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Früherer Präsidentenberater : Micheil Saakaschwili in Kiew von Anhängern befreit

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Anhänger des ehemaligen georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili umzingeln am Dienstag in Kiew den Polizeibus, in dem der Politiker abtransportiert wird. Bild: dpa

Der ukrainische Geheimdienst hat den ehemaligen georgischen Präsidenten festgenommen. Aber offenbar nicht lange. Demonstranten umzingelten den Gefangenentransporter.

          Wenige Stunden nach seiner Festnahme in Kiew haben Demonstranten den ehemaligen georgischen Präsidenten und ukrainischen Oppositionellen Micheil Saakaschwili aus einem Gefangenentransporter befreit. Hunderte teils gewaltbereite Anhänger des 49 Jahre alten Politikers umringten den Polizeibus, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag beobachteten.

          Der ehemalige Präsident, der an einem Handgelenk noch Handschellen trug, rief seine Anhänger dann auf der Straße dazu auf, zum ukrainischen Parlament zu marschieren und die Amtsenthebung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zu fordern. „Wir sind Millionen, wir sind sehr stark“, rief Saakaschwili seinen Anhängern zu. „Wir gehen zum Parlament, um die Amtsenthebung zu verlangen.“

          Generalstaatsanwalt Juri Luzenko gab Saakaschwili daraufhin genau einen Tag, sich zu stellen. „In 24 Stunden wird das gesamte Rechtssystem der Ukraine alles Notwendige dafür tun, dass der staatenlose Saakaschwili vor den Ermittlern und danach vor Gericht erscheint“, sagte er im Parlament in Kiew. Zugleich rief er die Demonstranten vor der Obersten Rada auf, ein Zeltlager zu räumen. 

          Saakaschwili war am Dienstag in seiner Wohnung im Zentrum von Kiew vom Geheimdienst SBU festgenommen worden, wegen des Vorwurfs der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung. Der Geheimdienst hatte die Festnahme bestätigt. Saakaschwili drohen in der Ukraine bis zu fünf Jahre Gefängnis. Der 49 Jahre alte Politiker sei zuvor vor den Ermittlern auf das Hausdach geflohen und habe damit gedroht, sich umzubringen, berichteten örtliche Medien am Dienstag.

          Saakaschwili hatte zuvor Demonstrationen angeführt, die die Amtsenthebung von Präsident Petro Poroschenko zum Ziel hatten. Die Proteste sollen von Politikern finanziert worden sein, die 2014 nach dem Sturz der Regierung nach Moskau geflohen waren. Somit habe er aus Behördensicht Kriminelle unterstützt.

          Saakaschwili ist zur Zeit staatenlos. Ihm wurde im Juli während eines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten die vor zwei Jahren verliehene ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen, nachdem er sich mit dem Staatschef überworfen hatte. Kurz darauf kehrte er jedoch in einer spektakulären Aktion in die Ukraine zurück.

          2015 hatte er bereits die Staatsangehörigkeit seines Heimatlandes verloren, weil er den ukrainischen Pass angenommen hatte. Saakaschwili droht nun auch die Abschiebung nach Tiflis. Georgien hat wegen Ermittlungen zu Korruption und Amtsmissbrauch um eine Auslieferung gebeten.

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