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Michail Chodorkowskij : Die Rädelsführer der ruppigen Räuberjahre

  • -Aktualisiert am

Der Macht ausgeliefert: Chodorkowskij im November 2010 vor Gericht Bild: AFP

Michail Chodorkowskij gilt als der bekannteste Häftling Russlands. In den neunziger Jahren gehörte er selbst zu denen, die dort das Sagen hatten. Bis sich das Blatt wendete.

          7 Min.

          Wenn sich der Wind aus dem Kreml dreht, werden sie dich einsperren.“ Mit diesen Worten soll Michail Chodorkowskij von seiner Mutter gewarnt worden sein, als er in den letzten Jahren der Sowjetunion zum Privatbankier geworden war - zu etwas, was es nach der damals noch geltenden Lehre eigentlich gar nicht geben durfte. Er soll darauf geantwortet haben, eine Abkehr von der Perestrojka-Politik sei nicht zu befürchten, die Rückkehr zu Stalins repressiven Methoden sei ausgeschlossen.

          Chodorkowskij wurde im Oktober 2003 festgenommen und im Mai 2005 wegen diverser Wirtschaftsvergehen zu einer ersten Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. An diesem Montag wurde er in einem zweiten Prozess für schuldig gesprochen. Das Strafmaß steht noch aus. Die Vorwürfe gegen ihn wurden während des Prozesses auch von Ministern als unlogisch bezeichnet - aber trotzdem zweifelte so gut wie niemand an einem abermaligen Schuldspruch, der für Chodorkowskij und seinen Geschäftspartner Platon Lebedjew die Zeit im Gefängnis noch um einige Jahre verlängern wird. (Siehe auch: Russland: Chodorkowskij abermals schuldig gesprochen)

          Chodorkowskijs Meisterstück

          Bevor Michail Borisowitsch Chodorkowskij zu Russlands bekanntestem Gefangenen wurde, haben Männer wie er anderthalb aufregende Jahrzehnte lang die Geschicke Russlands geprägt. Nach dem Ende der Sowjetunion ging es zuerst mit Chodorkowskijs Bank Menatep steil bergauf, die auf einer Privatisierungsauktion den Ölkonzern Yukos ersteigerte, dann mit Yukos, von ihm mit Erfolg modernisiert und zum größten Ölkonzern Russlands ausgebaut, und schließlich auch mit dem Politiker Chodorkowskij. In den neunziger Jahren mussten Chodorkowskij und andere seines Schlages den Präsidenten, der damals Boris Jelzin hieß, nicht fürchten - sie stellten dem Kreml die Bedingungen.

          Reich und mächtig:Anfang 2002 war Michail Chodorkowskijs Vermögen das größte in Russland.

          Die Möglichkeit, schon im Sozialismus Kapital zu bilden, hatte Chodorkowskij einer Idee aus der Kommunistischen Partei zu verdanken. Die Kommunistische Jugendorganisation Komsomol betraute manche ihrer Funktionäre mit der Aufgabe, die Wirtschaft zu modernisieren. Es ging dabei darum, in den trägen Staatsbetrieben technische Neuerungen zur Anwendung zu bringen, die zuvor in „schöpferischen Kollektiven“ ausgetüftelt werden sollten. „Zentren der schöpferischen Arbeit der Jugend“ sollten diesen Prozess steuern und - was sich für alle Beteiligten bald als das Wichtigste erwies - von den Betrieben nicht in fast wertlosen Verrechnungsrubeln, sondern bar bezahlt werden. Pfiffige Komsomolzen zauberten daher bald viele „Zentren“ und dazu ganze Netze von fiktiven „schöpferischen Kollektiven“ hervor, über die sie alles, was Gewinn versprach, kauften, importierten und verkauften - vom Computer bis zu französischem Cognac. Der Komsomolze Chodorkowskij, geboren 1963, erwies sich darin als Meister - sein Meisterstück war es, das von ihm unter dem Namen „Menatep“ gegründete Zentrum als private Geschäftsbank registrieren zu lassen.

          Verteilungskämpfe mit harten Bandagen

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