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Vorstoß zu Einwanderungsstopp : Die Briten staunen über Michel Barnier

Michel Barnier am 23. Februar in Brüssel Bild: EPA

Der frühere Brexit-Verhandlungsführer der EU wirbt in Frankreich für einen Einwanderungsstopp und eine Verstärkung der Schengen-Grenzen. Bei britischen Anhängern des Sonderwegs führt das zu Spott.

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          Es passiert nicht oft, dass die französische Innenpolitik Wellen in Großbritannien schlägt. Nun aber ist genau das Michel Barnier gelungen, dem langjährigen Brexit-Verhandlungsführer der EU, der sich gerade für die Präsidentschaftskandidatur in Paris warmläuft. Seine überraschende Forderung, einen drei- bis fünfjährigen Einwanderungsstopp für Menschen außerhalb der EU zu verhängen und zugleich die Schengen-Grenzen zu verstärken, stieß bei Brexit-Anhängern auf Häme und Triumph, bei „Remainers“ auf Kritik und Verwunderung.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Der Rechtspopulist Nigel Farage höhnte: „Ein Held der Europhilen wird zum Euroskeptiker.“ Der Tory-Abgeordnete Michael Fabricant stellte Barnier die Tugenden Johnsons gegenüber: „Während das liberale Britannien über ein neues Quotensystem den Wert der Einwanderung anerkennt, droht Frankreich, seine Grenzen zu schließen, auch wegen des totalen Scheiterns, seine Einwanderer zu integrieren.“ In den Jahren der Austrittsverhandlungen hatten die Brexiteers Barnier als unbeugsamen Kritiker eines neuen britischen Nationalismus wahrgenommen. Für die meisten Remainer war Barnier dagegen die Stimme der Vernunft. Jetzt nennt John Springford vom EU-freundlichen „Centre for European Reform“ Barniers Vorstoß „absurd und unglaublich schädlich“.

          „Wunderbare Bekehrung“

          Während linksliberale Zeitungen die politische Wandlung des Franzosen, wenn überhaupt, zurückhaltend meldeten, ließen die Brexit-Medien Kommentarhammer niedersausen. Die Daily Mail empfand es als „Frechheit“, dass Barnier das Ziel Londons, die Kontrolle über die Grenzen zurückzugewinnen, stets kritisiert hat, um nun „munter dasselbe vorzuschlagen“. Wenn er damit allerdings akzeptiere, „dass Brüssel nicht immer recht hat“, sei dies eine „wunderbare Bekehrung“.

          Der Daily Telegraph machte auf eine ernstere Dimension aufmerksam. Danach hätte der Konflikt mit der EU, der schließlich im Austritt mündete, verhindert werden können, hätte der einflussreiche Europapolitiker seine neue Überzeugung schon früher in die EU eingespeist. Von einer „Ironie“ spricht auch der Brexit-kritische Kommentator der Financial Times, Gideon Rachman: „Hätte die EU viel mildere Einschränkungen der Freizügigkeit erlaubt, wäre es wahrscheinlich nie zum Brexit gekommen.“

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