überschätzt habe, „eine offensive und professionelle Frau in der Rolle der First Lady zu sehen“. „Es schien, als habe sie zu schnell zu viel versucht und sei deswegen geradewegs vor eine Mauer gelaufen,“ so Obama.

          „In den folgenden acht Jahren versuchte ich stets, mir dieser Mauer bewusst zu sein.“ Im Interview mit ABC verriet Obama am Sonntag, dass Melania Trump ein ähnliches Hilfsangebot ihrerseits nie angenommen habe. „Mrs. Trump ist eine starke und unabhängige Frau, die ihre Rolle als First Lady auf ihre eigene Art ausfüllt. Wenn sie Rat braucht, bekommt sie den von ihrem professionellen Team im Weißen Haus“, hieß es dazu am Montag aus Donald Trumps Presseabteilung.

          Der Medienrummel um Michelle Obamas Buch hat gerade erst begonnen. Sie wird es auf einer prominent besetzten Lesetour bewerben. Die Auftaktveranstaltung moderiert Oprah Winfrey in Chicago. Chicago ist die Stadt, in der Obama aufwuchs und in der sie und ihr Mann auch eine Stiftung gründeten. Obama beschreibt in ihrem Buch auch ihre Kindheitsjahre, ihre Karriere bevor sie ins Weiße Haus einzog und ihre Erfahrungen mit Rassismus. Natürlich war das Interesse vorab besonders groß, wo es Einblicke in die Ehe der Obamas gab.

          Das Paar heiratete 1992. Michelle war zuvor Barack Obamas Mentorin bei der Anwaltskanzlei Sidley Austin gewesen – das war auch der Grund, warum sie zunächst zögerte, als er mit ihr ausgehen wollte. „Er sagte, du bist verrückt, du magst mich und ich mag dich, also sollten wir ausgehen,“ erzählte Michelle Obama im Interview. „Er war sehr direkt, das gefällt mir an ihm.“ Nachdem sie ihre Zweifel beiseite geräumt habe, habe sie sich in einem „überwältigenden Rausch aus Lust, Dankbarkeit, Erfüllung und Staunen“ befunden, so ein vorab verbreitetes Zitat. „Ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll,“ sagte Obama zu Robin Roberts vom Sender ABC, angesprochen auf die offene Wortwahl. „Das war da und es ist immer noch da, ich liebe meinen Mann sehr.“

          Viele Kommentatoren hoben positiv hervor, dass Obama keineswegs verschweigt, dass Liebe nicht alle Probleme aus dem Weg räumte. Die beiden Töchter des späteren Präsidentenpaares, Malia und Sasha, kamen durch In-Vitro-Fertilisation auf die Welt. Nach einer Fehlgeburt habe sie sich verlassen gefühlt, erzählte Obama in dem Interview. „Ich fühlte mich verloren und allein und als hätte ich versagt, weil ich nicht wusste, wie häufig Fehlgeburten sind, weil wir alle in unserem Schmerz allein zu Hause sitzen und nicht darüber sprechen.“ Viele Frauen lobten Obama in den sozialen Medien für diese Offenheit. Auch, dass sie über schwierige Zeiten in ihrer Ehe schreibt, kam gut an. Die Obamas nahmen Paartherapie in Anspruch und „arbeiteten“ stets an ihrer Beziehung, hieß es. „Weil wir Vorbilder sind, ist es für uns wichtig, ehrlich zu sein und zu sagen, es gibt Zeiten, da möchte man gehen, das ist normal – denn so habe ich mich gefühlt,“ sagte die 54-jährige Juristin dem „People“-Magazin.

          Der Schmerz der High Heels

          Natürlich gibt es auch ein paar amüsante Anekdoten im Buch – da tauschten sich die Queen und die First Lady etwa einmal über ihre schmerzenden Füße in hochhackigen Schuhen aus. „Die tun weh, was?“ soll Königin Elizabeth über Obamas Jimmy-Choo-High-Heels gesagt haben. Und die Schwiegermutter des Präsidenten, die im Weißen Haus wohnte, ging oft unbegleitet zur Drogerie um die Ecke. Angesprochen auf ihre Ähnlichkeit mit Michelle Obamas Mutter, habe sie stets nur geantwortet: „Das höre ich sehr oft!“

          Für viele Menschen verkörpert Michelle Obama einfache, bessere Zeiten. Während der Vereidigung von Donald Trump habe sie sogar aufgehört zu versuchen, zu lächeln, verriet Obama. „Der Oberkommandierende zu sein ist ein harter Job, man muss lesen und Disziplin haben und sich auskennen. Man muss die Geschichte kennen, man muss seine Worte vorsichtig wählen,“ sagte die ehemalige First Lady. „Aber die Wähler treffen diese Entscheidung und sobald die Wähler entschieden haben, leben wir mit dem, womit wir leben.“

          Einen neuen Fan hat Obama jedenfalls schon. Der frisch zum Trump-Gegner bekehrte ehemalige Anwalt Michael Cohen twitterte zu ihrem ABC-Interview: „Ich schaue Becoming @MichelleObama auf #abc2020 und bete, dass ihre Worte Einigkeit in unser Land zurück bringen.“

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