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Vermisstes malaysisches Flugzeug : Wer ist der Geisterflieger der Boeing 777?

Wo ist Flug MH370? Ein Mitglied einer Suchmannschaft an Bord einer Maschine der malaysischen Luftwaffe am Samstag über der Straße von Melakka. Bild: AFP

Die malaysische Polizei fahndet nach der vermissten Passagiermaschine und hat die Wohnung des Piloten durchsucht. Die Kommunikation an Bord wurde nach neuen Erkenntnissen offenbar bewusst abgeschaltet und die Maschine danach auf einen neuen Kurs gelenkt. Eine Entführung wird immer wahrscheinlicher.

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          Bislang waren es nur Vermutungen und unbestätigte Informationen ungenannter Fachleute oder Ermittler. Doch seit diesem Samstag ist klar: Die seit einer Woche verschwundene Boeing 777 ist mit Absicht von jeglicher Kommunikation abgeschnitten und womöglich über Hunderte, wenn nicht gar Tausende Kilometer von ihrer eigentlichen Route nach Peking in Richtung Westen gelenkt worden. Noch mehr als sieben Stunden lang haben Satelliten Spuren von dem Flugzeug aufgenommen, wie am Samstag der malaysische Ministerpräsident Najib Razak mitteilte. Eine Entführung des Flugzeugs wollte der Regierungschef damit allerdings nicht bestätigen. Es werde weiterhin allen Möglichkeiten nachgegangen, warum das Flugzeug von seinem Weg abgekommen sein könnte.

          Jedoch wird dieses Szenario immer wahrscheinlicher. Die Ermittlungen konzentrierten sich daher wieder stärker auf die 227 Passagiere sowie die 12 Personen aus der Besatzung des Flugzeugs, sagte der Ministerpräsident. Zum ersten Mal wurde die Wohnung des Piloten durchsucht. Über mögliche Motive, Hintergründe oder Folgen einer Entführung: nichts. Klar ist nur, dass die Kommunikation und Flugstrecke des Flugs MH370 von jemandem manipuliert wurde, der weiß, wie ein Flugzeug funktioniert und wie man es fliegt.

          Flugbewegungen wurden absichtlich durchgeführt

          Wie der Regierungschef mitteilte, wurde das Aircraft Communications Adressing and Reporting System (ACARS) ausgeschaltet, kurz bevor das Flugzeug die Ostküste Malaysias überflog. Der sogenannte Transponder wurde kurz vor dem Übergang vom malaysischen in den vietnamesischen Luftraum abgestellt.
          Die beiden Systeme erlauben die Ortung eines Flugzeugs. Nach ihrer Abschaltung verschwand die Boeing von den zivilen Radarschirmen. Allerdings hatte das malaysische Militär danach das Signal eines Flugzeuges aufgenommen, das in umgekehrter Richtung zurück über die malaiische Halbinsel bis in den Norden der Straße von Malakka unterwegs war.

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          Bis zu dem Zeitpunkt, als es auch von diesen Radarschirmen verschwand, sei klar, dass diese Flugbewegungen von jemandem in diesem Flugzeug absichtlich durchgeführt wurden, sagte Najib Razak. Doch erst jetzt konnte diese Maschine dem Ministerpräsidenten zufolge der vermissten Boeing zugeordnet werden. Dies geschah mit Hilfe von Satellitendaten und wurde von den beteiligten ermittelnden Behörden einstimmig bestätigt.

          Präzise Lokalisierung nicht möglich

          Eine präzise Lokalisierung sei aufgrund der Daten gleichwohl nicht möglich. Die neuen Informationen hätten signifikante Auswirkungen auf das Ausmaß und den Charakter der Suche, sagte der Regierungschef. Die letzte Spur des Flugzeugs hatten die Satelliten am Samstag um 08.11 Uhr in einem von zwei möglichen „Flugkorridoren“ aufgenommen, auf die sich die Suche nun konzentrieren soll. Der eine erstreckt sich von Nordthailand bis an die Grenzen von Kasachstan und Turkmenistan. Der andere von Indonesien bis in den Süden des Indischen Ozeans westlich von Australien. Um ein Gefühl für die gewaltige Größe dieses Gebiets zu bekommen, muss man sich das Folgende vergegenwärtigen: Von der nordthailändischen Stadt Chiang Mai bis nach Almaty in Kasachstan sind es 3400 Kilometer Luftlinie. Von Banda Aceh auf der Insel Sumatra in Nordwestindonesien bis Perth an der Westküste Australiens sind es 4700 Kilometer.

          Insgesamt sprechen die Ermittler also von einem Areal mit einem Durchmesser von 8000 Kilometern. Überall in diesem Gebiet könnte sich das Flugzeug befinden, zu Land, zu Wasser, den vorhandenen Daten nach aber offenbar nicht in der Luft. Dafür werden die Sucharbeiten im Südchinesischen Meer, auf die sich die Behörden anfänglich konzentriert hatten, abgebrochen. Dort, im Golf von Thailand in Richtung der vietnamesischen Küste, war das Flugzeug zuerst vermutet worden. In dem Gebiet war es zum letzten Mal eindeutig von einem Radargerät identifiziert worden. 

          Die ohnehin immens schwierige Suche wird dadurch keineswegs einfacher. Da viele Länder von der neuen Situation betroffen seien, habe das malaysische Außenministerium die Botschafter zu einem Briefing eingeladen. Am Samstag waren laut Najib Razak 14 Länder mit 58 Flugzeugen, 43 Schiffen und diversen Hubschraubern an der Suche beteiligt. Kritik an dem malaysischen Vorgehen gab es erneut von chinesischen Angehörigen und der Regierung in Peking. Najib Razak erklärte, es sei „eine Situation ohne Beispiel“. Auch die Angehörigen in Malaysia wurden informiert. „Für die Familien und Freunde derjenigen, die involviert sind, hoffe ich, dass uns die neuen Informationen einen Schritt weiter dahinbringen, das Flugzeug zu finden“, sagte Najib Razak.

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