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Michael Lessin gestorben : Baumeister des Apparats

Gestorben: Michael Lessin, Gründer des russisches Auslandsfernsehsenders Russia Today Bild: dpa

Michael Lessin ist in einem Hotel in Washington D.C. tot aufgefunden worden. Nun sollen Ermittlungen mehr Informationen über den Tod des russischen „Chefs der Putinschen Propaganda“ bringen.

          Mit Michail Lessin ist, soviel war am Wochenende klar, einer der Baumeister des russischen Machtapparats gestorben. Der 57 Jahre alte Mann aus Moskau war an vorderster Front dabei, als es darum ging, das Fernsehen in den Dienst Wladimir Putins zu stellen. Doch sein Leichnam wurde in einem Luxushotel in der amerikanischen Hauptstadt Washington gefunden, am Donnerstag vergangener Woche. Am Freitag wurde er von einem Mitarbeiter der russischen Botschaft identifiziert. Die amerikanische Polizei nahm Ermittlungen auf. In russischen Staatsmedien hieß es unter Berufung auf Verwandte, Todesursache sei ein Herzanfall gewesen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Lessin begann Ende der achtziger Jahre, beim sowjetischen Fernsehen zu arbeiten, kam in den neunziger Jahren mit Werbung zu Geld und war von 1999 bis 2004 Presseminister. Ihm oblag die Überführung des Privatsenders NTW in die Holding Gasprom-Media: ein Schlüsselereignis aus Präsident Putins erster Amtszeit auf dem Weg zur fast ungebrochenen Fernsehmacht. Dafür galt es, Wladimir Gussinskij auszubooten, einen Oligarchen, der Putin zunächst unterstützt hatte, in dessen Medien aber etwa über eine Beteiligung des Geheimdienstes FSB an Bombenattentaten auf Wohnhäuser 1999 diskutiert wurde. Gussinskij wurde in Haft genommen und erst freigelassen, nachdem er die Anteile seines Unternehmens Media-Most an Gasprom-Media verkauft hatte. Heute ist NTW berüchtigt für „Dokumentarfilme“ über Oppositionelle.

          Von 2004 bis 2009 diente Lessin den Präsidenten Putin und Dmitrij Medwedjew als Medienberater; auf seine Initiative wurde 2005 der Auslandssender Russia Today gegründet, der sich nun RT nennt und die Weltsicht des Kreml verbreitet. Lessin wird das Zitat zugeschrieben, Russland müsse „Propaganda für sich selbst“ machen, „sonst werden wir immer wie Bären aussehen“. Wichtigstes Angriffsziel von RT sind die Vereinigten Staaten, die auch den Lebensmittelpunkt der Kinder Lessins bilden. Die Tochter leitet das RT-Büro in Washington, der Sohn lebt als Filmproduzent in Los Angeles.

          Ein amerikanischer Senator forderte 2014, gegen Lessin wegen Korruption und Geldwäsche zu ermitteln. Der „Chef der Putinschen Propaganda“ besitze Immobilien in Kalifornien im Wert von 28 Millionen Dollar. Lessin sagte, das sei nicht sein Eigentum, „meine Kinder haben sich ihr eigenes Leben aufgebaut“. Von seinem letzten Posten als Vorsitzender von Gasprom-Media verabschiedete sich Lessin im Januar 2015 und nannte familiäre Gründe. Was er in Washington wollte, blieb unklar.

          Der russische Sender Lifenews – in Privatbesitz, aber auf Kremllinie – meldete, er sei schon lange Gast in dem Hotel gewesen. Der Gründer von Lifenews postet mittlerweile im Internet Bilder aus seinem Leben in New York. Putin ließ mitteilen, er würdige die „enorme Rolle“ Lessins bei der Schaffung „moderner russischer Massenmedien“.

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