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Wahlen in Amerika : Clinton entdeckt ihre Wunderwaffe

Michelle Obama wirbt bei einer Veranstaltung an der La Salle Universität in Philadelphia um Unterstützung für Hillary Clinton. Bild: AP

Michelle Obama kann Donald Trump angreifen und schaden, ohne seinen Namen zu nennen. Weil sie auch noch besonders beliebt ist bei den Amerikanern, bekommt sie für Hillary Clinton eine besondere Bedeutung.

          Für den Wahlkampf der Demokraten könnte sie zur Schlüsselfigur werden: Michelle Obama. Die Ehefrau des amerikanischen Präsidenten ist bei den Amerikanern beliebt, 64 Prozent der Wähler finden sie sympathisch, so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Gallup vom August. Damit liegt sie vor Melania Trump und Bill Clinton, den möglichen künftigen Präsidentengatten.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Am Mittwoch schaltete sich Michelle Obama abermals in den Wahlkampf ein. Bei einer Veranstaltung im Bundesstaat Pennsylvania griff sie Donald Trump heftig an – und das, ohne seinen Namen überhaupt in den Mund zu nehmen. Das vermeidet die Ehefrau des amerikanischen Präsidenten konsequent. Schon bei ihrer viel gelobten Rede auf dem Parteitag der Demokraten im Juli hatte sie den Namen „Donald Trump“ nicht ausgesprochen.

          Den Unterstützern von Hillary Clinton rief sie in Philadelphia zu: „Wir brauchen einen Erwachsenen im Weißen Haus.“ Ein Statement, mit dem Michelle Obama eindeutig klar machte, was sie von dem Kandidat der Republikaner hält. Obama kritisierte Trump auch dafür, dass er in der Vergangenheit immer wieder die sogenannte „Birther“-These verbreitet hatte, derzufolge Barack Obama nicht in den Vereinigten Staaten geboren wurde und somit gar nicht hätte Präsident werden dürfen.

          Kampagne könne nicht mit einem „heuchlerischen Satz" weggewischt werden

          Mit „verletzenden und hinterhältigen Fragen“ hätten Trump und die Vertreter der „Birther“-Bewegung bewusst versucht, die Präsidentschaft ihres Mannes „zu untergraben“. Dabei lässt sie nicht gelten, dass Trump vor kurzem in einer Pressekonferenz zugegeben hatte, dass Barack Obama tatsächlich in den Vereinigten Staaten geboren worden sei. Eine Jahre andauernde Kampagne könne man nicht mit einem „heuchlerischen Satz“ wegwischen.

          Gemeinsam Trump verhindern: Michelle und Barack Obama machen Wahlkampf für die Demokraten.

          Die „Birther“-Theorie wird in der letzten Phase des Wahlkampfs wahrscheinlich noch eine Rolle spielen. Denn bisher ist es Trump nicht gelungen, überzeugend zu begründen, warum er in der Vergangenheit immer wieder Obamas Geburt auf Hawaii angezweifelt hatte. Fünf Jahre lang galt der Republikaner als einer der führenden Vertreter der „Birther“-Bewegung. Das Thema brachte Trump Aufmerksamkeit ­– aber auch die Aussicht auf eine geringe Unterstützung von Seiten der afro-amerikanischen Wähler.

          Genau deshalb dürften die Obamas diesen Schwachpunkt Trumps in den folgenden Wochen immer wieder ansprechen. Das Präsidentenehepaar soll für Clinton nämlich Sympathien bei denen wecken, die zu den stärksten Unterstützern des derzeitigen Präsidenten gehören: bei Afro-Amerikanern und jungen Wählern. Bei denen schwächelt die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten in Umfragen – eine reale Gefahr für Clintons Wahlsieg.

          Miss Universe als „Miss Piggy“ diffamiert

          Michelle Obama kritisierte am Mittwoch aber nicht nur Trumps Haltung zur „Birther“-Theorie. Sie ging auch auf jene Schwachpunkte ein, die Clinton bereits in der Fernsehdebatte am Montag zur Sprache gebracht hatte: Trumps Aussage aus dem Jahr 2006, in der er sagte, er hoffe, dass der Immobilienmarkt zusammenbreche; und seine frauenfeindlichen Äußerungen, etwa über die ehemalige Miss Universe, Alicia Machado. Die hatte Trump als „Miss Piggy“ diffamiert.

          „Wenn ein Kandidat regelmäßig und leichtfertig gefühllose und verletzende Aussagen über Frauen macht, darüber wie wir aussehen, wie wir uns verhalten“, sagte Obama, dann würde das zeigen, „wer der Kandidat wirklich ist“. So werde sich Trump auch als Präsident verhalten, sagte sie vor einem überwiegend studentischen Publikum. Michelle Obama warnte außerdem davor, Stimmen an Kandidaten dritter Parteien zu verschenken, wie die Kandidatin der Grünen Jill Stein oder den Libertären Gary Johnson. „Wenn ihr für jemand anderen als Hillary stimmt oder gar nicht zur Wahl geht, dann unterstützt ihr Hillarys Gegner.“

          Die beliebte Präsidentengattin Michelle könnte der unbeliebten Präsidentschaftskandidatin Hillary also noch sehr nützlich werden. Weitere Wahlkampfauftritte der Präsidentengattin sind schon geplant. Laut Weißem Haus will Michelle Obama in den nächsten 40 Tagen an verschiedenen Veranstaltungen im ganzen Land teilnehmen. Schon jetzt ist sie in einem Wahlkampfvideo Clintons zu sehen. Auch eine Radiowerbung hat sie für die Kandidatin der Demokraten schon eingesprochen. In der ruft sie dazu auf, Clinton zu wählen, die das politische Erbe ihres Mannes fortführen werde: „Wenn die Lage schwieriger wird, lässt Hillary nicht nach, sie mobilisiert einfach ihre letzten Reserven. So ist Hillary und deshalb bin ich für sie.“

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